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Tagi Online 3.6.03
Die Genfer Polizei steckt nach den G-8-Demos in einer Krise
GENF - In der Genfer Polizei herrscht Krisenstimmung. Die Polizisten drohen gar damit, eine für den Abend angekündigte Kundgebung nicht mehr zu überwachen. Die Gewerkschaft erwartet ein klares Zeichen von der Regierung für ein Eingreifen.
"Wir wollen nicht länger als Blumentöpfe dienen", erklärte der Präsident der Polizeigewerkschaft, Jean-Marc Widmer. Das unentschlossene Polizeivorgehen vom Montagabend ist für Widmer nicht auf Polizeidirektorin Micheline Spoerri zurückzuführen, sondern auf die Einmischung von Parlamentarieren und anderen Staatsräten.
Für den Gewerkschaftspräsidenten ist unzulässig, dass Parlamentsmitglieder der Polizei Befehle erteilen wollten. Dies obliege auch nicht den am Montagabend anwesenden SP-Staatsräten Charles Beer und Laurent Moutinot.
Man erwarte nun ein klares Zeichen von der Regierung, was die für den Abend angekündigte, neuerliche Demonstration betreffe. Ohne ein klares Bekenntnis zu null Toleranz "weigern wir uns, wieder als Dekor zu dienen", sagte Widmer. Die Polizisten seien nach vier Einsatztagen erschöpft.
Die Genfer Polizei kann zudem nicht mehr auf deutsche Verstärkung zählen. Die 1000 deutschen Polizeikräfte sind abgereist. Ursprünglich war deren Präsenz nur am Flughafen Cointrin vorgesehen. Sie eilten den Genfer Kollegen am Sonntagabend zu Hilfe, um Jagd auf Plünderer zu machen.
Die Genfer Medien machen ihrerseits die unnachgiebige Haltung von Polizeidirektorin Micheline Spoerri dafür verantwortlich, dass es in der Nacht auf Dienstag erneut zu gewaltsamen Zusammenstössen mit Demonstrierenden kam. Die Demonstration einiger hundert Jugendlicher hatte zuerst friedlich begonnen.
Die rund 500 Demonstrierenden wurden danach auf der Mont-Blanc-Brücke eingekesselt. Wer bereit war, sich durchsuchen zu lassen, konnte passieren. Nach längerem Hin und Her wurde die Kundgebung unter Einsatz von Wasserwerfern, Gummigeschossen und Tränengas aufgelöst. (sda) |
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17:54 -- Tages-Anzeiger Online
Versammlungsverbot in Genf
Wegen der andauernden Demonstrationen in Genf erlässt der Staatsrat ein Versammlungsverbot. Die Bevölkerung wird aufgerufen Menschenansammlungen zu meiden.
In Übereinkunft mit dem Generalstaatsanwalt habe der Staatsrat jede Versammlung auf öffentlichem Genfer Boden verboten, teilte die Regierung am Abend mit.
Die Polizei wird laut Mitteilung in ihrer Mission bestätigt, alle Schäden zu verhindern und Delinquenten zu verhaften. G-8-Gegner haben für den Abend weitere Demonstrationen angekündigt. (sda)