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 :: Zureich: Labitzke besetzt ::
 Themen | Wohnungsnot/Squat 03-01-2014 00:46
AutorIn : bronko
Seit heute Nacht ist das von der Abriss auf Vorrat bedrohte Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten besetzt. Damit wird die auf heute angekündigte Schlüsselübergabe an die Mobimo und die mutwillige Unbewohnbarmachung von Wohn- und Kulturraum verhindert.
Zürich-Altstetten, 3. Januar 2014

Guten Morgen!

Wir haben die Gebäude auf dem Labitzke-Areal besetzt.

Mit dieser Aktion wollen wir die Pläne der Mobimo Holding AG durchkreuzen. Der Immobilienmulti plant eine Wohnüberbauung für Besserverdienende. Eine Baubewilligung steht der Mobimo noch aus, nicht einmal ein Gesuch hat sie eingereicht. Bis Baubeginn werden wahrscheinlich noch einige Jahre vergehen. Dennoch steht der Abriss von Gebäuden bevor, die bis jetzt noch intensiv gebraucht werden und gegen ein Börsenspekulationsobjekt ausgetauscht werden sollen. Die bisherigen Mieter_innen werden kaum im neuen Projekt unterkommen, weil sie sich die künftigen Mieten nicht mehr leisten können.

Deshalb sind wir hier, haben über Nacht Barrikaden aufgebaut und werden uns der weiteren Zerstörung bewohn- und anderweitig belebbarer Räume in den Weg stellen.

Wir danken allen, die uns dabei unterstützen und rufen euch auf, vorbeizukommen und mitzubesetzen - und zwar bis die Mobimo geht!



Warum besetzen?

Die Mobimo AG, seit 2011 Besitzerin des Areals, hat allen Mieter_innen auf Anfang 2014 gekündigt. Obwohl für ihr geplantes Neubauprojekt noch nicht einmal eine Baubewilligung eingereicht worden ist, will die Mobimo die Gebäude schon jetzt abreissen und die Altlastensanierung durchführen. Die Bewilligungsphase für Projekte dieser Grössenordnung dauert in der Regel jedoch erheblich länger als Abbruch und Sanierung.

Die Vorgehensweise der Mobimo...

Bei einem Wohnraum, der von den Mieter_innen bereits Mitte Dezember 2013 übergeben wurde, hat die Mobimo unmittelbar nach der Schlüsselübergabe sämtliche Fenster und Infrastruktur zerstören lassen. Räume, die ohne weiteres noch hätten genutzt werden können, wurden mutwillig unbrauchbar gemacht. Dies zeigt, dass bei dieser Immobilienfirma kein Verständnis für Menschen vorhanden ist, die dringend auf Wohn- und Arbeitsraum in Zürich angewiesen sind.

...stösst nicht nur bei uns auf Unverständnis...

Um weitere unnötigen Beschädigungen vorzubeugen, haben wir die leer gewordenen Teile des Areals besetzt und werden die Räume bis auf weiteres beleben und erhalten. Wir lassen nicht zu, dass die Mobimo die Gebäude abreisst, nur um das Gelände danach über Monate oder Jahre hinweg brach liegen zu lassen.

Wohlgemerkt: Nicht alle Mieter_innen haben das Areal bereits verlassen. Mehrere Mietparteien befinden sich noch immer auf dem Areal und bezahlen regulär Miete. Eine Mietpartei hat eine Verlängerung bis Ende Februar ausgehandelt, andere boykottieren den Auszug und fechten ihre Ausweisung juristisch an. Auch ihnen leuchtet nicht ein, warum ein Gebäude abgerissen werden soll, noch bevor eine Baubewilligung vorhanden ist.

...und gliedert sich in die profitorientierte Wohnbaupolitik ein.

Natürlich lässt sich mit schicken Eigentumswohnungen auf 14 Stockwerken mehr Geld verdienen, als mit in die Jahre gekommenen Fabrikhallen. Die börsenkotierte Mobimo Holding AG hat sich in den letzten Jahren auch nicht gerade mit gemeinnütziger Wohnbaupolitik in der Stadt Zürich hervorgetan. Mit dem geplanten Neubau auf dem Labitzke-Areal sollen nun einmal mehr die Interessen weniger privilegierter Bewohner_innen dieser Stadt zugunsten einer reibungslosen Quartieraufwertung geopfert werden. Die Mobimo verliert dabei nicht viel, wenn sie das Labitzke- Areal einige Jahre brach liegen lässt - für viele Bewohner_innen dieser Stadt ist es jedoch schon von unschätzbarem Wert, ein Jahr lang eine Lebensgrundlage zu haben.

Deshalb sind wir hier und bleiben, zusammen mit den Mieter_innen dieses Areals.
 :: 15 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  seit heute morgen zerstörung
03.01.2014 14:22  
seit heute morgen zerstören ArbeiterInnen ein Gebäude auf dem Labitzke-areal. Installationen und Fenster werden systematisch kaputt gemacht. Zwei weitere Gebäude sind weiterhin besetzt und verbarrikadiert, wenigstens etwas.


AutorIn: mobimo geht
  Unterstützt die Labitzke-Besetzung!
03.01.2014 14:24  
unterstützt den widerstand gegen die immohaie!


AutorIn: mobimo geht
  link
05.01.2014 19:48  


AutorIn: yeah!
  Wohnen ohne WC
07.01.2014 17:56  
 http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Wohnen-ohne-WC/story/11207734

Wohnen ohne WC
Von Jvo Cukas. Aktualisiert um 14:09 1 Kommentar



Keine Heizung, unregelmässig fliessend Wasser: Für die letzten Mieter auf dem Labitzke-Areal ist die Wohnsituation zunehmend ungemütlich. Nun bekommen sie und die neuen Besetzer Hilfe von offizieller Seite.



Die Eingänge zum Labitzke-Areal in Altstetten sind an diesem Montagmorgen verbarrikadiert. Bretter, Kühlschränke, Einkaufswagen: Was den Zugang versperren kann, wurde aufgestapelt. Die Besetzer, die am Freitag Teile der Gebäude auf dem Areal bezogen, rechnen offenbar damit, dass die Stadtpolizei die Drohung der Besitzerin Mobimo AG in die Tat umsetzt und die besetzten Häuser räumt. Ihre Angst ist allerdings grundlos. Heute wird auf dem Areal keine Polizei vorfahren.

Tom* zeigt den Weg durch einen kleinen Korridor in der Barrikade, der ins Innere des ehemaligen Farbenfabrikgeländes führt. «Ich lebe seit 14 Jahren hier», sagt er, während er an «Besetzt»-Transparenten und Gebäuden, bei denen Bauarbeiter bereits mit dem Rückbau begonnen haben, vorbeieilt. «Und ich gehöre zu den letzten Mietern.»

Wie Simon*: Zusammen mit zwölf Mitbewohnern lebt er auf rund 300 Quadratmetern auf einem Stockwerk eines Labitzke-Gebäudes. Rund 3500 Franken bezahlen sie laut seinen Angaben monatlich, ohne Nebenkosten. Statt wie die meisten Mieter Ende 2013 müssen sie erst Ende Februar dieses Jahres ausziehen. Vor der Schlichtungsbehörde haben sie und Mieter einer anderen Wohnung eine Fristerstreckung erwirkt. «Danach werde ich ausziehen, wir haben eine neue Lösung gefunden», sagt Simon. Bleiben und weiter abwarten oder gar besetzen will er nicht. Das sei nichts für ihn.

Matratze an Matratze

Doch trotz Mietzahlungen ist es im Stockwerk, das Simon bewohnt, nur bedingt gemütlich. Das Wasser fliesst mal und mal nicht, und die Heizungsradiatoren sind kalt. Im lang gestreckten Stockwerk hatten sich die Bewohner eigene Schlafkojen gezimmert, die sich wie kleine Zimmer aneinanderreihen. Doch genutzt werden sie kaum. Dafür reiht sich in einem Nebenraum nun Matratze an Matratze um eine Wärmequelle. «Sonst ist es in der Nacht schlicht zu kalt», sagt Simon und will sich eine Zigarette anzünden. «Geh raus damit», meint eine Mitbewohnerin. «Wir können nicht lüften, dann frieren wir wieder.»

Christine Hub, Sprecherin der Mobimo AG, sagt dazu: «Es gibt zwei Fristerstreckungen bis Ende Februar, das ist korrekt. In diesen Räumlichkeiten sind Wasser und Energie gewährleistet.»

Für Simon ist offensichtlich, dass die Energie- und Wasserversorgungsprobleme damit zu tun haben, dass die Mobimo überall dort mit dem Rückbau der Gebäude beginnt, wo Bewohner ausziehen. In einem Stockwerk hätten die Mieter die Schlüssel am 18. Dezember übergeben. «Kaum eine halbe Stunde später kamen Bauarbeiter, die sämtliche Toiletten und Radiatoren abrissen und die Fenster herausnahmen, obwohl in anderen Stockwerken noch Mieter wohnten.» Weiter gingen die Abbrucharbeiten dort bisher nicht. Nachdem die bisherigen Bewohner Anfang Jahr ausgezogen waren, wurden diese Gebäude besetzt.

