Startseite | Gemeinsame Startseite | Publizieren! | Feature Archiv | Newswire Archiv | Trasharchiv


Über Indymedia.ch/de
Indymedia-Café
Editorial Policy / Moderationskriterien
Über Sprache sprechen - Sexismus in der Sprache
Wie kann ich auf Indymedia.ch publizieren / Allgemeines zu Medienaktivismus
Kontakt
Wiki
Mailingliste
Medienaktivismus
Gedanken zu Provos & Fakes
Links









 
www.indymedia.org

Projekte
print
radio
satellite tv
video

Afrika
ambazonia
canarias
estrecho / madiaq
kenya
nigeria
south africa

Kanada
london, ontario
maritimes
montreal
ontario
ottawa
quebec
thunder bay
vancouver
victoria
windsor

Ostasien
burma
jakarta
japan
korea
manila
qc
saint-petersburg

Europa
abruzzo
alacant
andorra
antwerpen
armenia
athens
österreich
barcelona
belarus
belgium
belgrade
bristol
brussels
bulgaria
kalabrien
croatia
cyprus
emilia-romagna
estrecho / madiaq
euskal herria
galiza
deutschland
grenoble
hungary
ireland
istanbul
italy
la plana
liege
liguria
lille
linksunten
lombardia
london
madrid
malta
marseille
nantes
napoli
netherlands
nice
northern england
norway
nottingham
oost-vlaanderen
paris/île-de-france
patras
piemonte
poland
portugal
roma
romania
russia
sardinien
schottland
sverige
switzerland
thorn
toscana
toulouse
ukraine
großbritannien
valencia

Lateinamerika
argentina
bolivia
chiapas
chile
chile sur
brasilien
sucre
colombia
ecuador
mexico
peru
puerto rico
qollasuyu
rosario
santiago
tijuana
uruguay
valparaiso
venezuela

Ozeanien
aotearoa
brisbane
burma
darwin
jakarta
manila
melbourne
perth
qc
sydney

Südasien
india
mumbai

Vereinigte Staaten
arizona
arkansas
asheville
atlanta
austin
austin
baltimore
big muddy
binghamton
boston
buffalo
charlottesville
chicago
cleveland
colorado
columbus
dc
hawaii
houston
hudson mohawk
kansas city
la
madison
maine
miami
michigan
milwaukee
minneapolis/st. paul
new hampshire
new jersey
new mexico
new orleans
north carolina
north texas
nyc
oklahoma
philadelphia
pittsburgh
portland
richmond
rochester
rogue valley
saint louis
san diego
san francisco
san francisco bay area
santa barbara
santa cruz, ca
sarasota
seattle
tampa bay
tennessee
united states
urbana-champaign
vermont
western mass
worcester

Westasien
armenia
beirut
israel
palestine

Themen
biotech

Intern
fbi/legal updates
mailing lists
process & imc docs
tech
volunteer
 
 :: Der Krebs, der Brasilien kontrolliert und frisst ::
 Themen | Anti-Kapitalismus/Globalisierung | Ökologie 05-02-2011 14:11
AutorIn : arDaga Widor : www.ardaga.net
Ein Bollwerk, das in die Offensive geführt wurde. Das sind die Ruralistas. Unter dem Motto: Angrff ist die beste Verteidigung. Ruralistas mag eine relativ neue Wortkreation sein. Zur Bezeichnung, auch Selbstbezeichnung, dieses Kartells des Todes. Aber ein neues Phänomen sind sie nicht.
Aus einer südamerikansichen Perspektive: Brasiliens Ruralistas - Die wahren Lenker eines gar nicht sanften Riesen

Der Krebs kam über den Atlantik
Die Ruralista-Ethik fusst in den unmittelbaren Anfängen des rompäpstlich-lusomonarchistischen Unternehmens Brasilien und weiters in der langen geschichtlichen Mitte des Werdegangs dieser Nation. Also erstens in der Bandeiranteszeit. Die Bandeirantes (oder Mamelucos) waren die kulturell entwurzelten und heimatlosen Söhnescharen portugiesischer Kriegsherren mit deren oft hunderten indigenen Frauen, welche bewusst “produziert” und ak- bzw. de-kulturiert abgerichtet wurden, um sie als erbarmungslose, ja wütende, weil sich ihrer “niederen” Müttermatrix schämenden, “Índio”-jäger auf widerstehende oder einfach noch freie Ureinwohner, immer weiter ins Landesinnere vordringend, säubernd, erschliessend, loszulassen. (Diese urbrasiliansiche menschenhetzende Art der Ausbreitung und Landnahme seitens der Gewaltstärkeren bedeutete übrigens auch das Aus der urbanen Jesuitenversuchsutopien, vor allem mit Guaranis im Süden und Paraguay.)
Zweitens, in der auf diesem bipolaren Weltverständnis – einerseits (gefangene) Verbrauchsmenschen, andererseits (jagende/besitzende/vermehrende) Menschenverbraucher – aufgebauten Sklavenhalterwirtschaft und -gesellschaft, mit ihrer, für Europäer oft unvorstellbaren, Landkonzentration in den Fäusten einiger weniger. (Siehe dazu Darcy Ribeiro, “O Povo Brasileiro”, auch Gilberto Freyre, “Casa-Grande & Senzala”, zwei ethno-soziologische Standardwerke zum theoretischen Verstehen eines Halbjahrtausends Brasilien.)

Bei solch extremen Besitz- und Herrschaftsverhältnissen, und, nach dem raschen Verbrauch von etwa 80% der eingeborenen Menschen, durch die folgenden, Jahrhunderte anhaltenden, Massenimporte afrikanischer Verbrauchsmenschen verschiedenster Kulturen, noch komplexer gemacht, ist das Attackieren und Ausmerzen von allem und aller, die da nicht (ganz) einverstanden sind, eine herrschaftslogische erhalterische Notwendigkeit.

Und schon sind wir in der Jetztzeit. Bei den heutigen StatthalterInnen dieses fortwirkenden Systems mit dem ihm inhärenten Weltbild. Die Ruralistas des 21.Jahrhunderts haben den totalen Kampf um die essenzielle Nichtveränderung ausgerufen. Sicherlich nicht mehr so getrieben von der rassistischen Komponente wie ihre Bandeirantesvorgänger, sondern in erster Linie, weil dieses brasilopermanente archaische Bandeirantes-Sklavenwirtschaft-Modell, seit seiner "genetischen Bereicherung" um die neoliberale Globalisierung, für märchenhafte und märchenhaft schnelle Profite steht. Einer der allermächtigsten und -letalsten Neukriegsherren-vulgo-Ruralistas wider Erde und Eingeborene und Landlose Bauern, der Ex-Gouverneur und Neo-Senator (von Mato Grosso) und Rei da Soja Blairo Maggi, z.B., schaffte es in nur einem Jahr (2003) eine halbe Milliarde US$ an öffentlich bekannt gewordenem Gewinn einzufahren.


