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 :: Graffitikongress Wien ::
 Themen | Anti-Kapitalismus/Globalisierung 20-03-2006 03:59
AutorIn : saul : http://
"take the money and run" In Wien versammelte sich für eine Woche einiges was in der Graffitiwelt Rang und Namen hat. Etliche Namen darunter die man sonst aus Graffitibücher kennt. Graffitikongress organisiert von Norbert Siegl vom Institut für Graffitiforschung.
Dabei waren Volkskundler, Proffs, Streetartaktive, Writer bis zu Harald Nägeli.
Hier ein Bericht:
"take the money and run"
"take the money and run"
"smash austria"
"smash austria"


Schon ne reife Leistung, diese Leute alle nach Wien zu kriegen. Auch manche wie etwa Nägeli, der heut die Öffentlichkeit eher meidet. Dafür demonstrierte er, das er wenn s sein muß noch Strichmännchen sprühen kann. Nicht das der noch jemand was beweisen müßte zumal er mit den Writern nichts zu tun hat und die mögen den nicht. Beruht auf Gegenseitigkeit. Bekam ich mal zu hören, als er bei einer Kunstveranstaltung in Frankfurt war. Ja, der ist berühmt aber wenn wir im Yard erwischt werden, dann gibt s aufs Maul. Das war ein Punkt, stimmte ja auch. Ein weiterer Aspekt ist einfach Futterneid. Nägeli hat halt das was die Writer wollen aber nicht bekommen, Fame. Die Writer sagen, sie wollen Ruhm. Pfffft, wie denn? Es gibt zu viele davon, Tags und Pieces findest in jeder Stadt und für Außenstehende sieht das alles gleich aus. Soll heißen, wenn du eins gesehen hast, hast sie alle gesehen. Wer sprühen will, viel Spaß und lass dich nicht erwischen, aber lass den Quatsch mit Fame, das ist n Mythos, mehr nicht.

Dazu gab es eine Styropormauer auf der in gaballter Form alle Formen der Streetart vertreten waren. Vom Sticker bis zur Schablone. Eine fast perfekte Graffitisimulation im Museum. Auf engstem Raum konzentriert, was sonst über die Städte verteilt ist. Telefonzelle und Verteilerkasten waren sogar original mit Originalgraff. Da könnten die Filmemacher noch was lernen, wenn sie ihre Pseudograffiti auf den Pappwänden im Studio sprühen lassen.

Über Streetart kann man geteilter Ansicht sein, mittlerweile viel praktizierte Kunsttheorie vom Künstlermythos der der Öffentlichkeit was zu sagen hat und nicht verstanden werden will. Immerhin geht es bei Streetart mehr um politische Aussagen im Gegensatz zu den Writern, die der Öffentlichkeit nie was mitzuteilen hatten, geschweige verstanden werden wollten. Dabei gibt es hier keine Trennung, vom Writer zur Streetart oder wieder zum Writing, viele machen beides und mit den Sticker begann die Streetart schon in der Writerszene, noch bevor es diesen Namen gab. Einfache Formen der Streetart gab es auch in der Politgraffiti und das war u.a. Thema meines Vortrags. Graffiti ist vielgestaltig und hier wurde es wieder deutlich.





Aus der Kongressankündigung:

Stelldichein der internationalen Street Art-ProtagonistInnen

Die Putzfrau und der Pochoirist

Viele spannende Vorträge und einige Performances, etwa mit dem Zürcher Ur-Sprayer oder mit der Pariser Kultfigur der Schablonenkunst verspricht der Internationale Street Art- und Graffiti-Kongress, der am 11. März in Wien beginnt. Derweil wachsen draußen, in den Städten der Welt, die
gesprayten oder geklebten Botschaften, toleriert oder kriminalisiert, exponentiell wie der Lurch in unseren Wohngemeinschaften.

Der Verbrecher unterbricht die Monotonie und Alltagssicherheit des bürgerlichen Lebens. Er bewahrt es damit vor Stagnation. (...) Bis ins Detail können die Einwirkungen des Verbrechers auf die Entwicklung der Produktivität nachgewiesen werden. Wären Schlösser je zu ihrer jetzigen Vollkommenheit gediehen, wenn es keine Diebe gäbe? Wäre die Fabrikation von Banknoten zu ihrer gegenwärtigen Vollendung gediehen, gäbe es keine Falschmünzer? (...) Verdankt die praktische Chemie nicht ebensoviel der Warenfälschung und dem Bestreben, sie aufzudecken, als dem ehrlichen Produktionseifer? Das Verbrechen, durch die stets neuen Mittel des Angriffs
auf das Eigentum, ruft stets neue Verteidigungsmittel ins Leben und wirkt damit ganz so produktiv wie Streiks auf die Erfindung von Maschinen.