«Einfach unbewohnbar machen»

In einem Seitenarm eines anderen Hauses ist an einem Toilettendeckel ein Zettel angeklebt: «Spülen nicht möglich, da kein Wasser.» Heute geht es zwar, dafür sind auch hier alle Radiatoren kalt, der Wasserdruck in den Leitungen ist schwach. In dieser Wohnung ist der befristete Mietvertrag eigentlich ausgelaufen. Auch hier leben mehr als zehn Personen. Und sie haben noch keine neue Lösung gefunden. Hier wohnt auch Tom. Laut ihm läuft das Mietverhältnis weiter, solange dessen Ende nicht juristisch geklärt ist. «Wir bezahlen nach wie vor Miete und warten ab», sagt er. Der Mieterverband berate sie rechtlich.

Tom kann nicht verstehen, weshalb die Mobimo AG so schnell mit dem Abriss des Labitzke-Areals beginnen kann: «Sie hat noch nicht einmal eine Baubewilligung beantragt. Und sie weiss doch genau, wie lange so ein Prozess bis zu einer Bewilligung dauert, allein schon wegen möglicher Einsprachen.» Mit dem Labitzke verliere die Stadt schon wieder einen kulturellen Freiraum. «Ich glaube nicht, dass die Altlastensanierung so aufwendig ist, dass die Mobimo schon jetzt damit beginnen müsste», meint Tom, «sie will das Areal einfach möglichst schnell unbewohnbar machen.»

Stadt setzt Räumung aus

Auch die Stadt Zürich scheint sich derzeit nicht sicher, ob die Altlastensanierung tatsächlich unmittelbar angegangen werden muss. Zumindest hat sie eine polizeiliche Räumung der besetzten Gebäude auf dem Areal bis vorerst Ende Januar ausgesetzt, wie Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, erklärt: «Wir suchen das Gespräch mit Mobimo, noch steht aber kein Datum fest.» Es soll erörtert werden, warum Mobimo derart früh im Planungsprozess des Neubauprojektes mit der Altlastensanierung auf dem Areal beginnen will. «Die Stadt will keinen Abriss auf Vorrat, wir wollen nun genau abklären, wie die Situation aussieht.» Die Mobimo AG will auf dem Areal eine Überbauung mit 245 Wohnungen realisieren.

Die polizeiliche Räumung vorerst aussetzen kann die Stadt, weil die Mobimo nur eine Abrissbewilligung des Kantons vorliegen hat. «Bisher liegt zudem auch keine Baubewilligung der Stadt vor», erklärt Spinner. Eine gültige Abriss- oder Baubewilligung der Stadt ist jedoch zwingend, wenn ein Haus polizeilich geräumt werden soll. Sofern keine Zwischennutzung belegt werden kann oder Gefahr für Bewohner oder denkmalgeschützte Bauteile besteht. Dies ist die gängige Praxis. Laut Spinner will die Stadt wie im Fall des Binz- oder Koch-Areals eine Vermittlerrolle einnehmen und «eine bestmögliche Lösung für alle Seiten» anstreben. Noch sei aber offen, ob mit der Altlastensanierung nicht tatsächlich möglichst schnell begonnen werden müsse.

Rückbau geht weiter

Mobimo-Sprecherin Hug sagt dazu, dass die Immobilienfirma zu Gesprächen gerne bereit sei: «Wir werden jedoch weiterhin an unserem Altlastensanierungsplan festhalten, da wir zehn Monate brauchen werden, um alle Altlasten fachgerecht zu entsorgen.» Auch während der Gespräche mit der Stadt werde der Rückbau deshalb fortgesetzt.

Darauf habe die Stadt keinen Einfluss, sagt Hochbaudepartement-Sprecher Spinner: «Dies ist Sache von Mobimo. Ist ein Gebäude leer, darf Mobimo mit dem Abbruch beginnen.» Einzig die gewaltsame Räumung von bewohnten Gebäuden liege in der Hoheit der Stadt. Auch die Probleme mit der Energie- und Wasserversorgung der letzten verbleibenden Mieter seien grundsätzlich eine «mietrechtliche Frage». Die Stadt werde diese aber vermittelnd gegenüber Mobimo ansprechen, sofern sich die Vorwürfe bestätigten.

Weder die Besetzer noch die verbleibenden Mieter auf dem Labitzke-Areal hatten bis gestern Montagvormittag von Vermittlungsversuchen der Stadt gehört, wie sie gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigten. Laut Spinner können sie aber «mit grosser Sicherheit damit rechnen, dass die Stadt auf sie zugeht».

*Namen der Redaktion bekannt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.01.2014, 11:25 Uhr


AutorIn: Tagesanzeiger
  Labitzke-Areal wird vorerst nicht geräumt
07.01.2014 18:01  
Stadt Zürich verzögert Abbruch

Labitzke-Areal wird vorerst nicht geräumt

Zürich Dossier: Zürcher Städtebau Heute, 05:30

Der besetzte Teil des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten in einer Aufnahme vom Spätsommer 2012. Der besetzte Teil des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten in einer Aufnahme vom Spätsommer 2012.

Die Polizei räumt die besetzten Teile des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten vorerst nicht. Stattdessen könnte sich der Abbruch noch um Monate verzögern, weil die Stadt mit einer Finesse argumentiert.


Fabian Baumgartner

In den letzten Tagen hat sich die Situation auf dem Labitzke-Areal in Zürich Altstetten zugespitzt. Besetzer hatten in der Nacht auf Freitag weitere Teile auf dem Gelände der ehemaligen Farbenfabrik okkupiert. Sie wollen damit die Abbruchpläne der Mobimo AG durchkreuzen. Das Immobilienunternehmen wiederum drohte mit der polizeilichen Räumung und reichte Strafanzeige gegen die Besetzer ein. Vorerst kommt es nun aber nicht zu einem Polizeieinsatz.
Wahltaktisches Geplänkel?

In die Auseinandersetzung eingeschaltet hat sich auch das von SP-Stadtrat André Odermatt geführte Hochbaudepartement. Man werde mit der Mobimo zusammensitzen und allenfalls auch mit den Besetzern das Gespräch suchen, sagt Urs Spinner, Sprecher des Departements. «Wir werden dabei ausloten, inwiefern es gerechtfertigt ist, die Gebäude bereits jetzt zu räumen.» Es solle verhindert werden, dass jahrelang Brachen entstünden. Tendenziell brauche es deshalb für eine Räumung wohl eher eine rechtsgültige Baubewilligung, sagt Spinner, «aber das lässt sich erst nach den Gesprächen mit der Mobimo abschliessend beurteilen».

Das hat zur Folge, dass sich eine Räumung des Areals bis Mitte Februar verzögert – so sie denn nötig wird. Sollte es eine Baubewilligung brauchen, könnte sich diese sogar um Monate verzögern. Noch hat die Mobimo AG nämlich kein Baugesuch eingereicht. Zudem kann gegen die Bewilligung noch rekurriert werden. Der Hintergrund ist eigentlich eine Finesse: Die Abbruchbewilligung hat nicht die Stadt, sondern der Kanton Zürich erteilt. Die Altlastensanierung tangiert auch das Grundwasser, weshalb sie in den Zuständigkeitsbereich des Kantons fällt. Die Stadt stellt sich nun aber auf den Standpunkt, dass sie zu entscheiden hat, wann die Polizei zum Einsatz kommt. Mit dieser Argumentation nährt die Stadt den Verdacht eines wahltaktischen Geplänkels.

Für Gespräche mit der Stadt sei man offen, sagt Christine Hug, Sprecherin der Mobimo. «Es ist nicht unser Ziel, jahrelang eine Brache in unserem Portfolio zu haben.» Man rechne damit, die Baubewilligung bis im Herbst zu erhalten, also rechtzeitig auf den Abschluss des Abbruchs. Hug hält zudem fest: «Nach unseren Informationen braucht es keine Baubewilligung für eine Räumung, sondern eine Abbruchbewilligung und die Bereitschaft, gleich nach der Räumung mit dem Abbruch zu beginnen.»

Auch mehrere reguläre Mieter wehren sich gegen den Rauswurf. Drei Mietparteien wohnen derzeit noch auf dem Gelände. Zwei davon haben eine Fristerstreckung bis Ende Februar erhalten. Die dritte Partei stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass das bestehende Mietverhältnis weiterhin gilt und nicht beendet ist. Zwischen 35 und 50 Personen lebten in den Liegenschaften, sagt David L. Er lebt und arbeitet seit rund 14 Jahren im Labitzke-Areal und tritt derzeit als Sprecher für die Mieterschaft auf. Am Montagmorgen meldete sich die Gruppe in einem Communiqué zu Wort: Man sehe sich mit einer Androhung zur Räumung und der mutwilligen Zerstörung der Infrastruktur konfrontiert, heisst es darin. «Wir fürchten, dass Mobimo dem Mietverhältnis ein vorzeitiges Ende bereiten will», sagt L. Damit würde eine der letzten kreativen Oasen in der Stadt zerstört, findet der Mieter.

