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 :: Kolumbien: Coca Cola plant Werkschliessungen ::
11-09-2003 16:58
AutorIn : ///
Coca Cola kündigt die Schliessung mehrerer Fabriken in Kolumbien an
ArbeiterInnen werden unter Druck gesetzt ihrer Entlassung zuzustimmen.


Sollte es FEMSA (so heisst das Lizenzunternehmen für Coca Cola Produkte in Kolumbien) gelingen, die Coca Cola Standorte zu schliessen, wäre das ein weitere empfindlicher Schlag gegen die linke Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL.





In den letzten Tagen berief die Konzernleitung der Coca Cola Abfüllanlagen in Kolumbien in den Städten Barrancabermeja, Cucuta, Cartagena, Monteria, Duitama, Pereira, Valledupar, Neiva und Villavicencio Werksversammlungen ein, und verkündete den ArbeiterInnen, dass die jeweiligen Produktionsstätten geschlossen werden sollen. Den betroffenen Angestellten, sofern sie überhaupt feste Arbeitsverträge haben, wird angeboten, mit dem Konzern eine "einvernehmliche" Einigung über die Aufkündigung ihrer Verträge zu verhandeln, ansonsten wird FEMSA die Entlassungen vom Sozialministerium absegnen lassen. Die Konzernleitung wird bei den anstehenden Verhandlungen wenig auf die Bedürfnisse der ArbeiterInnen eingehen.

Bereits seit Anfang der neunziger Jahre wird der Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal systematisch der Boden unter den Füssen weggezogen. Eine umfangreiche Umstrukturierung des Unternehmens hatte zur Folge, dass ein grosser Teil der Angestellten ihre Festanstellung verlor. An ihre Stelle traten ungesicherte Arbeitsverhältnisse über Zeitarbeitsverträge. Beschäftigten in solchen Arbeitsverhältnissen ist es nahezu unmöglich sich gewerkschaftlich zu organisieren, da die Werksleitung unliebsame ArbeiterInnen ohne Arbeitschutzrechte leicht entlassen konnte. Die Mitgliedszahlen der Gewerkschaft schwanden. 1993 waren noch 1300 ArbeiterInnen in der Gewerkschaft, 2002 waren es noch 400. Der Austritt aus sicheren Arbeitsverhältnissen und gewerkschaftlicher Organisierung fand dabei nicht freiwillig statt. Immer wieder wurden ganze Belegschaften von den paramilitärischen Todesschwadronen der AUC massiv unter Druck gesetzt die Gewerkschaft zu verlassen. Immer wieder kommt es dabei zu Todesdrohungen, Entführungen und schliesslich Morden an GewerkschafterInnen, wobei die Mordanschläge sich insbesondere gegen die Führungsebene der Gewerkschaft richten. Der paramilitärische Terror nimmt dann zu, wenn die Gewerkschaft in Verhandlungen mit der Konzernleitung tritt, hat aber noch andere Hintergründe:

SINALTRAINAL ist eine linke Gewerkschaft, die im Gewerkschaftsdachverband CUT eingegliedert ist. Neben einer arbeitsrechtlichen Politik, mischt sich SINALTRAINAL auch in andere Bereiche ein. So arbeitet Sinaltrainal eng mit Bauern und Vertriebenen Organisationen zusammen und präsentierte einen Vorschlag für eine radikale Landreform gegen die höchst ungleiche Landverteilung. Die Gewerkschaft engagierte sich für einen Wahlboykott des sogenannten Referendums, mit welchem der ultrarechte Präsident Alvaro Uribe Velez beabsichtigte verfassungsmäßige Rechte einzuschränken und die eigene Position verfassungsmäßig auszubauen, und sie engagiert sich gegen den Plan Colombia und für die Menschenrechte, eine Politik die in eindeutiger Opposition zu der herrschenden Politik in Kolumbien steht.

Im Juli dieses Jahres rief SINALTRAINAL dazu auf, Produkte von Coca Cola international zu boykottieren, bis der Konzern seine gewerkschaftsfeindliche Politik einstellt. Dabei ist es besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass es hier nicht darum geht, ein US amerikanisches Produkt zu boykottieren, weil es Teil einer sogenannten imperialistischen US- Kultur sei, sondern darum mit dem Boykott internationale Aufmerksamkeit für die Situation der kolumbianischen Coca Cola ArbeiterInnen zu erregen und den Konzern dazu zu zwingen die Menschenrechte und die Arbeitsrechte zu achten und entsprechend FEMSA anzuweisen, gegen die paramilitärischen Strukturen in ihren Werken vorzugehen und auf Massenentlassungen und Erpressungen zu verzichten. Angesichts der jüngsten Drohungen hofft SINALTRAINAL, dass der internationale Druck gegen die Konzernpolitik zunimmt. Angesichts der aussichtslosen Situation in Kolumbien ist der internationale Prostest das letzte Kampfmittel der Gewerkschaft.


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