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 :: WTO kills people ... ::
11-09-2003 15:27
AutorIn : Direkte Solidarität mit Chiapas : http://www.chiapas.ch
Bauern und Indigene protestieren gemeinsam in Cancún
WTO kills people ...


Bauern und Indigene protestieren gemeinsam in Cancún

In den ersten Protesten gegen die fünfte WTO-Ministerkonferenz, welche am 10. September im mexikanischen Badeort Cancún begonnen hat, wird eine neue Allianz von Bauern- und indigenen Organisationen manifest. Am „Campesino- und Indígena-Forum“, das die internationale Bauernkoalition „Via Campesina“ organisierte, nahmen viele indigene Organisationen teil. Auch einige hundert Zapatistas reisten an die Proteste nach Cancún. In der Grussbotschaft der aufständigen Indígenas aus Chiapas werden auch interne Widersprüche angesprochen. Die zapatistische Comandanta Esther betonte, dass nicht nur die „Neoliberalen“ die Rechte der Frauen verletzten, sondern auch viele Männer, „die gegen den Neoliberalismus kämpfen und sich als Revolutionäre bezeichnen, sich aber zuhause aufführen wie Bush“.

Diese Basisbewegungen und viele Anti-Globalisierungsgruppen aus aller Welt kritisieren stark die Haltung vieler NGO’s, welche an der WTO-Konferenz teilnehmen und immer noch auf die Reformierbarkeit der WTO setzen. Die Basisbewegungen hingegen sehen in der WTO die „Globalisierung des Todes, dieser Maschine, welche Blut frisst und Dollars scheisst“, wie Subcomandante Marcos sagt. Gestern ging diese radikale Allianz aus Bauern, Indigenen und städtischen Anti-Globalisierungsgruppen ersmals geschlossen auf die Strasse.

Verzweiflung, Wut und Widerstand

Die Verzweiflung und die wilde Entschlossenheit vieler Bauern- und Indígena-Organisationen wird in diesen Tagen in Cancún sichtbar. Viele Delegierte konnten den Weg ins karibische Ferienparadies aus finanziellen Gründen nicht antreten oder mussten an der Grenze zu Mittelamerika umkehren, da die mexikanischen Behörden in diesen Tagen Wucherpreise von bis zu 100 Dollar für ein Visum verlangen. Doch über 10'000 WTO-GegnerInnen schafften es und gestern Mittwoch fand die erste grosse Demonstration statt. Unter der Führung von „Via Campesina“ hatte der festliche Demonstrationszug zum Ziel, friedlich in die rote Zone vorzustossen. Angeführt wurde er von einer Delegation von 150 südkoreanischen Bauern, welche in einem Sarg symbolisch die Reste der WTO mitführten.

An den Absperrungen kilometerweit vom Tagungsort entfernt scheiterten jedoch die Verhandlungen mit den Behörden und die Bauern und Bäuerinnen begannen, die Gitter zu durchbrechen. Die Auseinandersetzungen begannen nach dem Suizid des südkoreanischen Bauernführers Lee Kyan Hae, der sich an der Spitze der Demonstration auf einer Absperrung stehend mit einem Messer aus Protest gegen die WTO umbrachte. Ein Sprecher der südkoreanischen Bauernoganisation sagte, sie seien stolz auf das Opfer, das Lee gebracht habe: „Dies ist einer der wenigen Wege, welche uns offengelassen werden. Die WTO bringt uns und unseren Bauernfamilien den Tod. Es ist fast unmöglich, als Bauern zu überleben. Sein Tod ist eine Botschaft, ein symbolischer Akt, der dies ausdrückt.“

Die Bauern und Bäuerinnen, die Indígenas und die GlobalisierungsgegnerInnen aller Couleur fordern gemeinsam, dass die WTO die Landwirtschaft, aber auch andere Bereiche wie Gesundheits- und Schulwesen, nicht weiter liberalisiert. Der lautstarke und kompromisslose Protest in Cancún und weltweit macht klar, dass die Deregulierungen - nicht nur durch die WTO – die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen und viele mit dem Mut der Verzweiflung um ihr Überleben kämpfen. Die WTO gehört abgeschafft!


… kill the WTO!
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  wto und so
11.09.2003 18:16  
naja selbstmord auf den barrikaden; ich versteh ja die symbolische bedeutung, trotzdem find ich "stolz sein auf das opfer, dass Lee gebracht hat" nicht ganz nachvollziehbar.
bitte fass das nicht als provokation auf, aber jetzt mal ernst; siehst du heute noch ne alternative zur möglichst gerechten Einbindung der 3. Welt in die Globalisierung? Ich kann die Wut über Organisationen wie die WTO verstehen, aber ich glaube nicht, dass noch ein Umkehren möglich ist, das für die armen besser rauskommt als wenn man die Globalisierung reformiert und gerechtigkeit fördernde gesetze erlässt. vielleicht bin ich pessimistisch, aber wie stellst du dir das vor? dass alle kapitalgeber abziehen und die einheimischen gerade mal das Essen für sich selbst anbauen, subsistenzwirtschaft? um andere produkte produzieren, spitäler mit technologischen Geräten ausrüsten und eine infrastruktur aufbauen zu können, brauchen sie geld, und das bekommen sie nur wenn sie exportieren (die bevölkerung wird kein geld auf der bank sparen, das dann unternehmungen zu verfügung steht, weil sie KEINES hat!)..

das macht mich zum globalisierungskriter und nicht -gegner.


