| :: ++Frankreich: Proteste in 170 Städten - GENERALSTREIK? Pics: :: |
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Themen
| Anti-Kapitalismus/Globalisierung
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19-03-2006 19:52 |
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AutorIn : nelly
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: http://
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1,5 Millionen MEnschen demonstrierten am Samstag in über 170 Städten gegen die französische Regierung und ihr neoliberales Gesetzespaket CPE. Es kam zu Straßenkämpfen. ca. 70 der 83 Unis sind im Streik und/oder besetzt. Auch Schulen sind von Schülern und Lehrern besetzt worden. Die Gewerkschaften drohen der Regierung mit einem Generalstreik - falls das CPE bis Montag nicht zurückgezogen wird.
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Bilder aus Frankreich: |
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Revolution? Nein, Jobs!
In Frankreich gehen – wie schon 1968 – die Studenten auf die Strasse. Die Unruhen von heute haben jedoch nur oberflächlich Gemeinsamkeiten mit den Studentenprotesten vor 40 Jahren.
Von John Leicester
Tränengas und Steine. Studenten und Schüler liefern sich Strassenschlachten mit der Bereitschaftspolizei. In den Strassen der Hauptstadt werden wieder Barrikaden errichtet, Universitäten im ganzen Land besetzt. Wird der März 2006 zu dem, was schon der Mai 1968 gewesen ist? Zwar scheinen viele Parallelen zwischen den Demonstrationen von damals und heute ins Auge zu fallen, aber nur auf den ersten Blick. Bei genauer Betrachtung führen sie in die Irre.
In den 60er Jahren wollten die Studenten die französische Gesellschaft umkrempeln. «Brecht die alten Strukturen auf!» hiess einer der Slogans. Ihre Kinder wollen keine Revolution, sie wollen vielmehr den Status quo erhalten. Sie wollen den gleichen Zugang zu Renten, zu Arbeitsplätzen, zu Wohlstand und den Leistungen des Sozialstaates wie ihre Eltern. Sie treibt die Angst auf die Strasse, dass der lieb gewonnene Lebensstil bedroht ist.
Eine europäische Malaise
Es ist ein Zeichen der europäischen Malaise, das die französischen Studenten ohne Zuversicht in die Zukunft schauen. Während sie lautstark durch die Hauptstadt stampfen, mit Trommeln und Pfeifen ausgerüstet, fehlen ihnen Idealismus, Hoffnung, Utopie und konkrete Ideen. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 25 Prozent ist die Sorge allgegenwärtig, wie man einen Job findet, sich eine Wohnung leisten kann, genug Geld für die Gründung einer Familie verdienen soll.
Ein Studium ist längst keine Eintrittskarte ins Angestelltenleben mehr. Nach dem Abschluss folgen oft lange Phasen unbezahlter Praktika. Doch selbst diese sind für viele Einwandererkinder in den Vorstädten, die im Herbst von Krawallen heimgesucht wurden, schier unerreichbar.
1968 gab es in Frankreich noch ein solides Wirtschaftswachstum und nahezu Vollbeschäftigung. Es war noch die Zeit der «30 glorreichen Jahre», dem Pendant zum deutschen Wirtschaftswunder. Erst mit der Ölkrise 1973 flachte die Entwicklungskurve ab. Doch auch die Zeiten, in denen die Volkswirtschaft jährlich um fünf Prozent wuchs, sind lange vorbei. Auf den Strassen skandierten die Studenten damals «Dein Chef braucht Dich, nicht Du ihn». Der emanzipatorische Ansatz ist auf den Kopf gestellt worden, wenn es heute heisst: «Gebt uns einen Arbeitsvertrag, aber bitte unbefristet!»
Probezeit ohne Kündigungsschutz
Der Katalysator, der die Verunsicherung der Jugend und der jungen Erwachsenen in Wut verwandelt, trägt das Kürzel CPM (Contrat Première Embauche - Erstanstellungsvertrag). Er sieht eine Probezeit ohne Kündigungsschutz von 24 Monaten vor. Für den konservativen Premierminister Dominique de Villepin ist der CPM ein Werkzeug, um die Unternehmen zu mehr Einstellungen zu bewegen und damit die Chancen der Jugend zu erhöhen. Diese sieht darin einen schweren Eingriff in den Arbeitsschutz, den nahezu heiligen «Code du Travail».
Für Jugendliche in Grossbritannien oder den USA, die einen deregulierten Arbeitsmarkt gewohnt sind, hat die Vorstellung, im ersten Job leicht kündbar zu sein, wenig Anstössiges. Dass man nicht sein Leben lang bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, ist für sie der Normalfall.
In Frankreich herrscht jedoch das Misstrauen, ein Abbau von Schutz führe nicht notwendigerweise zu einem grösseren Angebot von Stellen. Und so machen die Franzosen in ihren Protesten auch ihrem Entsetzen Luft, dass sie die Sicherheiten ihrer Eltern in einer globalisierten, dem ständigen Wettbewerb unterworfenen Welt einbüssen werden. Dass die Arbeitsmarktreform der Jugend trotz der verschärften Bedingungen neue Chancen eröffnet - davon konnte Villepin sie bislang nicht überzeugen. (sbm/ap)