Seit am Freitag Besetzer weitere Teile des Areals in Beschlag genommen haben und die Mobimo mit dem Abbruch in einem Gebäude begonnen hat, hat sich der Konflikt verschärft. Heizung und Wasserversorgung funktionierten nicht mehr richtig, sagt L. Falls sich dies nicht ändere, werde man rechtlich gegen die Mobimo vorgehen. Dankbar zeigt sich L. gegenüber den Besetzern. Diese hätten verhindert, dass das Immobilienunternehmen noch weitere Gebäudeteile habe zerstören können.
Gerichtliche Ausweisung droht

Die Mobimo wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Die Wasser- und Energieversorgung ist gewährleistet», sagt Hug. Wegen der Abbrucharbeiten hätten zwar die Heizungen abgestellt werden müssen. Man habe den Mietern aber Heizöfen zur Verfügung gestellt. Im Falle der Mietpartei ohne Fristerstreckung hat die Firma den Rechtsweg beschritten. Man wolle die gerichtliche Ausweisung erreichen, sagt Hug. Das Mietverhältnis habe rechtlich
per Ende Jahr geendet.



2 Kommentare

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Richard Müller
• vor 11 Stunden

Der Rechtsstaat weicht offensichtlich der Anarchie. Jeder Hausbesetzer kann mehr Ansprüche geltend machen als die Eigentümerin. Die Justiz wurstelt fröhlich mit. Falls hier wirklich Wahlkampf betrieben wird, denken wohl einige Politiker, sie wären in Somalia. Wie viele Wähler eine Annäherung an die Verhältnisse in Somalia wollen, zeigt sich bei den nächsten Wahlen. Wahrscheinlich werde ich einmal mehr aus dem Staunen nicht herauskommen.


C. M.
• vor 7 Stunden


Gleich nordwestlich neben dem Labitzke-Areal steht bereits heute ein bewohnter ca. vierstöckiger Neubau. Dessen Bewohner und Besitzer dürfte es schon interessieren, ob ihnen bis zu 45 m hohe (also 15stöckige) Klötze südöstlich vor die Nase gestellt werden dürfen und wieweit ihnen damit Wohnqualität respektive Liegenschaftswert gemindert werden. Wenn die Mobimo gerne über Jahre auf einer Brache à la Hardturm-Stadion sitzen will: dann also nur zu mit der Zerstörung von Wohn-, Kultur- und Gewerberäumen durch Räumung und voreiligen Abbruch. Die Stadtverwaltung handelt nur im Interesse ihrer Einwohner, der investierten Liegenschaftsbesitzer und nicht zu letzt auch von Mobimo selbst, wenn sie bei jenem Investor eine sicherere Spielweise fordert.
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 http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/labitzke-areal-wird-vorerst-nicht-geraeumt-1.18215906


AutorIn: NZZ
  Stadt Zürich will zwischen den Fronten vermitteln
07.01.2014 18:05  

Besetztes Labitzke-Areal

06. Januar 2014 22:10; Akt: 07.01.2014 04:11 Print

Stadt Zürich will zwischen den Fronten vermitteln

Die Polizei muss Teile des besetzten Labitzke-Areals räumen, findet Mobimo und verweist auf die Abbruchbewilligung. Doch diese reiche nicht, sagt die Stadt Zürich und vermittelt.


9|9
«Wo ist die gültige Baubewilligung?": Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.
Bild: rom

Auf dem Altstetter Labitzke-Areal haben Aktivisten am 2. Januar weitere Gebäude besetzt. Es handelt sich offenbar um andere Besetzer als jene, die auf demselben Areal bereits den Autonomen Beauty Salon betreiben. Den Zugang zum Areal haben die Besetzer zum Teil verbarrikadiert. Die Arealeigentümerin Mobimo wollte eigentlich alle Gebäude, deren Mieter Ende 2013 ausziehen mussten, unbewohnbar machen. In diesem Haus, in dem einst der Gayclub Aera untergebracht war, gelang dies... ...auch die ehemalige Zuckerfabrik konnte man vor einer Besetzung schützen. Dabei gibt es auf dem Areal nicht nur Besetzer, sondern immer noch rechtmässige Mieter, die auf dem Areal wohnen dürfen - dank einer Mieterstreckung bis Ende Februar. So wie diese WG hier. Auch diese WG darf bis Ende Februar bleiben. Bis zu 10 Personen leben und arbeiten hier. Wer hier wohnt, geniesst den tiefen, gesunden Schlaf in einer luftigen Passerelle, die zwei Fabrikgebäude verbindet. Weil die Heizung nicht mehr läuft, müssen die Mieter inzwischen auf Elektroöfen zurückgreifen. «Wo ist die gültige Baubewilligung?": Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.


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Auf dem Altstetter Labitzke-Areal herrscht derzeit eine verkorkste Situation. Eigentlich wollte die Eigentümerin Mobimo Anfang Jahr mit dem Abbruch einiger Liegenschaften beginnen, um ihr Bauprojekt voranzutreiben. Doch es gibt Probleme: Zwei der betroffenen Liegenschaften sind seit dem letzten Freitag besetzt. Offenbar von einer Gruppierung, die nichts mit dem anderen besetzten Teil des Areals, dem so genannten Autonomen Beauty Salon, zu tun hat. Zudem haben von den rund 30 Mietern deren zwei ihre Schlüssel nicht wie vorgesehen auf Ende Jahr abgegeben.

Bildstrecken Besetzer wollen auf Labitzke-Areal bleiben

Die Mobimo erwartet von der Stadtpolizei nun, dass sie die neu besetzten Gebäudeteile räumt: «Wir haben eine gültige Abbruchbewilligung und gegen die Besetzer Anzeige erstattet», sagt Mobimo-Sprecherin Christine Hug. Bloss: In einem Teil der neu besetzten Gebäude halten sich immer noch zwei Mieter auf, die gemäss Mieterstreckung bis Ende Februar bleiben dürfen.

Mieter klagen über unhaltbare Zustände

«Wir befürchten nun eine polizeiliche Räumung, obwohl wir hier immer noch Miete bezahlen und entsprechend Anspruch auf Strom, Heizung und Wasser haben», sagt David L., einer der Mieter. Er betreibt seit 14 Jahren ein Atelier auf dem Areal und lebt mittlerweile auch hier – zusammen mit gut einem Dutzend weiteren Personen. «Die Zustände sind unhaltbar geworden – die Wasserversorgung hapert und die Heizung funktioniert nicht mehr», so David L.

Dass die frei gewordenen Gebäudeteile Ende letzte Woche besetzt wurden, stört David L. nicht – im Gegenteil: «Ohne die Besetzer würden wir die nächsten Monate in einer Ruine leben.» Die Mobimo habe am 3. Januar regelrechten «Abbruch-Vandalismus» betrieben: «Kaum hatten die Mieter die Schlüssel abgegeben, tauchten Bauarbeiter auf, schlugen Fenster ein und machten die Gebäude unbewohnbar.» Sowohl die letzten Mieter als auch die Besetzer wehren sich gegen diesen «unnötigen Abbruch auf Vorrat».

Keine Räumung vor Sportferien

Sicher ist: Sorgen um eine polizeiliche Räumung müssen sich die Mieter vorerst keine machen. «Wenn es ruhig bleibt, wird vor den Sportferien nicht geräumt», sagt Urs Spinner, Sprecher des städtischen Hochbaudepartements. Zwar verfügt Mobimo über eine Abbruchbewilligung vom Kanton wegen der Altlastensanierung des Areals, aber noch über keine rechtskräftige Baubewilligung. Eine solche müsste gemäss gängiger Praxis vorliegen, um das Areal zu räumen.

Mobimo hat laut Spinner auch noch kein Baugesuch eingereicht. Selbst wenn sie dies nun tun würde, wäre eine Baubewilligung erst in rund vier Monaten zu erwarten und dann könnte es noch Rekurse geben, die das Projekt weiter verzögern. Deshalb sucht die Stadt in den kommenden Wochen das Gespräch mit Mobimo und allenfalls den Besetzern. Spinner: «Die Stadt will wissen, ob die Altlastensanierung bereits jetzt durchgeführt werden muss.»

Baugesuch im Frühling

Gemäss Mobimo-Sprecherin Hug dauert die Altlastensanierung auf dem Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke rund zehn Monate. Das sei der Grund, weshalb man bereits jetzt damit habe beginnen wollen. Zudem würden die Arbeiten so ausgeführt, dass die restlichen Mieter nicht tangiert wären. «Weil in den Gebäuden Asbest vermutet wird, erfolgt der Rückbau vorsichtig und Schritt für Schritt», so Hug. Das Baugesuch wolle man im Frühling einreichen.