AutorIn: ulrich von rudenz
  ...
12.09.2003 09:08  
export ist leider nicht möglich oder beschränkt und dann nur zu einem miesen kosten-ertragsverhältnis. wenn bestehende absatzmärkte schon dominiert werden, dann muss von anderen anbietern der herrschende marktpreis unterboten werden, wollen sie sich ebenfalls ein stück vom marktkuchen abschneiden. sehr anschaulich sieht mensch dies am beispiel der baumwollenproduktion:
der markt für baumwolle wird fast ausschliesslich von den USA dominiert. die nachfrage nach baumwolle bestimmt den preis. es gibt aber viel billiger produzenten von baumwolle in einigen afrikanischen ländern, wie die elfenbeinküste oder mali um nur diese zu nennen, welche baumwolle zu einem viel billigeren preis anbieten können.
das angebot steigt und die nachfrage bleibt mehr oder weniger gleich.
die USA kommen unter druck und überlegen sich, wie sie trotz höherer produktionskosten baumwolle zu einem tieferen preis anbieten können, damit nicht die elfenbeinküste plötzlich an marktvolumen dazugewinnt.
und wie machen sie das wie?
natürlich mit milliardenschweren subventionen für die produzenten, damit sie trotz hoher kosten den preis drücken können und anderen baumwolleproduzenten so den zugang zum markt erschweren.
genau hierin liegen die probleme:
ein freier handel wäre möglich wenn direktzahlungen(subventionen) verhindert werden würden, was ja eigentlich auch ein WTO-gesetz darstellt.
die USA stellen sich wie schon in sachen menschenrechten oder UNO-resolution u.a. gesetzen über sie, aus dem interesse ihre ökonomische dominanz nicht zu verlieren.

die WTO wird nicht fähig sein nationen und ihre interessen einzudämmen, um gleichgewichtssituationen zu schaffen, sondern wird spielball der mächtigen bleiben.

wir müssen die grenzen öffnen und zwar für alle!
wir müssen die WTO abschaffen!
und wir müssen die nationen zerstören, erst dann gibts wahrscheinlich linderung für millionen von notlagesituationen!

aber wie gehen wirs an? ist alles schon zu komplex geworden?


AutorIn: noname
  Selbstmord als Waffe?
12.09.2003 11:14  
Sich selber umzubringen ist wohl ein Ausfluss der Intifada weltweit, oder?


AutorIn: doc
  wto kills different
14.09.2003 03:04  
@noname, @ulrich

zum satz: "genau hierin liegen die probleme: ein freier handel wäre möglich wenn direktzahlungen (subventionen) verhindert werden würden, was ja eigentlich auch ein WTO-gesetz darstellt." Sinngemäs dann wäre alles gut.

das währe dann wohl der total liberale markt oder? die bauern in der 3. welt könnten ihre produkte zu besseren preisen exportieren, mit den so erwirtschafteten devisen strassen, schulen u. spitäler bauen usw. und so fort bis alle ein häuschen und ein auto haben wie @ulrich es vielleicht meint?
einverstanden, die usa u. andere verhindern den marktzutritt für 3. weltländer massiv aus rein protektionistischen gründen. die bauern wollen als treue wähler nicht vergrault werden und marktanteile gesteigert werden. und dass geht nun mal nicht mit subventionskürzungen in hochpreisländern obwohl die wto das auf der fahne stehen hat. (die schweiz zahlt jährlich 3.5 milliarden an ihre bauern).

trotzdem, ich glaube es ist eben doch alles ein wenig komplexer.
erstens: eine entwicklung von der scholle übers industrie- zum dienstleistungsland ist in einem theoretisch noch so unverzerrten
und gerechten weltmarkt (null subventionen) für entwicklungsländer schwer möglich. Der technologische fortschritt ist im norden viel schneller als im süden. damit sinken auch die produktionskosten aber die preise steigen weil der wohlstand mit steigt. nur die grundnahrungsmittel bleiben gleich oder fallen. Ein beispiel: bäuerIn A kaufte vor 50 jahren für umgerechnet 50 säcke cafe einen traktor. heute kann bäuerInn A keinen traktor mehr kaufen. sie/er hat nicht genügend land um die 500 säcke cafe zu produzieren, die ein traktor heute kostet. (sorry wegen dem lehrerhaften ton) p.s. bäuerIn A`s traktor wird natürlich „billig“ vom hochtechnisierten norden importiert. Traktorfabriken sind in der region nicht vorhanden. die konkurrenz aus dem norden ist zu gross

übrigens kämpfen unsere bäuerInnen und älplerinnen mit dem gleichen problem, nur suchen blöderweise viele von ihnen immer noch bei der svp ihr glück ohne der realität ins auge zu sehen.

zweitens die realität: das wirtschaftswunder im norden basiert vor allem auf den tiefen energiekosten (öl, strom). nichterneuerbare ressourcen können nicht mit erneuerbaren ressourcen konkurrenzieren. bäuerin A`s ressource ist der boden. Sie/er kann nicht unbegrenzt den cafeertrag auf ihrem boden steigern während mit „unbegrenztem“ billigem öl und eisen immer mehr traktoren produziert werden können. Der norden profitiert deshalb auf kosten des südens dank ungerechter verteilung der produktionsmittel und deren verschwendung.

Die bäuerinnen & bauern abhängig vom boden den sie bewirtschaften sind in diesem fall immer die doofen. Ob in algerien in chiapas oder am zürisee
Deshalb lieber mal wieder vor der eigenen tür kehren:

bäuerIn mach die augen auf!
globale umverteilung aber schnell!
null wachstum, stagnation, deflation und rezession hier und jetzt!
couchpain und deiss pensionieren!
wto abschaffen nicht reformieren!


bauer A



AutorIn: bauer A
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