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Die Anklagepunkte
Ein Jahr nachdem das aggressive Verhalten der Polizei beinahe das Leben der beiden KletterInnen gekostet hat, werden drei der 17 Anti-G8-Aktivisten von den Schweizer Behörden nicht nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Strassenverkehr angeklagt sondern ironischerweise auch wegen “Gefährdung des Lebens Dritter”.
Erinnern wir uns an den 1. Juni 2003, als eine internationale Bezugsgruppe die Autobahn auf dem Weg nach Evian blockierte , um die G8-Delegierten auf ihrem Weg zum Gipfel aufzuhalten. Sie spannte ein Seil quer über die eine Hälfte der Brücke über die Aubonne, an dem sich 2 Leute abseilten. Andere errichteten 100 m vor dem Seil eine Sicherheitsbarrikade und informierten Autofahrer und Polizisten. Doch ein Beamte durchschnitt das Seil und stürzte Martin 25 Meter in einen flachen, steinigen Bach, während Gesine von den schnellen Reflexen ihrer Unterstützer gerettet wurde, denen es gelang, ihr Seil festzuhalten.
Martin erlitt schwere Verletzungen an Wirbelsäule, Becken und dem linken Fuß. Es ist fraglich, ob er sich jemals wieder normal bewegen können wird. Gesine wird wegen posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) behandelt, an deren vielfältigen lähmenden Auswirkungen noch mindestend 3 weitere Aktivisten leiden. KeineR von ihnen hat es seit dem Vor”fall” geschafft, ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Nach einem Jahr psychischer und physischer Leiden sollen sich die beiden Kletterer und ein weiterer Aktivist in Nyon (CH) vor Gericht verantworten, wobei die Mehrheit der AktivistInnen auf der Bruecke schon in ihrer Abwesenheit zu 15 Tagen Gefaengnis auf 2 Jahre Bewährung und der Übernahme der Gerichtskosten von 420 CHF ( ca. 300 euro) verurteilt wurde.
Für den Verhandlungstag lädt die Aubonne-Support-Gruppe alle dazu ein, vor und in dem Gerichtsgebäude Präsenz zu zeigen (oder halt vor und in der nächsten Schweizer Vertretung). Sie wollen diesen klar und deutlich auf Video dokumentierten Fall von Polizeigewalt mit folgender Imunität der Beamten dazu nutzen, diesen und ähnliche vom Mantel des Schweigens bedechte Fälle staatlicher Gewalt ins Scheinwerferlicht zu rücken und ihre Verbindungen aufzeigen, z.B. zu dem Fall in Genua um den unentschuldbaren Angriff der Polizei auf das IMC und den Schlafplatz in der Diaz-Schule. Desweiteren finden sich auf www.aubonnebridge.net/deu/letters.php Faxnummer und Adresse des Kantons Vaud, sowie die Vorlage eines Unterstütztungsbriefes.
Die "International Commission for Globalisation and Human Rights"
Das Verfahren wird von der "Int. Commission for Globalisation and Human Rights" überwacht werden, einer Vereinigung von Anwälten, die die Menschenrechtverletzungen bei den Anti-G8-Protesten in Genua 2001 untersucht hat. Diese Untersuchungen führten dazu, das sich italienische Polizisten zum ersten Mal derartigen Anklagen vor Gericht stellen müssen – dieses Verfahren in Italien beginnt zufälligerweise genau 2 Tage vor dem in Nyon.
Die Untersuchung gegen die Polizei
Gesine und Martin haben Beschwerde gegen die Polizei eingelegt - wegen Lebensgefährdung, Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Dem ersten Untersuchungsrichter wurde der Fall entzogen, nachdem er sich weigerte, die Aussagen der Aktivisten zuzulassen, und das Videomaterial erst nach einem Monat anforderte. Doch der Prozess ist immer noch sehr undurchsichtig, und es erscheint wenig wahrscheinlich, dass es zu Strafmassnahmen gegen die Verantwortlichen kommt.
Anti-Repressions Treffen
Das Wochende (26./27. Juni) vor der Verhandlung soll genutzt werden, Menschen und Gruppen in Genf zusammenzubringen, um Möglichkeiten und Ideen für den Aufbau eines effektiven Antirepressionsnetzwerks in Europa zu diskutieren, mit einem starkem Fokus auf dem Umgang mit den psychischen Folgen von Repression. Wir rechnen mit der Teilnahme einer Vielzahl von Leuten aus verschiedenen Teilen Europas. Die Einladung wurde an viele Gruppen und Organisationen geschickt, welche bereits aktiv Antirepressionsarbeit in verschiedenen Bereichen leisten oder leisten wollen - Soli- Netzwerke, Menschenrechtsorganisationen, Knast- Solidarität, FlüchtlingsunterstützerInnen- Gruppen etc. Das Ziel der Organisation ist ein offenes, vielfältiges und integratives Treffen. Die Organisatoren bitten um Anmeldungen unter aubonne (at)nolog.org. [Aubonne-Support-Gruppe | Homepage über das Treffen am Wochenende]
Trauma
Eine der Lehren aus dem Jahr seit dem Vor”fall” ist, dass mensch sich leicht auf die physischen und legalen Konsequenzen der Repression konzentriert, und der psychischen Seite zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Die Palette der möglichen Auswirkungen reicht von mildem Trauma bis hin zu extremeren Formen wie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit zerstörerischem Einfluß auf den Alltag der Betroffenen – vom Einfluss auf die Fähigkeit, als Aktivist zu handeln, gar nicht zu sprechen. So ist es ein Anliegen der Aubonne Support Gruppe, unter Aktivisten das Wissen über Trauma und seine Auswirkungen zu verbreiten, wie mensch es erkennen kann, bei sich und bei anderen, wie damit umgegangen werden kann und wie Aktivisten sich unter solchen Umständen besser emotionell unterstützen können. Ein Einstieg in das Thema findet sich auf www.trauma-informations-zentrum.de. |
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bestellt werden kann das benefit-shirt unter:
www.disorder-berlin.de