Viele Berlusconis verderben nicht das Geschäft
Die Bancada Ruralista ist die Speerspitze der Ruralistas in Legislative (und auch Exekutive). Ihre Aktion verfolgt mehrere Hauptlinien:
Landreform, die Demokratisierung des Grundes, soll unmöglich bleiben. Organisationen und Individuen, die sich für eine Landreform einsetzen (oder auch nur für die Einhaltung der einschlägigen Gesetze in der Verfassung), sollen als "Terroristen" gebranntmarkt (und ausgeschaltet) werden. By any means neccessary (siehe Chico Mendes, Dorothy Stang, und hunderte anderer erledigter Problemfälle). Die Erkärung der Via Campesina von Cancún vom 9.Dezember 2010 (1), die einen radikalen Paradigmenwechsel, weg von der neoliberal angetriebenenen Interaktion zwischen dem Menschen und Mutter Erde fordert, ist für Ruralistas etwa so akzeptabel, wie für die Planvernichtungsmaschine der Nazis, seinerzeit, der organisierte Widerstand im Warschauer Getto. Aber selbst zaghafte Demokratisierungsvorschläge bei agrar-global-regionalen Entscheidungsfindungen, wie die vorgeschlagenen im Executive Summary of the Synthesis Report of the International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) (2) der im April 2008 in Johannesburg von allen (teilnehmenden) Regierungen (mit Vorbehalt auch denen der USA, Kanadas und Australiens) angenommen wurde, ist noch ein häretisch rotes Tuch, etwas Unzumutbares, das es zu bekämpfen gilt.
Fällige Rückzahlungen ausständiger Schulden an den Staat seitens Agrobusinesskonzernen, grossen Landwirtschaftsbetrieben und Grossgrundbesitzern, sollen über Fristverlängerungen und Reduktionen, totale Schulderlässe oder bevorzugten Kreditzugang, entweder aufgehoben, oder bis zum Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden.
Grünes Licht, Förderung und Ausdehnung für alle genmanipulierten Lebensmittel und Saatgüter.
Umwelt- bzw. ureinwohner- oder landlosenfreundliche Kandidaten, sollen als Minister verhindert werden. Andererseits, sollen so viele Ruralistas wie möglich in die Exekutive eingebracht werden. Landwirtschafts- und Energieministerium, sowie die Spitzenposten im Landwirtschaftlichen Bereich der verstaatlichten Banken, sind unverhandelbare Ruralistapfründe, will die jeweilige Regierung wenigstens den Anschein ihres Regierens wahren, und nicht mit geschlossenem Boykott aller ihrer Initiativen seitens der Ruralistas konfrontiert werden. Egal, wer gerade nominell an der Macht ist.
Legale Agrogifte sollen weiter ungehindert und in beliebigen Mengen angewendet werden dürfen. Weitere "liberalisiert" werden. Auch solche, die in Europa, Nordamerika, selbst China längst verboten sind (Acefato, Carbofurano, Cihexatina, Endossulfan,usw.). Dazu werden auch Behörden unter Druck gesetzt, desavouiert, unterwandert.
Jeder Versuch seitens der Exekutive, die im gesamten Staatsgebiet verbreitete Sklavenarbeit auf den Fazendas zu bekämfen, oder auch nur über ermittelnde Organe zu erfassen, wird erbittert bekämpft und erfolgreich verhindert.
Jedweder Gesetzesvorschlag in Sachen pro Umweltschutz und Ökologisches Wirtschaften wird abgeblockt, dafür werden Fazendeiros, die illegal abgerodet haben, unterstützt, und Amnestie durchgesetzt. Nicht von ungefähr kommen die Spitznamen der Bancada Ruralista, wie "Motorssägen-Lobby" oder "Exterminatores do Futuro" (die Kreatoren letzterer treffender Bezeichnung von der Restregenwaldschutz-NGO SOS Mata Atlântica, müssen sich dafür übrigens vor Gericht verantworten).
Dies sind nur einige, die Kernziele, die die Bancada Ruralista erfolgreich verteidigt, durchdrückt, bzw. verunmöglicht.

Wie ist solche Interessensgruppenherrschaft einer, in bezug auf 190 Millionen Brasilianern, verschwindenden Minderheit in einer Wahldemokratie überhaupt möglich?


Geld regiert die Ruralista-Welt
Eines unserer vielen Papiergesetze, ist die Strafbarkeit des Stimmenkaufs. Selbstkultürlich gewinnen aber Kandidaten weiterhin per massivem Stimmenkauf. Dass dazu Geld zur Verfügung steht, auch für die legale Wahlwerbung, dafür sorgt die Ruralista-Allianz. So werden Kandidaten gekauft (so sie sich nicht selbst schon angebiedert haben), die dann die Stimmen des Volks kaufen. Lula's Arbeiterpartei tut das auch ganz offen und staatsflächendeckend. Über ihre verschiedenen Assistenzialismus-Monatsschecks. Die zwar vielen Armen eine nötige Hilfe zur unmittelbaren Elends- bzw. Armutslinderung sind. Doch keine qualitativ emanzipatorischen (Folge-) Schritte setzen. Aber freilich Garantie sind, für bis zu 90% der Wählerstimmen in den ärmsten Regionen. Zahlen, als wären's Ergebnisse aus den vergangenen Reichen Enver Hodschas, der SED, oder der KPdSU.
Einmal gewählt, sind Abgeordnete in der Schuld bzw. Logen-Sicherheit der Ruralistas, zuverlässige Blockabstimmer in allen Belangen ihrer Zahl-Meister. Da nicht alle Abgeordneten der Bancada Ruralista sich auch als solche deklarieren, ist deren genaue Zahl nicht eruierbar. Aber selbst bei ihnen ungünstigen Wahlergebnissen, werden Verluste durch Neuzukäufe unter den neuen Abgeordneten schnell wieder wett gemacht. Bei den gängigen Milliardengewinnen aus dem Zerstörungsgeschäft, sind das lediglich notwendige Personalinvestment-Erdnüsse.