Vor mehr als 130 Jahren wies Karl Marx mit diesen ironischen Bemerkungen auf die Perfektion des Kapitalismus hin: Er ist so raffiniert, dass er sogar die Gegner des Eigentums-Prinzips für seine eigenen Zwecke funktionalisiert.
Wenn Marx vor dem Graffiti- und Street-Art-Kongress referieren müsste, würde er sich augenzwinkernd vor der Produktivkraft der SprayerInnen-Szene verbeugen: Die Taten dieser jungen Menschen werden kriminalisiert, und doch sorgen sie dafür, dass die Farben- und Spraydosenkonzerne leben, dass sich
die Technologien der Gebäudereinigung perfektionieren, dass tausende Arbeitsplätze in Farbenindustrie und Gebäudereinigung gesichert werden.

Das Ironiequantum, das notwendig ist, um eine Veranstaltung vor der Unfruchtbarkeit der faden Kongruenz (in diesem Falle des einstimmigen Jas zur Street Art) zu bewahren, scheint der Wiener Graffitiforscher Norbert Siegl in die Kongressplanung eingebracht zu haben. Neben dem Gebäudereiniger aus Pöttelsdorf dürfte auch ein gewisser Herr Harald Naegeli aus der Schweiz
(Sonntag, 12. März, 16 Uhr) die Einmütigkeit stören, wenn auch auf der Basis ganz anderer Argumente. Die als Zürcher Sprayer bekannt gewordene Ikone der SprayerInnenbewegung hatte sich in letzter Zeit, so war zu lesen, von der gegenwärtigen Graffiti-Szene ziemlich distanziert.

Warum der neue Oberbegriff Street Art?

Der globale Triumph der Street Art ist indes nicht aufzuhalten. Unabhängig vom Grad der staatlichen Repression werden die Städte überschwemmt mit den Ausdrucksformen des Kommunikationsbedürfnisses junger Menschen. Zu den
vertrauten bunten großflächigen Bildern der SprayerInnen, wie sie gehäuft entlang der Eisenbahnrouten vorkommen, gesellen sich in den letzten Jahren Papierbildchen auf Mauern, Wänden und Stromkästen und viele andere innovative Formen der Straßenkunst, deren ProtagonistInnen immer neue
Freiräume erobern und für immer neue technische und inhaltliche
Weiterentwicklungen sorgen. Sie reichen weit über die klassischen Graffiti-Formen hinaus. Deshalb auch der neue Oberbegriff Street Art...
Jede Menge internationaler InnovateurInnen der Straßenkunst werden sich in Wien ein Stelldichein geben. Unter ihnen die „Putzfrau der Nation“ Irmela Mensah-Schramm aus Berlin, die unermüdliche Zerstörerin von Nazi- und „Neger raus“-Graffiti
Alle diese Street-Art-Formen seien ein Geschenk an die Öffentlichkeit, eine Bereicherung des Stadtbildes abseits der traditionellen Orte der offiziellen Kulturvermittlung, sagt der Wiener Graffiti-Experte. Vielleicht sehen das nach dem Kongress auch die Stadtverwaltungen und die Polizeiführungen Europas so. Schließlich müssen die Jobs in den Gebäudereinigungsfirmen
gesichert werden!

Siehe auch:
 http://www.graffitieuropa.org/
 http://www.graffitieuropa.org/kongress.htm
 http://www.graffitieuropa.org/frankfurt/01.htm
 http://www.graffitieuropa.org/frankfurt.htm
 http://de.geocities.com/ostendfaxpost/graffitigeschichte.html
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  nägeli
21.03.2006 15:49  
nägeli kriegt übrigens auch auf die fresse wenn er im "yard" erwischt wird, der unterschied zu euch "writern" ist, dass er dann mit seinem namen in die zeitung kommt, bei euch steht dann höchstens "schmierfink erwischt" oder so.

übrigens ging der nägeli noch bis vor wenigen jahren illegal sprühen, wer von euch writern wird das mit 40/50Jahren noch tun?

warum ich das weiss? vor ca. 6 jahren (ok, welcher hahn kräht noch danach?) hab ich selber in der zeitung gelesen, dass der nägeli von securitas gekrallt wurde, als er nächtens eine mauer des unispitals verschönerte. er sprühte dem einen securitas in die fresse und der andere zog ihm die maglite über die birne... ohne scheiss.

allerdings frag ich mich, was nägeli damals dazu bewegte, 20 Jahre nach seinem "karrierestart" wieder loszuziehen? Nostalgie? Publizität? Egal, jedenfalls sprühte nägeli in den bewegten 80ern jahrelang ohne erwischt zu werden.



AutorIn: strichman
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. ist.. — ?
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