newsticker vom 25.1.03: [1 | 2 | 3]
anti-wef sendungsarchiv von radio lora und rabe: www.lora.ch/events/davos/wef2003/
vorfeld [1 | 2 | 3]:
nach wochen mit vielen dezentralen aktionen gegen das WEF, dessen mitglieder und verbündete fanden am freitag abend - 24.1.03 - aktionen und demonstrationen an den grenzen bzw. den nächstgelegenen städten (chiasso, genf, basel) statt. anders als vor zwei jahren ist es diesmal z.b. gelungen, dass die aktivistInnen aus italien mit einer kollektiven einreise in die schweiz gelangten. offiziell wurden 13 menschen an den grenzen zurückgewiesen, gegen 600 (!) galten einreisesperren.
[einreisesperre no-nato-aktivist | GBI-busse an grenze gestoppt]
anreise:
am samstag morgen geht die demo los. früh morgens fahren die ersten züge und busse richtung lanquart:
[film: wipe out wef express, 8.10 zürich hb]
landquart 1 (delegationszug nach fideris):
als gegen mittag die letzten züge aus der romandie in landquart eintreffen, warten viele schon seit stunden. die stimmung ist nicht schlecht: es gibt einen wunderbaren pink-block und musik.
das gesamte bahnhofsgelände wurde in einen riesigen polizeikessel verwandelt, der vor allem von genfer und deutschen polizisten umstellt ist. mindestens vier deutsche wasserwerfer stehen bereit und deutsche polizeibeamte sammeln wacker daten und photographieren demonstrationsteilehmerInnen.
[fotos: 1 | 2 | 3] [bericht: 1] [film: interviews landquart]
die gleise sind von aktivistInnen besetzt, damit ankommende und herumstehende züge nicht einfach abfahren können.
die busse sowie der delegationszug des oltner bündnisses und anderer aktivistInnen ist schon in fideris angekommen, um dort ihre forderungen kollektiv und aus dem zug heraus kundzutun: freie fahrt nach davos!
fideris 1 (delegationszug):
die schon früher angereiste SP-spitze ist unterdessen durch die ach so normalen und verhältnissmässigen schleusen gerannt und wurde dabei nicht einmal von beamten des sicherheitsdienstes/staatsschutzes(/"szenenkenner") begutachtet, in keine befragungscontainer gebracht und auch nicht gefilmt.
fast gleichzeitig zum delegationzug kommen mehrere busse der GBI und der JUSO in fideris an. die busse werden verlassen und eine demo gegen die vorgesehenen kontrollen gestartet. per megafon wurde aus dem zug immer wieder die forderung nach aufhebung der kontrollen gestellt.
die polizei und der sofort anwesende "vermittler" h.p. michel (landrat davos) geben dem druck nach langem, langem warten nach und machen bekannt, dass dieser und alle nachfolgenden züge nach davos fahren können, wenn drei polizistInnen durch den zug gehen und einzelne gepäckkontrollen durchführen könnten.
diesem angebot wird zugestimmt und so fährt der delegationszug weiter nach davos.
[berichte: 1 | 2 | DJS-protokoll] [film: 1]
davos 1:
der in davos ankommende delegationszug fährt nicht zum offiziellen besammlungsort davos platz, sondern hält bei davos dorf und begibt sich zum infozelt auf dem parsennparkplatz.
[berichte: 1 | 2]
landquart 2 (warten):
in landquart, wo sich inzwischen einige tausend leute auf dem bahnhof-gelände - dem riesigen polizeikessel (die polizei hält mitlerweile alle geleise mit gittern und bewaffnetet beamten besetzt) - angesammelt haben, löst die neue situation diskussionen aus: die einen freuen sich darüber, dass die polizei ihr sicherheitskonzept in fideris hat fallen lassen, andere sprechen sich auch gegen die kontrollen im zug aus und schlagen vor, die demo in eine andere stadt zu verlegen.
die mehrzahl der anwesenden und seit stunden wartenden wollen endlich nach davos und so werden die vier bereitgestellten züge bestiegen: sie bieten viel zu wenig platz; es entsteht ein gedränge.
der erste zug fährt ab, die anderen warten (einmal mehr).
fideris 2 (zweiter zug; wortbruch):
als der erste dieser züge in fideris ankommt, wird schnell klar, dass die polizei ihr wort nicht hält: die leute im zug werden aufgefordert auszusteigen und durch die schleusen zu gehen oder sich einzeln beim wiedereinsteigen kontrollieren zu lassen. dies wird abgelehnt. einige leute stiegen offenbar aus dem zug um platz zu schaffen, damit die mit dem delegationszug vereinbarten kontrollen im zug stattfinden könnten. die polizei lehnt auch dies ab; es ist ihnen zu wenig.
[berichte: 1 | 2 | 3 | 4 | DJS-protokoll] [fotos: 1]
landquart 3 (druck aufbauen):
in den bereitstehenden zügen macht die RhB eine durchsage, wonach der zug in fideris von demonstrantInnen blockiert würde und deshalb die anderen züge nicht losfahren könnten. in wirklichkeit ist die situation ganz anders (wie oben beschrieben).
als bekannt wird, was in fideris läuft, beschliessen in landquart einige, jetzt möglichst schnell druck aufzubauen: es wird versucht, auf die autobahn zu gelangen. dies ist durch das grosse polizeiaufgebot bzw. den einsatz von wasserwerfer, gummigeschossen und tränengas, sowie durch das unkoordinierte vorgehen der eingekesselten nicht möglich.
dass der lastwagen mit dem soundsystem schon richtung davos abgefahren ist, macht es schwieriger, gemeinsame diskussionen zu führen und alle leute auf dem gleichen informationsstand zu halten.