Wald, egal in welcher biotopischen Form er auftritt, Cerrado, (Atlantischer -, Amazonas-) Regenwald, Caatinga, Manguezal, Pantaneira (...), dessen traditionelle Bewohner, indigen oder nicht, Fauna und Wasser und Boden, sind ungenutztes und also verschwendetes Kapital. Das Leben und dessen biologische Basis und Komponenten, gibt es im Ruralista-Weltverstehen lediglich als kommerzielle Werte und Potentiale. Nicht als kapitalismusexterne Eigenwerte. Im bewährten Bandeirantesstil müssen diese also erschlossen, dem Fortschritt zugeführt, werden. Sturmstaffeln aus miserablen Lohnabängigen, De-facto-Sklaven und Revolvermännern, leisten die Vorarbeit des Groben für die Ruralistas. Auf dass es im ins Auge gefassten Waldabschnitt keinen menschlichen Widerstand mehr gebe. Dann kommen die illegalen mobilen Sägewerke dran. Das Adjektiv illegal hat zu Brasilien eine immense Spannweite an Bedeutungen, die oft nichts mit Gesetzesdefinitionen zu tun haben. Denn gesetzliche Rechte der Verbrauchsmenschen, die es laut ebenjener Gesetze ja eigentlich auch gar nicht gibt/geben dürfte, existieren auf dem Boden der Realität genauso wenig, wie die Verbote und Pflichten für die Menschenverbraucher. Das geht so weit, dass der Autor dieses Artikels die Brasilianische Vefassung routinemässig als das wichtigste und gelungendste Werk des brasilianischen Magischen Realismus bezeichnet. Und im Obersten Gerichtshof wachen die obersten Ruralistas, a la Grossgrundbesitzer und Ex-Deutschlandstudent Gilmar Mendes darüber, dass alles so rechtsfern und -beugerisch bleibt, wie es ist. Das heisst eben auch, dass die Besitzer der mobilen Sägewerke, sich nicht ob gesetzlicher Konsequenzen sorgen müssen. Die illegalen Arbeiter vor Ort vielleicht. Wenn hin & wieder eine medienwirksame Razzia gespielt wird. Mittel- und Oberbau der Menschen- und Naturvernichterindustrie Brasiliens, haben nichts zu befürchten.
Falls das betroffene Land nicht schon in Besitz eines Ruralista ist, wird auch dieses legale (s.oben, für Ruralistas gilt das alte Hausbesetzerwunschmotto der europäischen 70er-Jahre legal, illegal, scheissegal immer) Problem erledigt. Im gut abgestimmten Zusammenspiel aus traditioneller und epidemischer aktiver und passiver Korruption (bisweilen auch per mafiaähnlicher Gewalt, im Falle – seltener – "renitenter" = nicht mitspielen wollender Figuren) zwischen Ruralista-Wirtschaft und Behörden und Regierungsvertretern. Da folgen auch schon die Bulldozer und Abbrenner und Viehherden und Pestizid- und Gentechniklieferanten..., und wo eben noch gesetzlich geschützter bzw. durch relativ freie Menschen nachhaltig wirtschaflich genützter Wald, oder gesetzlich geschütztes Ureinwohnerterritorium, war, spannen sich plötzlich Monokulturen von Soja, Baumwolle, Eukalyptus (...) und das grosse Agrobusiness von Horizont zu Horizont. Wie im Süden der Staaten Piauí und Maranhão, Teilreiche der Firma Bünge. Oder im Süden von Bahia, Teilreich der Firma Veracel. Um nur mal zwei Beispiele namentlich zu nennen.

Brasilointern ist dieses Vorgehensschema durch die Bancada gedeckt. Und deren Stärke macht jedweden Versuch einer Änderung dieses über fünfhundertjährigen Raub-Mord- und Vernichtungs-Status-Quo unmöglich.


Jetzt auch im Rückwärtsgang Vollgas wider Natur- und Menschenschutz
Wie schon oben erwähnt, ist es eine der Kernaufgaben der Bancada Ruralista, jedwede Landreform zu verhindern. Brasilien teilt sich mit seinem Nachbarn Paraguay den Titel der weltweit höchsten Landbesitzkonzentration. Und das soll auch so bleiben. Als 2005 der damalige Präsident der Parlamentskommission zur Landfrage, Bundeskongressabgeordneter João Alfredo von der PSOL (Partei des Sozialismus und der Freiheit, abgespalten von Lula's Arbeiterpartei PT, kurz nach dessen erstem Wahlsieg und sofortigem "Vergessen" der einstigen Markenzeichen der PT solange in der Opposition, nämlich Landreform und Korruptionsbekämpfung), ihren Abschlussbericht vorlegte, in welchem eine Landreform als Lösung für die notorische Gewaltspirale am Land empfohlen, und ausserdem die Einhaltung der Verfassung und die Demokratisierung des Land(zugangs) gefordert wurde, konnten die Ruralistas in der Kommission den Bericht umgehend zu Fall bringen.

Allein, das Nichtändern des Status Quo ist den Ruralistas mittlerweile nicht mehr genug. Sie sind vielmehr dazu übergegangen, bestehenden Einschränkungen, ohnehin nur auf dem Gesetzespapier existent, den Kampf anzusagen.
Zum Beispiel der Waldkodex. Ein gutes Gesetz, das Naturschutz, nebst Agrarwirtschaft, möglich macht. Machte (Konjunktiv), so es eingehalten würde. Aber die Bancada Ruralista arbeitet mit Feuereifer daran, dieses Gesetz zu Fall zu bringen, oder, wie sie es nennen, zu modifizieren. Die fleissigsten Landsknechte der Ruralistas in dieser Stossrichtung sind übrigens Genossen der PCdoB (Kommunistische Partei von Brasilien). Diese theoretisch (papierne) maoistisch-stalinistische Fraktion und Koalitionspartner der Lula-, sowie der nunmehrigen Dilmaregierung, stellt mit Lula's treuem Atout im Kongress, Rottmeister Aldo Rebelo, den Federführer des Versuchs, Naturschutz, auch auf dem Gesetzespapier, wieder in die ökologische Steinzeit der Industriellen Revolution zurück zu befördern. Und für seine grossen Holzfällerdienste kriegt Genosse Gartbruder saftige Wahlkampfspenden von der Papierindustrie und wird – obschon Kommunistenbonze – öffentlich von Kátia Abreu, der Anführerin der Eisernen Fraktion der Bancada Ruralista, auf die wir später noch zu sprechen kommen, für seinen bom senso (gesunden Menschenverstand) und Einsatz für die rechte Sache gelobt. (Es handelt sich wohl PCdoB-intern um Einklang mit den neo-maoistischen Vorklängen und -gaben aus China: Wachstum um jeden Preis - Menschenrechte, als auch Naturschutz unerwünscht, da subversiv).