Offiziell am längsten bleiben dürfen die Besetzer des Autonomen Beauty Salons. Mit diesen hat Mobimo abgemacht, dass sie erst im Frühling gehen müssen. Auf dem Areal plant Mobimo bis 2017 eine Grossüberbauung mit 245 Miet- und Eigentumswohnungen in acht Gebäuden. Eines davon wird ein 15-stöckiger Wohnturm sein. Entworfen wurde die Siedlung von Gigon Guyer Architekten – bekannt unter anderem durch den Prime Tower.

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76
65
ich am 07.01.2014 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
Alle

mal richtig lesen bitte. Die Mieter haben das Recht, bis Ende Februar wohnen zu bleiben. Da geht es nun wirklich nicht, dass der Besitzer schon mit Abbrucharbeiten beginnt, wenn die letzten noch gar nicht augezogen sind! Und wenn diese beiden Mieter jetzt halt noch Besuch haben...dürfen sie doch :P
Antwort an ich
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54
Hamlet am 07.01.2014 07:36 Report Diesen Beitrag melden
Wie bitte?

Also dann werde ich mich auch immer weniger an die Regeln halten. Der Staat macht es ja vor. Die Unterstützung von Anarchisten ist einfach skandalös, aber ebben, bei den lieben Beamten ach so beliebt. Irgendwann wird sich das bitter rächen.
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ich am 07.01.2014 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
Welche Regeln

Die Mieter haben das Recht, bis Ende Februar Wohnen zu bleiben. Da müssen sie wohl die Eigentümer meinen mit dem Regelverstoss...
Antwort an Hamlet
1817
43
Eis Kool am 07.01.2014 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
Hä ?

Den Bewohnern wurde Fristgerecht gekündigt, wo liegt das Problem? Wenn der Mieter ausgezogen ist, kann der Eigentümer mit seinem Objekt machen, was er will, es ist seines, er darf die Fenster einschlagen und das Dach abräumen. Er hat sogar eine Baubewilligung.
Antwort an Eis Kool
2120
43
Mike am 07.01.2014 07:30 Report Diesen Beitrag melden
Das kann nur in der Schweiz passieren

Brich das Gesetz und du wirst von ihm geschützt. Schütze es und du wirst von ihm gebrochen.
Antwort an Mike
2524
43
Schnabias am 07.01.2014 07:07 Report Diesen Beitrag melden
Nur die Ruhe!

Da Zürich ja angeblich den Wolf braucht, ist das hier lediglich die Konsequenz. Ist vielleicht sein Sohn unter den Besetzern...?
Antwort an Schnabias

Alle 8 Kommentare Alle 8 Kommentare

 http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/Stadt-Zuerich-will-zwischen-den-Fronten-vermitteln-13055615#


AutorIn: 20minuten
  Labitzke-Areal wird vorerst nicht geräumt
09.01.2014 19:44  
 http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/labitzke-areal-wird-vorerst-nicht-geraeumt-1.18215906


Stadt Zürich verzögert Abbruch

Labitzke-Areal wird vorerst nicht geräumt

Zürich Dossier: Zürcher Städtebau Dienstag, 05:30

Der besetzte Teil des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten in einer Aufnahme vom Spätsommer 2012. Der besetzte Teil des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten in einer Aufnahme vom Spätsommer 2012. (Bild: Karin Hofer / NZZ)

Die Polizei räumt die besetzten Teile des Labitzke-Areals in Zürich Altstetten vorerst nicht. Stattdessen könnte sich der Abbruch noch um Monate verzögern, weil die Stadt mit einer Finesse argumentiert.

Fabian Baumgartner

In den letzten Tagen hat sich die Situation auf dem Labitzke-Areal in Zürich Altstetten zugespitzt. Besetzer hatten in der Nacht auf Freitag weitere Teile auf dem Gelände der ehemaligen Farbenfabrik okkupiert. Sie wollen damit die Abbruchpläne der Mobimo AG durchkreuzen. Das Immobilienunternehmen wiederum drohte mit der polizeilichen Räumung und reichte Strafanzeige gegen die Besetzer ein. Vorerst kommt es nun aber nicht zu einem Polizeieinsatz.



Wahltaktisches Geplänkel?

In die Auseinandersetzung eingeschaltet hat sich auch das von SP-Stadtrat André Odermatt geführte Hochbaudepartement. Man werde mit der Mobimo zusammensitzen und allenfalls auch mit den Besetzern das Gespräch suchen, sagt Urs Spinner, Sprecher des Departements. «Wir werden dabei ausloten, inwiefern es gerechtfertigt ist, die Gebäude bereits jetzt zu räumen.» Es solle verhindert werden, dass jahrelang Brachen entstünden. Tendenziell brauche es deshalb für eine Räumung wohl eher eine rechtsgültige Baubewilligung, sagt Spinner, «aber das lässt sich erst nach den Gesprächen mit der Mobimo abschliessend beurteilen».

Das hat zur Folge, dass sich eine Räumung des Areals bis Mitte Februar verzögert – so sie denn nötig wird. Sollte es eine Baubewilligung brauchen, könnte sich diese sogar um Monate verzögern. Noch hat die Mobimo AG nämlich kein Baugesuch eingereicht. Zudem kann gegen die Bewilligung noch rekurriert werden. Der Hintergrund ist eigentlich eine Finesse: Die Abbruchbewilligung hat nicht die Stadt, sondern der Kanton Zürich erteilt. Die Altlastensanierung tangiert auch das Grundwasser, weshalb sie in den Zuständigkeitsbereich des Kantons fällt. Die Stadt stellt sich nun aber auf den Standpunkt, dass sie zu entscheiden hat, wann die Polizei zum Einsatz kommt. Mit dieser Argumentation nährt die Stadt den Verdacht eines wahltaktischen Geplänkels.

Für Gespräche mit der Stadt sei man offen, sagt Christine Hug, Sprecherin der Mobimo. «Es ist nicht unser Ziel, jahrelang eine Brache in unserem Portfolio zu haben.» Man rechne damit, die Baubewilligung bis im Herbst zu erhalten, also rechtzeitig auf den Abschluss des Abbruchs. Hug hält zudem fest: «Nach unseren Informationen braucht es keine Baubewilligung für eine Räumung, sondern eine Abbruchbewilligung und die Bereitschaft, gleich nach der Räumung mit dem Abbruch zu beginnen.»

Auch mehrere reguläre Mieter wehren sich gegen den Rauswurf. Drei Mietparteien wohnen derzeit noch auf dem Gelände. Zwei davon haben eine Fristerstreckung bis Ende Februar erhalten. Die dritte Partei stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass das bestehende Mietverhältnis weiterhin gilt und nicht beendet ist. Zwischen 35 und 50 Personen lebten in den Liegenschaften, sagt David L. Er lebt und arbeitet seit rund 14 Jahren im Labitzke-Areal und tritt derzeit als Sprecher für die Mieterschaft auf. Am Montagmorgen meldete sich die Gruppe in einem Communiqué zu Wort: Man sehe sich mit einer Androhung zur Räumung und der mutwilligen Zerstörung der Infrastruktur konfrontiert, heisst es darin. «Wir fürchten, dass Mobimo dem Mietverhältnis ein vorzeitiges Ende bereiten will», sagt L. Damit würde eine der letzten kreativen Oasen in der Stadt zerstört, findet der Mieter.

Seit am Freitag Besetzer weitere Teile des Areals in Beschlag genommen haben und die Mobimo mit dem Abbruch in einem Gebäude begonnen hat, hat sich der Konflikt verschärft. Heizung und Wasserversorgung funktionierten nicht mehr richtig, sagt L. Falls sich dies nicht ändere, werde man rechtlich gegen die Mobimo vorgehen. Dankbar zeigt sich L. gegenüber den Besetzern. Diese hätten verhindert, dass das Immobilienunternehmen noch weitere Gebäudeteile habe zerstören können.
Gerichtliche Ausweisung droht

Die Mobimo wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Die Wasser- und Energieversorgung ist gewährleistet», sagt Hug. Wegen der Abbrucharbeiten hätten zwar die Heizungen abgestellt werden müssen. Man habe den Mietern aber Heizöfen zur Verfügung gestellt. Im Falle der Mietpartei ohne Fristerstreckung hat die Firma den Rechtsweg beschritten. Man wolle die gerichtliche Ausweisung erreichen, sagt Hug. Das Mietverhältnis habe rechtlich per Ende Jahr geendet.

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2 Kommentare

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Richard Müller
• vor 3 Tagen

Der Rechtsstaat weicht offensichtlich der Anarchie. Jeder Hausbesetzer kann mehr Ansprüche geltend machen als die Eigentümerin. Die Justiz wurstelt fröhlich mit. Falls hier wirklich Wahlkampf betrieben wird, denken wohl einige Politiker, sie wären in Somalia. Wie viele Wähler eine Annäherung an die Verhältnisse in Somalia wollen, zeigt sich bei den nächsten Wahlen. Wahrscheinlich werde ich einmal mehr aus dem Staunen nicht herauskommen.