[fotos: 1]
fideris 3 -> landquart 4 (zweiter zug zurück nach landquart):
der zug, welcher in fideris von der polizei blockiert wurde, fährt mit offenen türen nach landquart zurück.
die polizei stoppt ihn 500 meter vor landquart und greift die menschen mit tränengas an. eine demo formiert sich durchs dorf richtung bahnhof. gleichzeitig wird vom bahnhof aus versucht, durch die polizeiabsperrung zum zug durchzubrechen; es gelingt nicht. immerwieder gibt es einsätze von wasserwerfern, gummigeschossen und tränengas - jetzt auch auf den etwas entfernten bahnhofplatz, welcher bis jetzt von den polizeiaktionen verschont blieb. mehrere menschen werden im gesicht verletzt, andere müssen sich wegen dem tränengas übergeben.
[film: 1] [fotos: 1 | 2]
die demo aus dem gestoppten zug kommt endlich am bahnhof an.
davos 2:
in davos gibt es konflikte, da einige (z.b. die SP) unbedingt eine demo abhalten wollen und andere aufgrund der situation in fideris nicht dazu bereit sind, den fernsehkameras nun das bild einer schönen, friedlichen anti-wef demo zu bieten.
die stattfindende demo verläuft rückwärts: sie geht zum rathaus, wo die demo-bewilligung den behörden zurückgebracht wird.
[bericht: 1] [filme: 1 | 2 | 3] [fotos: 1 | 2] [audio: 1]
rückfahrt und demo in bern:
in landquart wird beschlossen, gemeinsam in eine andere stadt zu fahren, um dort endlich doch noch eine demo durchzuführen.
es stehen zwei züge bereit, der eine fährt nach zürich (wollishofen - hb), der andere nach bern (über zürich wollishofen). beim abfahren wird der eine zug von der polizei mit gummigeschossen angegriffen, die durch geöffnete fenster mindestens eine person im gesicht verletzen.
in zürich wird die polizei mobilisiert; wollishofen wird weiträumig abgesperrt und der hauptbahnhof ist voll von polizistInnen.
einige verabschieden sich in zürich von dem demo-zug, andere steigen in den zug nach bern zu. die fahrt dahin dauert lange; vermutlich um der polizei zeit zu geben, die altstadt und das bundeshaus abzuriegeln.
kaum kommen die leute um 21 uhr aus dem bahnhof bern, gehts massiv ab. dabei gehen u.a. die scheiben des hotels schweizerhof zu bruch, wasserwerfer, gumigeschosse und tränengas werden eingesetzt. von anfang an ist klar, dass die demo richtung reithalle getrieben wird. leute erbeuten zur verteidigung ein baufahrzeug. die reithalle wird umstellt und tränengas gezielt in deren innenhof geschossen.
nach stunden beruhigt sich die situation langsam.
30 personen wurden verhaftet und am nächsten tag wieder freigelassen, über 100 kontrolliert.
[fotos: 1 | 2]
die ereignisse in bern werfen eine schatten auf den antifaschistischen abendspaziergang in bern voraus. die bürgerlichen parteien nutzen die situation, um wieder einmal die reithalle anzugreifen.
dazu die stellungnahme der IKUR.
die ag-antirep des oltner bündnisses ruft verhaftete und kontrollierte demonstrationsteilnehmerInnen auf, gemeinsam rechtlich gegen die polizeigewalt vorzugehen.
[weitere fotos: 1 | 2 | 3 | 4] [weitere berichte: 1 | 2 | 3] [weitere filme: free marco camenisch | gruntz.net filme zu landquart und bern] [weiteres: 1 | 2 | porto alegre torte]
nach dem 25.1.03:
[augenauf-demo am montag 27.1.03 verhindert | anti-rep demo in lugano: 1 und 2]
der nächste WEF-termin sollte das südost-europäische treffen des WEF sein, das am 23./24. mai in genf stattfinden soll.
fazits:
- das sicherheitskonzept funktionierte für polizei und militär nicht wie gewünscht (fideris), was wichtig im hinblick auf den g8-gipfel in evian ist.
- die demo am samstag konnte das WEF nicht direkt stören. allerdings kam es dieses jahr zu vielen direkten aktionen gegen WEF-mitglieder und -teilnehmer.
- wer hat uns verraten? sozialdemokraten! es ist voraussehbar, dass die SP mit anderen gemässigten kreisen versuchen wird, die "führung" einer nächsten anti-WEF demonstration zu übernehmen und ein demonstrationsgesuch einzureichen, falls das WEF jahrestreffen nochmals in davos stattfinden sollte.
- die wichtige kritik an aktionen, wie sie z.b. von als affen verkleideten durchgeführt wurden, muss in die nachbereitungen/auswertungen des 25.1. miteinbezogen werden.
stellungsnahmen:
[Oltner Bündnis Communique | Erklärung zur WEF-Demo vom Revolutionären Aufbau Schweiz | Anti-WTO Koordination Basel | IKUR | Auswertung DaDavos]
ch.indymedia.org gleicht zur zeit einem sturm im wasserglas. vor allem die unaufhörliche diskussion über "gewalt" und die wortmeldungen von leuten, die dem rechtsaussen-provoecken zuzuordnen sind, sorgen beinahe für eine überflutung des newswires oder zumindest für eine ungerechtfertigte dominanz darin.
kennt jemensch etwas vergleichendes zu porto allegre ?