Hilfreich ist die staatsverwaltete Ignoranz der Opfer
Die unmttelbaren Opfer, Ureinwohner und Subsistenzbauern (oft Quilombolas, also Nachfahren einst entlaufener Sklaven), auch die nachhaltigen Nutzer wie Fischer und Waldfrüchtesammler, werden vertrieben, umgebracht, als Lohnabhängige oder Sklaven in die Ruralistamaschine (rück-) eingespeist. Erfolgreicher Widerstand ist rar. Das hat einerseits mit der finanziellen Übermacht, in einem durch und durch systemkorrupten Staat ein alles entscheidender Trumpf, zu tun. Andererseits aber ebenso mit der chronisch desaströsen Informations- und Bildungssituation der Verbrauchsmenschen. Ein verwalteter Status Quo abismatischer Ignoranz, der idem von der selben Bancada Ruralista in den gesetzverhindernden Körperschaften (Abgeordentenhaus und Senat) geschützt wird. Die schulische Nicht-Bildung und Nicht-Denkstimulierung sind systematisch, endemisch und historisch verankert. (3)
Es ist kein Zufall, noch Pech, dass die brasilianische Unterrichtsqualität stets auf den allerletzten Rängen der Erhebungen verschiedener (UN-) Organisationen zu finden ist. Das hier Festgestellte gilt selbstkultürlich nicht für die urbanen privaten Eliteschulen. Dort, wo die Töchter und Söhne des Menschenverbrauchermittelbaus feingeschmiedet werden. (Der Oberbau lässt “auswärts” lernen.)

Brasilien hat aber nicht nur das schlimmste aller euphemistischer öffentlichen Bildungssysteme (z.Z. gleichrangig mit Zimbabwe), sondern auch die schlimmste Medienkonzentration. TV Bandeirantes – nomen est omen – z.B. Ist ein medialer Arm der Ruralistas. Und TV Globo ein von Lula-Regierungsgeld (das die Verbrauchsmenschen proportional am teuersten, oft über Hunger, beisteuren, da sich der Brasilostaat in erster Linie über Steuern in Konsumgütern und Dienstleistungen finanziert, und nicht über ein gestaffeltes Einkommenssteuersystem!) am Überleben gehaltener und idem von dem Geld aus der privaten Wirtschaft abhängiger Riese aus dem politischen Dunstkreis der Diktatur. Acht von zehn Brasilianern beziehen ihre Informationen aus dem Globo-Reich. Davon kann Rupert Murdoch nur träumen. Was also wunderts, dass aus dieser Medienecke nicht nur keinerlei kritisches Hinterfragen kommt, sondern systematische Verdummung und Verzerrung (bzw. Okkultation) der Tatsachen. Bis hin zum Lügen wie gedruckt. Vor allem, wenn es um Ureinwohner geht, die Protest, Widerstand oder gar Retomadas (Landrücknahmen illegal durch Grossfarmer, oft per Revolvermännern und Polizeischutz unterstützt, in Ureinwohnerterritorien betriebener Fazendas) wagen. Sind doch viele Regionalchefs der Übermedien selbst Ruralistas. Wie z.B. Senator Magalhães, Chef der TV Bahia (Globo-Tochter) und einer der notorischen Grossgrundbesetzer auch im Gebiet der Pataxó-Hã-Hã-Hãe Índios.


Sandkörner im Getriebe müssen weg – Xenophobie ist Trumpf
Da die Indigenen Völker von den Rurali stas verfolgt, vom Staat (Behörden) im Stich gelassen (geopfert) bzw. beraubt, vom staatlichen Schulsystem und den Medien im Dunkeln gelassen, bzw. ins Falschverstehen der wahren Verhältnisse manipuliert werden, springen immer wieder freiwillige Forasteiros (“Leute von draussen, Nichtheimische”), als Hilfesteller ein.
Der vorarlberger Befreiungstheologe Bischof Erwin Kräutler z.B., im Dezember 2010 in Stockholm mit dem "Alternativen Friedensnobelpreis" der Stiftung Right Livelihood ausgezeichnet (kein Wort dazu in unsren Grossmedien!), und nicht "nur" vogelfrei geschrieben von Ruralistas, Kinderverbrauchskartellen, und brasilianischer Grossindustrie, sondern auch angefeindet von Österreichs Handelsdelegiertem zu São Paulo (gehts doch beim – O-Ton Kräutler – Grössenwahn- und Todesprojekt Belo-Monte-Staudamm & Kraftwerk im Bundesstaat Pará um Millionenaufträge, u.a., auch für Andritz, Voith, Siemens...), aber auch viele andere, auch zu Europa weniger und gar nicht medienpräsente, dafür vor Ort umso stärker lebensgefährdete Personen ohne Polizei- oder sonstwelchen Schutz, engagieren sich als Frontline-Informations- und Wissensumverteiler an der Verbrauchsmenschenbasis und sind (also) Unterstützer im Kampf gegen Ausbeutung und Pünderung und Vernichtung.
Diese, Sandkörner im geschmierten Menschenverbrauchergetriebe des ruralistakontrollierten Staates, werden neuerdings mantramässig von den Stürmern der Bancada Ruralista im Parlament und den Medien angegriffen und verteufelt und bedroht. Kein Tag vergeht (im Senat, und ergo TV), wo nicht vor Ausländern, ausländischen NGOs, ausländischen Ambientalisten (“Kriminellen”), gewarnt wird, die Brasilien und die Brasilianer am Fortschritt und der Wohlstandserreichung hindern wollen. Die sich Stücke unseres Brasiliens unter den Nagel reissen wollen. Die unsere Souveränität unterminieren. Die unsere Menschen zu Elend und Hunger verurteilen wollen. Und im Internet kursieren die allerwildesten Ausländerverschwörungsdossiers erfundener Augenzeugen, mt idem erfundenen akademischen Titeln zur Glaubwürdigkeitserleichterung. Über schleichende Invasion. Über Riesengebiete (vor allem in der Nordregion), wo schon gar nicht mehr brasilianisch (sondern englisch) gesprochen werde. Wo Brasilianer schon gar nicht mehr frei sich bewegen dürfen... Baron Münchhausen im Ruralistasold online.
Xenophobie schüren ist derzeit eine der meistgespielten Karten der Ruralistas im Poker ums Festhalten der All-Macht. Sie ist aber freilich neu weder als Phänomen, noch Instrument in diesem Land. Schon gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurde seitens der Nativistas gegen Portugiesen, aber auch Spanier, Italiener und Syrer (die damalige Sammelbezeichnung für Immigranten aus den Nahen Osten) gehetzt. Der Nährboden war die Konkurrenz um die wenigen Arbeitsplätze. Nationalistisch gesinntes Morden war häufig. Anfang des 20.Jahrhunderts wurden Ausländer zum Synonym für Ordnungsstörer und ab 1907 wurden Repressalien wider Ausländer per Senatsbeschlüssen auch gesetzlich. Darunter die Ausweisung anarchistischer Immigranten. Olga Braun, deutsche Kommunistin und Gefährtin des brasiliansichen Ex-Guerrilheiro und Moskau-Kommunisten-Führers Luis Carlos Prestes wurde, schwanger und ergo gesetzesbrecherischer Weise, von Präsident Getúlio Vargas und seinem Polizeichef Filinto Müller, an die Nazis ausgeliefert (wo sie im KZ starb). Qualitativ andere Ausländer aber, erreichten Popularität. So marschierten z.B. in Porto Alegre schon in den 30er-Jahren Massen im Hakenkreuzfahnen- und Adolfbildermeer. Die brasilianische NSDAP sollte auch rasch zur grössten der Welt ausserhalb Deutschlands anwachsen. Und, last not least, Herr Doktor Mengele fand seinen bukolischen unbehelligten Lebensabend ebenhier. Aber das zieht uns schon wieder in ein anderes Thema. Zurück also zur Ruralisten-Hauptlinie.