C. M.
• vor 2 Tagen


Gleich nordwestlich neben dem Labitzke-Areal steht bereits heute ein bewohnter ca. vierstöckiger Neubau. Dessen Bewohner und Besitzer dürfte es schon interessieren, ob ihnen bis zu 45 m hohe (also 15stöckige) Klötze südöstlich vor die Nase gestellt werden dürfen und wieweit ihnen damit Wohnqualität respektive Liegenschaftswert gemindert werden. Wenn die Mobimo gerne über Jahre auf einer Brache à la Hardturm-Stadion sitzen will: dann also nur zu mit der Zerstörung von Wohn-, Kultur- und Gewerberäumen durch Räumung und voreiligen Abbruch. Die Stadtverwaltung handelt nur im Interesse ihrer Einwohner, der investierten Liegenschaftsbesitzer und nicht zu letzt auch von Mobimo selbst, wenn sie bei jenem Investor eine sicherere Spielweise fordert.
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AutorIn: NZZ
  Nur wenig Kritik an der offiziellen Linie
09.01.2014 19:48  
 http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/nur-wenig-kritik-an-der-offiziellen-linie-1.18216643


Streit um Zürcher Labitzke-Areal

Nur wenig Kritik an der offiziellen Linie

Zürich Gestern, 10:54
Besetzter Boden: Die Stadt Zürich vertreibt die Besetzer auf dem Labitzke-Areal noch nicht. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Auch die Herausforderer im Stadtratswahlkampf plädieren für eine einvernehmliche Lösung im Streit um das Labitzke-Areal. Harsche Kritik übt einzig SVP-Kandidat Roland Scheck, der von einer Verhätschelung der Besetzerszene spricht.


jhu. Obwohl die Mobimo AG für das Labitzke-Areal eine Abbruchbewilligung des Kantons erhalten hat, will der Stadtrat das Gebiet vorläufig nicht räumen lassen. Gewichtet er damit die Interessen der Besetzerszene höher als das Recht der Eigentümerin? Unter jenen, die den Stadtrat in den Wahlen vom 9. Februar herausfordern, ist man sich uneins.

Wenig überraschend stellen sich Markus Knauss von den Grünen und SP-Kandidat Raphael Golta hinter das Vorgehen des rot-grün dominierten Stadtrates. Golta sieht keinen Grund, warum die Stadtregierung von ihrer gängigen Praxis abweichen sollte, nach der ein Areal grundsätzlich erst dann geräumt wird, wenn eine rechtsgültige Baubewilligung vorliegt. «Ein Polizeieinsatz auf Vorrat macht wenig Sinn.» Dass die Stadt nun mit dem Immobilienunternehmen das Gespräch suche, hingegen schon. So lasse sich vielleicht eine einvernehmliche Lösung finden. Ein Einsatz der Ordnungskräfte sei das letzte Mittel und sei nur dann gerechtfertigt, wenn dem Eigentümer durch die Besetzung auch ein Schaden entstehe.
Auf Freiwilligkeit setzen

Knauss sieht die Situation auf dem Labitzke-Areal gelassen: «Es ist sicher der richtige Weg, dass die Stadt und die Mobimo AG nun miteinander reden. So können sie einen gemeinsamen Fahrplan erarbeiten und, falls nötig, gemeinsam das weitere Vorgehen – auch mit den Besetzern – besprechen.» Er denkt nicht, dass die Besetzer an einer Eskalation interessiert seien, das habe sich ja schon im Fall der Binz gezeigt. «Die Besetzer wissen, dass sie eine Räumung nicht verhindern können, und ich gehe davon aus, dass sie das Areal letztlich wohl freiwillig verlassen.»

Ganz anders klingt es aus der Ecke der SVP. Von Freiwilligkeit hält Roland Scheck herzlich wenig. «Man sieht einmal mehr, dass der rot-grüne Stadtrat die Besetzerszene schützt, wo es nur geht. Er setzt die Verhätschelung der Besetzer über die Rechte der Eigentümer.» Dass die Situation bei einer Räumung eskalieren könnte, diese Gefahr sieht Scheck nicht. «Unser Polizeikorps ist dazu ausgebildet, einen allfälligen Widerstand zu brechen.» Der SVP-Mann ist überzeugt, dass der Stadtrat mit einem Durchgreifen auf dem Labitzke-Areal bei der Bevölkerung gar Pluspunkte sammeln könnte. Dass er dies trotz Wahlkampf unterlasse, müsse man ihm im Sinne einer ehrlichen Politik fast schon anrechnen, «immerhin zeigt der Stadtrat damit deutlich, wie wichtig ihm die Besetzer sind».
Verhandlungen abwarten

Dass die Besetzer sich «Rechte herausnehmen können, die der normale Bürger nicht hat», ist auch dem freisinnigen Kandidaten fürs Stadtpräsidium, Filippo Leutenegger, ein Dorn im Auge. Wenn es aber um die Frage einer Räumung geht, argumentiert er äusserst vorsichtig: «Grundsätzlich ist es schon Aufgabe des Staates, das Recht des Eigentümers durchzusetzen.» Man müsse nun aber die Verhandlungen zwischen der Eigentümerin und dem Stadtrat abwarten. «Wenn sich die Mobimo AG mit dem Stadtrat darauf einigt, von einer polizeilichen Räumung abzusehen, dann ist das selbstverständlich so zu akzeptieren.» Ein wahltaktisches Manöver sieht Leutenegger übrigens nicht darin, dass der Stadtrat die Angelegenheit nun aufschiebt. Solche Verzögerungen kämen bei den Wählern kaum gut an. Wahltaktik sei schon eher, dass der Stadtrat die Rechnung erst nach den Wahlen präsentieren werde.

Für einen pragmatischen Ansatz spricht sich auch Samuel Dubno (glp.) aus: «Ich bin immer etwas hin- und hergerissen. Auf der einen Seite ist das Eigentumsrecht sicher hoch einzuschätzen. Auf der anderen Seite ist der Stadtrat mit seiner bisherigen Praxis aber nicht schlecht gefahren.» Immerhin riskiere man mit einer polizeilichen Räumung eine Eskalation. Am sinnvollsten wäre es laut Dubno, wenn die Stadt und die Eigentümerin eine einvernehmliche Lösung fänden, mit einem Plan, bis wann die Besetzer das Areal verlassen müssen. «Erst wenn sich die Besetzer nicht daran halten, kommt als letztes Mittel die Zwangsräumung infrage.»



Ein Kommentar

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Andreas Egli
• vor einem Tag


Wie man als Liberaler es den Behörden überlassen kann, planwirtschaftlich zu bestimmen, welche Heizung man für die nächsten 30 Jahre verwenden soll, übersteigt - ich stehe dazu - meinen Verstand. Aber vielleicht sollte man sich einfach daran erinnern, dass Planwirtschaft ja überall ein Erfolgsmodell war... und dass die Behörden auch mal den Katalysator und die Glühbirne verboten. Wer ökologisch bauen und heizen will, soll und kann das schon heute tun, notabene ohne behördlichen (kostenpflichtigen) "Segen", sondern einfach, weil es für ihn stimmt.



AutorIn: NZZ
  Labitzke-Areal: Mobimo widerspricht der Stadt
12.01.2014 17:03  


Stadt Zürich
Region
Stefan Hohler
Polizeireporter

Labitzke-Areal: Mobimo widerspricht der Stadt
Aktualisiert am 10.01.2014 15 Kommentare



Um die Gebäude auf dem Labitzke-Areal in Altstetten abzubrechen, braucht die Immobilienfirma Mobimo keine Bewilligung des Hochbauamtes.

Die Immobilienfirma Mobimo, die auf dem besetzten Labitzke-Areal in Altstetten eine Überbauung plant, ist im Besitz von «allen rechtlich notwendigen Bewilligungen für den Abbruch der Gebäude auf dem Area», wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.

Damit widerspricht die Immobilienfirma den Aussagen von Urs Spinner, dem Sprecher des städtischen Hochbaudepartemtents. Spinner hatte in den letzten Tagen gegenüber Medien gesagt, dass Mobimo nur im Besitz einer kantonalen Abbruchbewilligung sei. Eine städtische Abbruchbewilligung fehle ihr.

In einem Brief an die Mobimo hatte das städtische Amt für Baubewilligungen aber am 16. September 2013 geschrieben, dass das Unternehmen keine baurechtliche Bewilligung für den Abbruch der Häuser zwischen Hohl- und Albulastrasse brauche. Es gelte lediglich, sicherheitstechnische Auflagen einzuhalten.

Drei Mieter können noch bis Februar bleiben

In den ehemaligen drei Fabrikriegeln lebten rund 30 Mieterparteien, vor allem WGs, die auf Ende 2013 das Areal verlassen mussten. Zwei Mietparteien können noch bis Ende Februar bleiben. Bei einer weiteren Mietpartei läuft ein Ausweisungsverfahren. In Baracken auf dem vorderen Teil des Areals wohnt seit 2011 eine Gruppe von Besetzern. Eine weitere Besetzergruppe hat vor wenigen Tagen auch die Fabrikgebäude übernommen. Mobimo hat gegen die Besetzer Strafanzeige eingereicht.