Räuber, die "haltet den Dieb!" schreien
Es wird durch konzertiertes Attackieren und Lügen über die Medien “Bewusstsein” und “Meinung” per power play geschaffen. Diese verunglimpfende Xenophobie-, Índiokriminalisierungs- und NGO-Dolchstossmasche, hat auch den nützlichen Kolateraleffekt die eigene notorische Kriminalität der Ruralistas zu überspielen (so sie je wirklich in den Medien zur Sprache käme). Gehen wir, als Beispiel, an die Eisbergspitze. Zur Vorsitzenden der Bancada Ruralista, Senatorin und oe. Realkommunistenlobhudlerin Kátia Abreu, von den DEM (Demokratische Partei), welche einer der drei wichtigsten Parteiheimathafen, neben PMDB (grösste Regierungspartei) und PDSB (grösste Oppositionspartei), der Ruralistas ist. Frau Abreu ist auch Präsidentin der Nationalen Konföderation für Agrarwirtschat und Viehzucht (CNA). Dort tummelt sich der harte Kern der Ruralistas, wie auch in ihrem militanten, waffennärrischen Arm, der UDR (Verteidigungsunion der Ruralistas). Die Staatsanwaltschaft ihres Staates Tocantins ermittelt gegen Frau Abreu wegen Missachtung des Waldkodex (den ihr Kommunistenfreund Aldo am Knacken ist), wegen Missachtung der Rechte Indigener Völker und Verfassungsbruch.
Sie ist ausserdem Besitzerin zweier unproduktiver Fazendas (2.500 ha), was laut gültigem (Papier-) Gesetz eigentlich zur Enteignung und Aufteilung an Landlose Bauern führen müsste. (Alles Konjunktiv, s. oben.) Sie ist Teil einer erlauchten (Ex-Gouverneur, Ex-Minister, Ex-Hochrangmilitärs, Ex-Embraer-Chef, etc.) Bande, die 105.000 ha Land von 80 Bauernfamilien des Landkreises Campos Lindos (Tocantins) per Betrug usurpiert hat. Frau Abreu und ihr Bruder erhielten 2.400 ha zum Hektarpreis von acht R$/Hektar (der wahre Wert liegt etwa dreihundertmal höher) bei dem gedrehten Ding. Die betrogenen Familien wurden von ihrem Land genötigt, haben alles verloren und hungern bis heute. Nur ein einziger traute sich den long & winding Justizweg wider dona Kátia einzuschlagen: Juarez Vieira Reis, der mitsamt seiner Frau, zehn Kindern und 23 Enkeln von ihren 545 ha. vetrieben worden sind. Sie fanden Unterschlupf in einer Hütte eines seiner Söhne am Stadtrand von Campos Lindos. Kurz darauf brannte die Hütte übrigens ab. Aus dem Polizeiprotokoll geht klar hervor: Der Brand begann von oben (Dach) und aussen.
Interne Dokumente der CNA weisen auf illegale Wahlkampfunterstützung der Präsidentin Kátia Abreu hin. 650.000 R$ flossen aus der Konföderationskasse an Frau Abreus Werbeagentur. Und da Frau Abreu, in Hinsicht auf Politikzweckverständnis und Skrupel, eine brasiliansiche Berlusconiklone ist, Gesetze werden gemacht oder storniert, je nachdem wie Ruralista es gerade braucht, liesse sich diese Rechtsbruchliste (wie jene der anderen Ruralistas) noch fortsetzen. Alles jedenfalls brasilonormal genug, um in den Massenmedien keine Berücksichtigung zu finden. Auch die hübsche Überraschung zum 8.Dezember 2010 am Flughafen von Cancún, wo sie von einer Ureinwohnerin des Amazonasraums stellvertretend für eine Allianz aus NGOs und Sozialen Bewegungen eine, aus Pappe und Buntpapier gebastelte, Goldene Motorsäge als Auszeichnung für ihr Bemühen um Waldvernichtung erhielt, fiel bei unseren Medien der Macht durch. Frau Präsidentin reagierte jedenfalls genervt, war sie doch justament zum Klimagipfel mit einer Ruralista-Delegation gereist, um den dort Delegierten zu erläutern, dass in Brasilien nicht mehr, sondern weniger Bäume stehen gelassen werden müssen. Frau Abreu ist durchaus Eventspezialistin für solch Scharlatanerie und Söldnerwissenschaft. Erst heuer lud sie zu einer gossen Ruralista-PR-Aktion in São Paulo, wo sorgfältig aussortierte "Spezialisten" bestritten, dass es Klimaerwärmung überhaupt gäbe, und andere meinten, dass es gelte, falls es sie doch gäbe, ihre positiven Konsequenzen hervorzuheben. Wie dass weniger Menschen fortan erfrieren würden.
Solch lautere Weisheiten hören wir also nun täglich von den Ruralista-Abgeordneten und -Senatoren, und den gleichgezahlten Medien. Auf dass das von Auslands-NGOs manipulierte Brasilien endlich verstehe, dass überhaupt kein Grund zu "Baumhysterie" bestünde.


Zeit schinden bis zum Schlusspfiff
Im Internetzeitalter freilich, in welches mittlerweile auch die FavelabewohnerInnen und Indigenen Gemeinden eintreten oder bereits eingetreten sind, ist diese fast hermetische Lügen-All-Macht der Ruralistas allmählich einer Ablaufzeit unterworfen. So sie es nicht schaffen, diesen Medienpluralismus zu kappen, oder zu unterwandern und zu kanalisieren. Das wissen auch die Ruralistas. Also geht es um Zeit. So viel Zeit zu gewinnen, so viele Regierungen, Legislaturperioden, oberste (und niederste) Gerichtshöfe, Behörden (...) sollen beherrscht, zumindest kontrolliert, werden, bis es möglich war, alles in den Fortschritt einzugliedern was da noch unrational brach lag und liegt, bis auf ein paar Naturpark- und Indianerzoo-Feigenblätter (die allerdings auch touristisch nützlich gemacht sein sollen). Sprich: in Eigennutz und -gewinn umzuwandeln. (Siehe Einleitung dieses Artikels.) Und das ist bei dem kontinentalen Ausmass dieses Staats noch ein gigantisches Stück. Auf Zeit spielen, um sich alles lukrativ zu eigen zu machen. Komme was wolle, und sei's der Teufel. Gleich ob in Gestalt weiterer Genozide in der guten alten Bandeirante-Tradition, megaflächiger Ver-Wüstung, nachhaltigem Verlust oder Verseuchung von Boden und der grössten leicht zugänglichen Trinkwasserreserven der Welt. Es zählt allein die Rationalität des Mehr-über-alles.

Das sind und dafür stehen die Ruralistas und ihre Bancada. Dafür attackieren sie alles und alle, die auch bloss ein "aber?" zu Kopf oder Zunge führen.
Das sind, völlig unabhängig von der jeweiligen Stattsformetikette (Kolonie, Monarchie, Diktatur, Wahldemokratie) die transjahrhundertlich gleichen alten neuen HerrscherInnen im Land. Für Akribiker, die's gern genauer haben, gibt es eine (unvollständige, denn es sind wohl insgesamt an die zweihundert) Bancada-Ruralista-Namens-Liste, auf der auch deren Mega-Geldgeber, sowie das Abstimmungsverhalten dieser Abgeordneten angeführt werden:  http://www.oreconcavo.com.br/2010/09/30/o-dossie-da-bancada-ruralista-o-que-estes-parlamentares-fazem/


Neue Regierung, frischer Zerstörungselan
Unsere Grossmedienmonokultur verbreitet indes weiter munter und unerschütterlich Jubelmeldungen zu Mehr-Soja-Ernte, Mehr-KZ-Geflügel-Export, Mehr-Automobil-Verkauf, Mehr-”Bio”sprit-Anbaufläche (...). Nicht bloss täglich. Sondern von früh bis spät. In allen erdenklichen und unmöglich scheinenden Sendungen. Big Brother steht nicht bloss für ein geschmackloses TV-Voyeuristenspiel zu unsrer Realität. Also rattert diese Bewusstseinstätowiermaschine. Anstelle exakt des Gegenteils: Kritischem Hinterfragens und dem Vorschlag auf weniger Soja, weniger Schlachtvieh, weniger Waldvernichtung, weniger Menschenverbrauch, weniger Autos, weniger Energiebedarf...

Und unsre frisch gewählte Präsidentin von Lula's Gnaden, Dilma Rouseff, hat derweil, ganz die Tradition, ihr “neues” Regierungsteam mit alten harten Ruralistakadern gespickt, wie, bloss ein Beispiel, dem 75jährigen Hardcoreevergreen aus Maranhão, Senator Edson Lobão. Dieser Herr, eigentich Journalist und Rechtsanwalt, ist ein nostalgischer Bewunderer des Generalíssimo Ernesto Geisel, der wiederum als einer der Chefs unserer Diktatur und Bankrotteur der Staatsfinanzen zu Geschichtsbuche steht. Senator Edson liebt ihn aber auch des gemeinsamen Steckenpferds wegen: Atomenergie. Eine "Unvermeidlichkeit" nennt er die Atomstromgewinnung. Ist doch Brasilien auch eines der uranreichsten Länder der Welt. "Apokalyptische Alarmschreier" nennt er die Gegner der Nuklearenergie. Und bis 2050 will er 50 Kernkraftwerke in betrieb haben. Solches posaunte er schon als Lula's Energieminister. Und da lachte selbst die Wirtschaftspresse, und schüttelte so mancher angesehene Physiker den Kopf. Die besten Ingenieure der Gegenwart, die deutschen, wollen aussteigen, und wir wollen mit Volldampf rein... Dabei fehlt's uns an Ingenieuren, um auch bloss die anstehenden Bauten für die Geldabzweigfestivals Olympische Spiele und Fussball-WM hochzuziehen.
Jedoch, unter Präsidentin Dilma, ist solch ein Atombetonruralista demens als Minister schon weit weniger zum Lachen: Unsre erste Frau Präsidentin (und Ex-Energieministerin) ist selbst Anhängerin des Atomenergieausbaus und jedweder Pharaonischer Projekte, wie Megastaudämme und Mehr-Nord-Süd- und Ost-West-Strassen.
Damit nicht schlimm genug, ist Edison Lobão auch Besitzer der TV Difusora, also direkter Meinungsbildner in seiner Hochburg Imperatriz (Maranhão), und einer des Inner Cirlce des Paten der Nordregion, Senatspräsident José Sarney (PMDB), Zweckverbündeter erst Lulas und nun Dilmas. Aufzuzählen, was dieser "Grosse Alte" des Sarneyclans alles kontrolliert (und "anstellt"), geht nur in Bücher, nicht Artikel (4). O-Zitat vieler, die ihm Norden bzw. Maranhão (Übergangsbundesstaat zwischen der Amazonas- = Nordregion und der Nordostregion) leben: "Hier regnet's nur, so Sarney will." Also kontolliert José Sarney auch die Stromriesen Eletrobrás und Eletronorte. Und so hat sein Mann Lobão als Energieminister Lulas auch für weitere drei Megawasserkraftwerke im Amazonasgebiet (Norden) gefochten: Jiraú, Baixo Iguaçu und Belo Monte.
Riesenzerstörungsprojekte mit Auswirkungen a la Panamakanal, um ein dem Tod geweihtes, todbringendes Gesellschafts- und Wirtschafts- und Korruptionssystem zu verlängern, weil sich da noch Natur zu (illegalem) Profit machen lässt. Illegal (in Klammer), weil Riesenbauvorhaben in Brasilien ausnahmslos & immer mit "versickernden" und "sich magischer Weise multiplizierenden" Unsummen (herausgepresst aus öffentlicher Verbrauchsmenschenhand) verbunden sind.