In einem ersten Schritt will Mobimo die Gebäude abreissen und den Boden von Altlasten sanieren. Dies brauche rund rund zehn Monate Zeit. Das Baugesuch wird im Frühjahr 2014 eingereicht. Die Baubewilligung soll im Spätherbst 2014 erfolgen. «Mobimo erwartet, dass in der Stadt Zürich Recht über politischem Kalkül steht», heisst es in der Pressemitteilung. SVP und FDP unterstützen Mobimo. Am Mittwoch kritisierten sie im Gemeinderat, dass der Stadtrat die Interessen der Besetzer höher gewichte als das Recht der Eigentümer.

Die Besetzer dagegen wollen erst gehen, wenn Mobimo eine Baubewilligung erhalten habe. Dies daure wahrscheinlich viel länger als zehn Monate. Sie werfen Mobimo «Abbruch auf Vorrat» vor.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2014, 07:33 Uhr


15 Kommentare

Die beliebtesten Kommentare
Alle Kommentare

Jonas Reich
10.01.2014, 08:57 Uhr
Melden 157 29

Wenn die Mobimo Strafantrag wegen Hausfriedensbruches stellt und die Stadt nicht räumt, so machen sich die Verantwortlichen dann selbst der Begünstigung schuldig. So einfach ist das ... Antworten

Peter Kaegi
10.01.2014, 08:33 Uhr
Melden 110 35

Es ist ja paradox. Die Mobimo schafft neue Wohn- und Gewerberäume um dem Andrang der PFZ gerecht zu werden, was die Hausbesetzer und ihre politischen Vertreter ja um jeden Preis wünschen. Und nun ist es ausgerechnet die rot/grüne Regierung der Stadt Zürich und die Hausbesetzer die das Vorhaben blockieren. Was würde geschehen, wenn die PFZ-Gegner die Besetzer wären? Antworten

 http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/LabitzkeAreal-Mobimo-widerspricht-der-Stadt--/story/26908774


AutorIn: tagesanzeiger
  Zürcher Stadtrat muss entscheiden
12.01.2014 17:06  
Besetztes Labitzke-Areal
Zürcher Stadtrat muss entscheiden
Zürich Freitag, 08:04

Der Konflikt um das teilweise besetzte Labitzke-Areal geht in die nächste Runde. Ein erstes Gespräch zwischen der Stadt und der Eigentümerin hat nun stattgefunden.

fbi. Der Konflikt um das teilweise von Besetzern okkupierte Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke in Zürich Altstetten geht in die nächste Runde. Nachdem sich die Stadt Zürich in die Auseinandersetzung eingeschaltet hatte, fanden am Donnerstag Verhandlungen mit Vertretern der Eigentümerin, der Mobimo AG, statt. Über die Ergebnisse des Gesprächs wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Das Hochbaudepartement liess lediglich verlauten, dass man Gespräche führe. Die Mobimo AG machte in einer Stellungnahme nochmals ihren Standpunkt deutlich: Sie besitze alle rechtlich notwendigen Bewilligungen für den Abbruch der Gebäude des Labitzke-Areals. Diese befänden sich in einem so schlechten Zustand, dass ein grosses Sicherheitsrisiko bestehe.

Das Immobilienunternehmen pocht deshalb auf die Räumung der besetzten Gebäude. Nur so könne das geplante Bauprojekt termingerecht verwirklicht werden. «Mobimo erwartet, dass in der Stadt Zürich Recht über politischem Kalkül steht.» Die Firma möchte auch deshalb nicht klein beigeben, weil die städtischen Auflagen für einen Abbruch leerstehende Gebäude voraussetzen. Klar ist: Aufseiten der Stadt muss letztlich der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden. Das Gespräch mit dem Immobilienunternehmen wurde von der Stadt anberaumt, nachdem in der vergangenen Woche weitere Teile des Labitzke-Areals besetzt worden waren. Die Mobimo AG forderte deshalb eine polizeiliche Räumung der okkupierten Räume. Der Stadtrat hingegen will zunächst ausloten, ob eine Räumung aufgrund einer kantonalen Abbruchbewilligung gerechtfertigt sei. Möglich ist deshalb auch, dass sie eine Baubewilligung fordert.


 http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/zuercher-stadtrat-muss-entscheiden-1.18218181


AutorIn: NZZ
  neuer blog zum labitzke! link:
15.01.2014 17:26  
www.bleib-farbig.net


AutorIn: linker
  Mobimo gibt nach ????????????????
20.01.2014 21:11  

Mobimo gibt nach

20. Januar 2014 10:37; Akt: 20.01.2014 10:48 Print

Labitzke-Besetzer dürfen bis Ende März bleiben

Einen Teil des besetzten Labitzke-Areals in Zürich lässt die Besitzerin weitere zwei Monate stehen. Ein Gebäude wird aber abgebrochen. Die Polizei hat die Räumung des Hauses kontrolliert.


Besetzer, Stadt und Besitzerin Mobimo AG haben sich geeinigt: Ein Gebäude auf dem Areal wird geräumt und darf abgebrochen werden. Die Arbeiten dazu haben bereits am Montag, 20. Januar 2014 begonnen.

Besetzer, Stadt und Besitzerin Mobimo AG haben sich geeinigt: Ein Gebäude auf dem Areal wird geräumt und darf abgebrochen werden. Die Arbeiten dazu haben bereits am Montag, 20. Januar 2014 begonnen. Um sicherzustellen, dass sich keine Besetzer mehr im Gebäude befinden, ist am Montagmorgen, 20. Januar 2014 viel Polizei vor Ort. Zu einer polizeilichen Räumung kommt es aber nicht: Die Besetzer haben das Gebäude bereits verlassen. Während das Gebäude Albulastrasse 38/40 (links im Bild) abgebrochen wird, bleiben die weiteren zwei Gebäude (rechts im Bild eines davon), für die ebenfalls eine Abbruchbewilligung vorliegt noch bis Ende März stehen. Die Besetzer dürfen dort so lange wohnen bleiben. Bis im Frühling will Mobimo zudem die Baubewilligung für die Überbauung des Areals einreichen. Die Immobilienfirma rechnet damit, die Bewilligung bis im Herbst zu erhalten. Bis dann müssen die kontaminierten Gebäude und der mit Altlasten belastete Boden abgetragen sein. Die Besetzer hatten aber Abbruch auf Vorrat gewittert: Als am Freitag 2. Januar 2014 die meisten Mieter ihre Schlüssel abgaben, besetzten Autonome die frei werdenden Räume. Bis dahin hatte sich die Besetzung des Labitzkeareals auf Baracken im hinteren Teil des Areals beschränkt. Die Besetzer dort nennen sich Autonomer Beauty Salon. Den Zugang zum Areal haben die Besetzer zum Teil verbarrikadiert. Die Arealeigentümerin Mobimo wollte eigentlich alle Gebäude, deren Mieter Ende 2013 ausziehen mussten, unbewohnbar machen. In diesem Haus, in dem einst der Gayclub Aera untergebracht war, gelang dies... ...auch die ehemalige Zuckerfabrik konnte man vor einer Besetzung schützen. Dabei gibt es auf dem Areal nicht nur Besetzer, sondern immer noch rechtmässige Mieter, die auf dem Areal wohnen dürfen - dank einer Mieterstreckung bis Ende Februar. So wie diese WG hier. Auch diese WG darf bis Ende Februar bleiben. Bis zu 10 Personen leben und arbeiten hier. Wer hier wohnt, geniesst den tiefen, gesunden Schlaf in einer luftigen Passerelle, die zwei Fabrikgebäude verbindet. Das Gebäude auf der anderen Seite wird nun abgebrochen. Weil die Heizung nicht mehr läuft, müssen die Mieter inzwischen auf Elektroöfen zurückgreifen. «Wo ist die gültige Baubewilligung?": Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.




Im Streit um das Labitzke-Areal haben sich Stadt und Mobimo geeinigt: Ein Teil der Gebäude, die bereits im Januar hätten abgerissen werden sollen, bleiben noch erhalten. Dafür wird die Immobilienfirma das Gebäude an der Albulastrasse 38/40 abreissen.
Bildstrecken Besetzer wollen auf Labitzke-Areal bleiben

«Es ist ein Entgegenkommen von uns, mit dem sich Stadt und Besetzer einverstanden erklärt haben», bestätigt Sprecherin Christine Hug von der Mobimo AG. Nach Verhandlungen mit der Stadt habe man diese Lösung gefunden, die für alle stimme. «Da wir nun das Gebäude Albulastrasse 38/40 abbrechen können, sind wir weiterhin im Zeitplan», so Hug weiter.

Polizei kontrollierte geräumtes Gebäude

Die Stadt Zürich zeigt sich überzeugt, dass Mobimo gewillt sei, das Projekt so rasch wie möglich zu realisieren. Es habe einen Projektwettbewerb gegeben, der vom Architekturbüro Gigon-Guyer gewonnen wurde. Im Frühling solle das Baugesuch eingereicht werden. Dass Mobimo bereits vor Erteilung der Baubewilligung die kontaminierten Gebäude und die von Altlasten belasteten Böden abtragen wolle, kann die Stadt nachvollziehen.