Dies während der einzige (in Amt & Würden) überlebende Kontrahent der Abholzer-, Zubetonierer- und Mehrwahnfortschrittsmonokultur der letzten Regierung Lula, Kulturminister Juca Ferreira, von Dilma nicht übernommen wurde. Kein Platz mehr für einen Minderheiten- und Multitude-Freund, der es verstand zuzuhören. Auch an der (Indigenen) Basis.


Ein grenzenloser Krebs
Aber Gier und Vernichtungseifer unsres Krebses, wirken längst auch jenseits imaginärer Staatsgrenzen. Indigene Völker und landlose Bauern, ohnehin oft ident, sind auch im "Ausland" die bevozugten Menschen-Opfer. Im Norden des paraguayischen Chaco gelingt/gelang es einigen wenigen eingeborenen Bands noch immer als Nomaden und Sammler den verschlingenden Kontakt der globalen Mono-Zivilisation zu vermeiden. Die einzigen Amerikas, ausserhalb Amazoniens. Darunter Familien des Ayoreo-Totobiegosode-Volkes, die im von der UNESCO anno 2005 zur Welt-Biosphärenreseve erklärten Gebiet leben. Allein, das Land ist, abseits aller papierner Erklärungen, von brasilianischen Ruralistas in Besitz genommen worden. Namentlich „der Firma“ Yaguarete Porá. Ein Konsortium brasilianischer Viehzüchter und -händler. Deren Bulldozer zerstören das Land der Ayoreo-Totobiegosode. Wie nur auf Satellitenbildern zu erkennen ist. Denn die Sicherheitsmannschaften „der Firma“ verwehren selbst Bundesregierungsbeamten die Zufahrt. Der paraguayische Anwalt „der Firma“, Eduardo Livieres, liess schon ausrichten, dass seine Klienten a) nichts zerstören und b) schon gar nicht im Naturschutz- oder Ureinwohnergebiet. Paraguayische Justiz unterscheidet sich von der brasilianischen durch die Sprache. Ansonsten durch nichts. Falls es also wundersamer Weise je zu einem Urteil kommen sollte, gibt es die Ayoreo-Totobiegosode, so überhaupt, wahrscheinlich nur mehr als Lohnsklaven „der Firma“ selbst, oder in den Mennonitenunternehmen bei Filadelfia, etwas weiter im Süden. Wie die vielen anderen von der Zivilisation schon zerfassten Ethnien. Und die Biosphäre wird wohl „höheren Umständen“ gewichen sein.

Beim (angeblich nun) plurinational – bezogen auf die indigene Völkervielfalt im Land – verwalteten Nachbarn Bolivien, wird auf dem Boden der Realpolitik idem zum Takt getanzt, den die brasilianischen Ruralistas vorgeben. Der Weg von Mato Grosso (do Sul), dem Hauptsojaanbaugebiet Brasiliens und Schauplatz des fortlaufenden Genozids (nicht nur) an den Guarani-Kaiowá, auf deren Land das Ruralista-Wirtschaftswunder, von der wundersamen Achse Lula/Dilma-Financial Times bejubelt, stattfindet, zu den Pazifik-Häfen im chilenischen Norden ist kürzer, als der zur brasilianischen Atlantikküste. Und der pazifische Seeweg zu den heisshungrigen Märkten Ostasiens, ist nochmal um ein Vielfaches kürzer = billiger, als der Umweg über den Atlantik. Jenseits der Grenze zwischen den beiden Mato-Grosso-Bundesstaaten und dem plurinationalen Bolivien, auf dem kürzesten Weg zum Pazifik, liegt der Parque Nacional y Territorio Indígena Isiboro-Secure. Also, wie schon beim paraguayischen Beispiel oben, ein doppelt (papier-) geschütztes Gebiet, wo drei Ethnien, die Moxeño, Yuracaré und Chiman, leben. Nützte nichts, denn Evo Morales hat vor kurzem den Bau einer Strasse mitten durch freigegeben. Was Durchzugsstrasse, in der lateinamerikanischen Realität, für Natur und Indigene Völker bedeutet ist schlicht: der Anfang vom Ende. Für beide. Ein empirischer Imperativ.
In beiden genannten Fällen, die „nur“ zwei der aktuellen Beispiele darstellen, die es 2010 auch an den Rand der internationalen Aufmerksamkeit gebracht haben (durch Survival International im ersten, und Rettet den Regenwald im zweiten Fall), wäre das ohne Mitmachen seitens lokaler Behörden nicht möglich. Auch nicht ohne Kollaboration korrumpierter Índioführer. Aber Ruralistageld (bei Bedarf auch Bandeirantemethoden) schaffen schnelles Einvernehmen. Und weder Ureinwohner-, noch Landlosen- oder Kleinstbauern-Basis haben Stimmen im System.


Fazit
Die Menschheit rückt Jahr für Jahr, Schritt um Schritt, näher an den Abgrund eines ökologischen Gäakollaps heran. Grossen Teilen der Welt, darunter auch Brasilien, drohen in wenigen Jahrzehnten nie gesehene Dürrekatastrophen, austrocknende Böden und Wassermangel, laut neuester Studien des renomierten US-amerikanischen Klimaforschungsinstituts NCAR. Aber unser fideles Riesenreich feiert weiter jeden Schritt Richtung Abgrund als positiven Fortschritt. Quer durch (fast) alle Parteien, selbst die grünen Ökokapitalisten und -narzissen des Partido Verde (PV). Deren Zugpferd Marina Silva aus dem einstige MitkämpferInnenkreis Chico Mendes', die bei den letzten Präsidenschaftswahlen ein aufsehenerregendes Fünftel der Wählerstimmen erreicht hat, wird idem nicht müde das vielstrapazierte Wunschmärchen von der Kombatibilität Wirtschaftswachstum und Planetarische Nachhaltigkeit (5) zu reproduzieren. Zuletzt wieder in ihrer Abschiedsrede vom Senat, am 16.Dezember 2010.

Und unseren lokalen (= brasilianischen) Geschäftemachern mit dem sich verschärfenden Massensterben (Massenmorden) liegt bloss im Sinn Verwirrung zu stiften und weiter zu machen. Senator Mozarildo, einer der fleissigsten Schutzstaffelredner der Ruralistas, aus dem Amazonasvernichtungsstaate Roraima, lehrt die Nation, dass es “in Wahrheit gar nicht die menschlichen Tätigkeiten sind, die eine Klimaveränderung bewirken – so es so eine Veränderung überhaut gäbe”. Und nennt ungenannt gebliebene Wissenschaftler (wohl jene vom Ruralista-Event zu São Paulo, s. oben) als seine Quellen. Es geht um Zeit. Und folglich diskutieren wir (wieder), ob Mensch nun Antriebsmotor des Treibhauseffektes sei oder nicht. Statt darauf zu drängen, etwas dagegen zu unternehmen. Es ist als hätte unser Dorf Feuer gefangen, und wir diskutierten munter am lodernden Hauptplatz, wer denn Schuld dafür trage.


So fällt dem Autor wieder die, durch Umweltschützeraufkleber in den 80er-Jahren berühmt gewordene, "Prophezeiung der Cree" ein, die aber gar keine indigene war, sondern ein sehr frei abgewandelter, aber durchaus guter, Satz aus einer visonären Rede Chief Seattles:
Und wenn der letzte Rote Mann verschwunden sein wird und mein Volk nur mehr Erinnerung unter den Weissen Männern, werden sich diese Küsten mit den unsichtbaren Toten unseres Volkes füllen, und wenn die Kinder Eurer Kinder glauben unter sich zu sein, auf dem Feld, im Laden, im Kaufhaus, auf der Strasse, oder im dichten Wald, sie werden nicht alleine sein. Auf der ganzen Erde gibt es nicht einen Platz der Einsamkeit. Und in der Nacht, wenn die Strassen Eurer Städte und Dörfer still sind, und Ihr glaubt sie seien leer, werden sie pulsieren mit den zurückkehrenden ehemals Heimischen, die dieses schöne Land noch immer lieben. Der Weisse Mann wird niemals für sich allein sein.
(...)
Eure Toten hören auf Euch und das Land zu lieben, ab dem Moment, wo sie durch das Tor des Grabes gehen und in der Unendlichkeit der Sterne entschwinden. Bald sind sie vergessen und kehren nicht wieder. Unsere Toten vergessen nie diese schöne Welt, die ihnen Sein gab.
(...)
Volk folgt Volk, und Nation folgt Nation, wie die Wellen der See. Das ist die Regel der Natur, und Trauer ist sinnlos. Eure Zeit des Niedergangs mag noch fern sein, aber sie wird sicher kommen, denn selbst der Weisse Mann, dessen Gott mit ihm sprach und mit ihm ging von Freund zu Freund, kann diesem allgemeinen Schicksal nicht entgehen.
im (möglichen) O-Wortlaut (von 1854), und
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann, der globalisierte Ökogewissensspruch, damals, auf Schultaschn, Fahrrädern, Autos.

Genuine indigene Originale sind indessen:
Man verkauft kein Land, auf dem sich Menschen bewegen. (Crazy Horse)
Unser Land ist das Liebste auf der Welt was wir haben. Männer kommen, usurpieren das Land, werden reich damit. Für uns Índios ist es ungemein wichtig, dass wir es behalten und schützen. (White Thunder)
Und, wie schön ist es zu fühlen, dass wir in anderen Ländern Brüder haben, die uns unterstützen, die sich mit uns solidarisieren, die uns begreifen lassen, dass unsere Kämpfe nicht isoliert sind. Diese Solidarität bedeutet viel. (Domitila Barrios de Chungara)
Jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns alle organisieren und dass wir unsere autonomen Landkreise bilden. Wir dürfen nicht warten bis die schlechte Regierung uns das gestattet. Wir müssen uns wie echte Rebellen organisieren und dürfen nicht hoffen, dass uns einer Erlaubnis dazu gibt, autonom zu sein, ob mit oder ohne Gesetz. (Comandante Brus Li von der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee)

Weisheiten, oder schlicht Hausverstand einer empirisch natur- und demokratieverständigen und -verbundenen Kultur des Lebens. Deren Auslöschung zu unsrem Stan von den Ruralisten an- und ausgeführt wird.

Hegel schloss, dass wir aus der Geschichte lernen (können), dass die Menschen nicht aus der Geschichte lernen. Als besorgte Texaner in den 70er-Jahren des 19.Jahrhunderts den notorischen Rassisten und Índio-Schlächter General Philip Sheridan fragten, ob er denn nicht der Abschlachtung der Büffel Einhalt gebieten werde, war die Antwort: "Lasst uns sie töten, häuten und verkaufen, bis sie ausgerottet sind. Denn das ist der einzige Weg, wie wir dauerhaften Frieden erreichen und den Fortschritt der Zivilisation garantieren." Der Bogen vom General der US-Armee zu den Ruralistas Brasiliens bestätigt Hegel. Und der General würde sicherlich auch heute, im 21.Jahrhundert, sowohl im US-Warbusiness "wider den Terrorismus", als auch als Brasilo-Ruralista "für Fortschritt und Wohlstand", Karriere und Millionen machen.






(1)  http://viacampesina.org/sp/index.php?option=com_content&view=article&id=1126:via-campesina-declaracion-de-cancun-las-miles-de-soluciones-estan-en-manos-de-los-pueblos&catid=46:cambios-climcos-y-agro-combustibles&Itemid=79

(2)  http://www.agassessment.org/reports/IAASTD/EN/Agriculture%20at%20a%20Crossroads_Synthesis%20Report%20(English).pdf

(3) Lateinamerika ist (nicht) Brasilien - Bildung scheidet, ArDaga Widor,  http://ch.indymedia.org/de/2011/01/79471.shtml

(4) Honoráveis Bandidos - Um Retrato do Brasil na Era Sarney, Doria Palmerio / Verlag GERAÇÃO

(5) Siehe: Die Legende vom nachhaltigen Wachstum, Le Monde diplomatique Nr. 9288 vom 10.9.2010, Niko Paech; Capitalism and the Curse of Energy Efficiency - The Return of the Jevons Paradox, Monthly Review November 2010, Volume 62, Number 6, John Bellamy Foster, Brett Clark, and Richard York

 :: Keine Ergänzungen Ergänze diesen Artikel (.onion)
GNU Free Documentation License 1.2 Sämtlicher Inhalt auf Indymedia Deutschschweiz ist verfügbar unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Germany.
Für sämtlichen Inhalt der jeweiligen Beiträge unter Indymedia Schweiz und Indymedia Deutschschweiz sind nur die jeweiligen AutorInnen verantwortlich!
Indymedia Schweiz läuft mit MIR 1.1
Use GNU!