Am Montagmorgen waren Polizei, Vertreter von Stadt und Mobimo vor Ort und kontrollierten, ob sich keine Besetzer mehr im Gebäude an der Albulastrasse 38/40 befinden. Zu einer polizeilichen Räumung kam es aber nicht. «Das Gebäude ist leer und die Abbrucharbeiten haben bereits begonnen», so Hug von Mobimo noch am Morgen.

(ann)
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Ordnung Bitte am 20.01.2014 14:01 Report Diesen Beitrag melden
Bin ja mal gespannt...

...wer dann auch die ganze Sauerei wegräumt? Bin gestern vorbeigelaufen. Im Moment liegt meterhoch Müll auf dem Areal (TV-Geräte, Karton, Säcke etc.). Wahrscheinlich wird die Räumung und Entsorgung wieder von der Allgemeinheit (also uns) bezahlt. Abfall wird auch verfeuert (schwarzer Rauch aus Kaminen). Zudem wird der Durchgang versperrt. Wer im Gebiet Kappeli wohnt und zur Hohlstrasse runter will (31-Bus), muss über Gerümpel und Müll steigen. Nachts trau ich mir das gar nicht mehr zu... ich will mir ja nicht das Genick brechen!
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Tobias Meier am 20.01.2014 14:30 Report Diesen Beitrag melden
Ordnung

Die 'Sauerei' wurde von MieterInnen hinterlassen, die überstürzt ausziehen mussten - war schon vor der Besetzung da. Der Durchgang wird die nächsten 2 Jahre von einer Baustelle versperrt sein, ist nämlich Privatstrasse.
Antwort an Ordnung Bitte

 http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/Labitzke-Besetzer-duerfen-bis-Ende-Maerz-bleiben-19248777




AutorIn: 20min.ch
  Labitzke-Areal: Besetzer dürfen bis Ende März bleiben
20.01.2014 21:17  
 http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/LabitzkeAreal-Besetzer-duerfen-bis-Ende-Maerz-bleiben/story/25596996


Labitzke-Areal: Besetzer dürfen bis Ende März bleiben
Von Jvo Cukas. Aktualisiert um 10:34 4 Kommentare


Die Stadt und die Mobimo-AG haben sich geeinigt: Die Besetzer müssen das Areal erst Ende März räumen. Dafür dürfen unbewohnte Gebäude bereits diese Woche rückgebaut werden.


Ende März müssen die Besetzer raus: Besetzte Gebäude auf dem Labitzke-Areal.
Bild: Jvo Cukas
Bildstrecke
Das neue Labitzke Areal



Labitzke: Wie die letzten Mieter wohnen
Auf dem Labitzke-Areal müssen die letzten verbliebenen Mieter zeitweise ohne Wasser und ohne Heizung auskommen, obwohl sie noch bis Ende Februar bleiben dürfen.



Die Mobimo (MOBN 190.3 0.74%) AG kommt den Besetzern auf dem Labitzke-Areal in Altstetten entgegen, wie die Stadt Zürich in einer Mitteilung schreibt. Sie dürfen noch bis Ende März auf in den besetzten Gebäuden auf dem Areal bleiben. Im Gegenzug kann die Mobimo bereits diese Woche mit dem Abbruch zweier Gebäude an der Albulastrasse beginnnen. «In diesem Sinne erwartet der Stadtrat von den Besetzern, dass die Liegenschaft an der Albulastrasse 38 und 40 diese Woche abgebrochen werden kann und die übrigen Bauten bis Ende März 2014 geräumt sind», heisst es in der Mitteilung.

Christine Hug, Sprecherin der Mobimo AG, bestätigt diese Abmachung zwischen Stadt und dem Immobilienkonzern, er gelte aber nur für die Besetzer auf dem Areal. Nach wie vor sind auch noch bisherige Mieter in verschiedenen Gebäuden untergebracht: «Bei zwei Parteien gelten verlängerte Mietverträge bis Ende Februar, diese werden aber nicht bis Ende März verlängert», erklärt Hug.

Ausweisungsverfahren gegen Mieter

Gegen zwei Mietparteien wurde zudem ein Ausweisungsverfahren eingeleitet. Sie waren trotz ausgelaufener Mietverträge in Wohnungen auf dem Areal geblieben. «Eine Partei ist bereits ausgezogen, das Verfahren konnte deshalb sistiert werden», sagt Hug. Bei der anderen Partei sei im Februar ein Gerichtstermin bezüglich der Ausweisung angesetzt. «Wir gehen davon aus, dass diese Partei das Areal ebenfalls bis spätestens Ende März verlassen muss.»

Auf dem Labitzke-Areal waren in den letzten Jahrzehnten verschiedene preisgünstige Wohn- und Gewerbeflächen von der Kreativszene genutzt und gemietet worden. Auch Besetzer hatten auf Teilen des Areals gewohnt. Zusammen hatten sie einen «Abbruch des Areals auf Vorrat» kritisiert und für ein längeres Verbleiben gekämpft. Die Mobimo AG will das Areal aber möglichst schnell rückbauen und mit der Altlastensanierung beginnen, für die sie rund 10 Monate veranschlagt. Sie will auf dem Areal eine Überbauung mit 245 Wohnungen erstellen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2014, 10:34 Uhr


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4 Kommentare
Ernst Reber
13:59 Uhr
Melden 8 15

Günstige Wohn- und Gewerberäume werden ohne gesicherte Neubaugenehmigung zerstört. Mit der Aussicht auf 246 teure Appartments und Luxuslofts für Singles, Dinks und Zweitwohnungs-interessierte Wohlhabende; an Familien werde nicht gedacht.
Kein gutes Beispiel von privater Immobilienwirtschaft. Antworten

Ike Conix
11:06 Uhr
Melden 20 8

Rhetorische Frage: Gehört das Labitzke-Areal eigentlich Mobimo oder der Stadt? Antworten

adam gretener
10:58 Uhr
Melden 20 32

Wolff hat es wieder mal geschafft, eine gemeinsame Lösung zu finden und zu vermitteln. Viel viel besser als Polizeihunde und Pfefferspray. Bravo. Da müssrn sich Leutenegger und Co aber ganz warm anziehen. Antworten

Peter Kaegi
10:48 Uhr
Melden 14 11

Der 2. Wahlgang der Gemeinde- und Stadtratwahlen sind am 30.3.14 beendet, dann soll der neue Stadtrat entscheiden, man will sich doch nicht vor den Wahlen schon festlegen. Das spricht nicht gerade für eine zielorientierte Gemeinde-Politik. Nach den Wahlen kann man wieder die eigenen Regeln durchsetzen oder eben nicht, es geht ja dann wieder 4 Jahre. Antworten


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AutorIn: tagi
  Labitzke-Areal Besetzer dürfen länger bleiben
20.01.2014 21:20  
 http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/besetzer-duerfen-laenger-bleiben-1.18225213

Labitzke-Areal
Besetzer dürfen länger bleiben

Zürich Heute, 15:14

Nachdem die meisten Mieter das Labitzke-Areal verlassen haben, haben die Besetzer anfangs Januar weitere Gebäude eingenommen. Nachdem die meisten Mieter das Labitzke-Areal verlassen haben, haben die Besetzer anfangs Januar weitere Gebäude eingenommen. (Bild: Ennio Leanza / Keystone)

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zac./fbi. Eigentlich hätten die rund hundert Besetzer und Mieter das 10 000 Quadratmeter grosse Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke in Zürich Altstetten bereits Ende 2013 verlassen müssen. Von den ursprünglich dreissig Mietparteien sind mittlerweile bis auf drei alle ausgezogen. Die Besetzer sind jedoch mehrheitlich geblieben und haben sogar noch weitere Teile des Areals okkupiert. Ihnen ist die Mobimo AG, die das Areal besitzt, nun weiter entgegengekommen und hat den Abbruch der Gebäude auf Ende März verschoben. Dies schreibt die Stadt Zürich in einer Medienmitteilung von Montag. Zwar sei die Baubewilligung für das Projekt der Mobimo mit 245 Wohnungen auf dem Areal noch nicht erteilt, doch es sei offensichtlich, dass Mobimo gewillt sei, das Projekt ohne Verzögerung zu realisieren, heisst es in der Mitteilung weiter. Christine Hug, Sprecherin der Mobimo, sagt auf Anfrage: «Mit der Einigung können wir gut leben.» Man habe der Stadt schriftlich belegen können, dass auch mit der Abbruchbewilligung des Kantons eine Räumung möglich sei.

Weil in den Gebäuden Asbest vermutet wird, baut sie die Mobimo AG Schritt für Schritt zurück. In einem der Gebäude habe der Rückbau bereits begonnen, sagt Hug. Die Stadtpolizei hatte den Besetzern, die in diesem Gebäude wohnten, zuvor ein Ultimatum gestellt. Am Morgen stand das Gebäude jedoch bereits leer.

Von den drei regulären Mietparteien hatten zwei eine Fristerstreckung erhalten. Sie müssen ihre Räumlichkeiten Ende Februar verlassen. Bei der dritten läuft derzeit ein Ausweisungsverfahren. «Wir sind optimistisch, dass diese Mieter Ende März ihre Räumlichkeiten ebenfalls verlassen haben werden», sagt Hug. Bis dann gilt auch das Ultimatum an die Besetzer. Sollten sie die Gebäude bis dahin nicht verlassen haben, würde die Stadtpolizei das Areal wohl definitiv räumen. Die definitive Baubewilligung der Stadt will die Mobimo AG bis im Herbst dieses Jahres erhalten.
Mehr zum Thema «Besetzer dürfen länger bleiben»

Stadt Zürich: Viel Wohlwollen für die Besetzerszene
Kommentar: Sonderrechte für Hausbesetzer?


AutorIn: nzz
  weitere nzz-texte
20.01.2014 21:31  
Stadt Zürich
Sonderrechte für Hausbesetzer?
Kommentare Mittwoch, 8. Januar
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Rechtlich ist der Fall klar: Wer gegen den Willen des Eigentümers in ein Gebäude eindringt und sich häuslich niederlässt, macht sich strafbar. Das gilt auch, wenn das Haus leer steht und abgebrochen werden soll. Denn auch eine ungenutzte Liegenschaft bleibt in der Verfügungsgewalt des Eigentümers. Und solange Hausfriedensbruch ein Straftatbestand ist, muss er verfolgt werden, wenn der Eigentümer das verlangt. Sollte man meinen. Die Auseinandersetzung um das besetzte Labitzke-Areal in Altstetten zeigt aber einmal mehr, dass in Zürich alles anders ist. Wer dort ein Haus besetzt, hat zwar nicht das Recht auf seiner Seite, aber den Stadtrat. Und er muss kaum damit rechnen, zur Rechenschaft gezogen zu werden. In einem Merkblatt hält die Polizei fest, wie sie gegen Besetzer vorgeht: am liebsten gar nicht. Sie räumt ein, Hausbesetzung sei ein Straftatbestand. Doch Konsequenzen hat das keine. Ein Strafantrag reicht noch lange nicht, um die Polizei zum Handeln zu bewegen. Sie verlangt von Eigentümern eine Abbruch- oder Baubewilligung mit Freigabe. Das entspricht nicht dem Gesetz, ist in Zürich aber gängige Praxis. Nun setzt die Stadt noch einen drauf. Denn die Labitzke-Eigentümerin hat eine Abbruchbewilligung. Dass sie das Areal nicht räumen will, begründet die Stadt so simpel wie absurd: Nicht sie, sondern der Kanton habe die Bewilligung erteilt.

Gewiss, staatliches Handeln muss nicht nur korrekt, sondern auch verhältnismässig sein. Und oft ist es sinnvoll, auf einen Kompromiss zwischen Besitzern und Besetzern hinzuarbeiten. Doch das darf nicht dazu führen, dass Straftatbestände nur noch unter gewissen Bedingungen verfolgt werden, die gesetzlich nirgends vorgesehen sind. Der Staat hat die Aufgabe, Privateigentum zu schützen. Dass die Stadt das Labitzke-Areal nicht räumen will, hat zum einen taktische Gründe. Vor den Wahlen will man Ruhe, und der linksalternative Polizeivorsteher Richard Wolff will alles vermeiden, was seiner politischen Klientel nicht passt. Es zeigt aber auch, dass im links-grün dominierten Stadtrat Politik bisweilen vor Recht geht. Die Stadt will «Lösungen suchen». In der Praxis heisst das nichts anderes, als dass den Besitzern so viele Zugeständnisse abgerungen werden, wie nötig sind, damit die Besetzer ungestört bleiben. Schliesslich sind sie ja gewaltlos: Sie nutzen nur anderer Leute Privateigentum ohne deren Einwilligung. So pingelig die Behörden das Recht in anderen Bereichen durchsetzen: Hausbesetzer geniessen in Zürich Sonderrechte.

Kommentare
Marek Cias
• vor 12 Tagen

"Hausbesetzer geniessen in Zürich Sonderrechte". Es stimmt allerdings. Die Unterstüzung finden sie auch in den Nachrichten der linkslastigen SRG.
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Antworten


Sepp_Zuercher
• vor 12 Tagen

Vielleicht wäre noch zu erwähnen, wer überhaupt die Eigentümerin des Labitzke-Areals ist: Die Mobimo, eine börsenkotierte Immobiliengesellschaft, welche auch von ausländischen Investoren mitbesitzt wird (die durchlöcherte Lex Koller...). Die Mobimo, welche in den letzten Jahren Dutzende von Millionen steuerfreie Gewinne ausschütten durfte (der UStR II und anderen Steuerschlupflöchern, von denen normale KMU nur träumen können, sei dank). Das nur zur Ergänzung, da ja - es ist Wahlkampf - der Name des zuständigen Stadtrates auch erwähnt wird.

Böse Zungen könnten jetzt allerdings auch behaupten, die Mobimo sei als Privateigentümer halt eine Nummer zu klein: Die Credit Suisse hat damals beim Hardturmstadtion anstandslos die Abbruchbewilligung erhalten, um Besetzer in ihrer Immobilie zu vermeiden. Wo genug Geld und Macht ist, sind auch Wege. Und Sonderrechte.
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Antworten

r
RePf
• vor 13 Tagen


Straftatbestände müssen durchgesetzt werden ...
Aber wenn es dann um Rechtsüberholen und Zu-Schnell-Fahren und dergleichen geht, hat man es plötzlich mit Kavaliersdelikten zu tun und der Staat, der diese verfolgen möchte (zum Beispiel mit "Blech-Polizisten"), wird (gerade von der NZZ und den ihr nahestehenden "liberalen" Politikern) Polizeistaat geschimpft, der die Verhältnismässigkeit missachte!? Bezeichnend dazu die neuste Studie der Avenir Suisse, die tatsächlich die Freiheit daran misst, wie wenige Blitzkästen es gibt (sprich daran misst, wie schlecht das geltende Recht durchgesetzt wird).
Im Gegensatz zu zahlreichen Strassenverkehrsdelikten, die direkt Menschen gefährden, geht von einem besetzen Haus keine konkrete Gefahr aus.
Wenn schon "Recht vor Gnade" von der NZZ gefordert wird, dann bitte überall!
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 http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/sonderrechte-fuer-hausbesetzer-1.18216784

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Hohe Anforderungen an Hausbesitzer

Viel Wohlwollen für die Besetzerszene

Zürich Mittwoch, 8. Januar, 09:13


Die Stadt Zürich sucht das Gespräch mit der Eigentümerin des besetzten Labitzke-Areals, der Mobimo AG. (Bild: Annick Ramp / NZZ)

Der Stadtzürcher Polizeivorstand Richard Wolff will einen friedlichen Übergang auf dem Labitzke-Areal. Mit dem jetzigen Vorgehen kommt die Stadt den Hausbesetzern weit entgegen.


Adi Kälin, Fabian Baumgartner

Das Vorgehen ist aussergewöhnlich: Die Stadt Zürich akzeptiert die Abbruchbewilligung des Kantons nicht als Grund für eine Räumung der neu besetzten Teile des Labitzke-Areals. Es brauche wohl tendenziell eine rechtsgültige Baubewilligung der Stadt, liess das Hochbaudepartement von SP-Stadtrat André Odermatt am Montag verlauten. Die nun anberaumten Gespräche haben zur Folge, dass eine Räumung frühestens Mitte Februar infrage kommt, wohl auch nach den Stadtratswahlen vom 9. Februar. Ein Schelm also, wer vermutet, dass sich die zuständigen Stadträte nicht noch vor dem Termin mit einer möglicherweise gewaltsamen Räumung der besetzten Teile der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke in die Nesseln setzen und Wähler vergraulen wollen.
Eigenwillige Praxis der Stadt

Der Polizeivorstand Richard Wolff (al.) selbst hat anlässlich eines Wahlkampfauftrittes Stellung zur Besetzung genommen: Er schilderte die komplexe Situation mit Mietern, alten und neuen Besetzern. Es sei sehr kompliziert, hier überhaupt weiter vorzugehen. Es fänden aber Gespräche zwischen der Besitzerin Mobimo und der Stadt statt. Ihm sei es wichtig, einen friedlichen Übergang von der Besetzung über den Abbruch und die Altlastensanierung bis hin zum Neubau zu schaffen, sagte Stadtrat Wolff. Einen Strafantrag gebe es seines Wissens derzeit nicht. Aber auch wenn es einen gäbe, würde man noch einmal das Gespräch suchen, statt sofort zu räumen.

«Wir haben bei der ersten Besetzung vor zwei Jahren bereits einen Strafantrag gemacht», sagt auf Anfrage Christine Hug, Sprecherin der Mobimo AG. Dieser sei allgemein gegen die Besetzung des Geländes gerichtet gewesen. Laut Hug wurde der Immobilienfirma von der Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass der Strafantrag weiterhin Bestand habe. «Trotzdem haben wir die neue Besetzung der Polizei gemeldet und damit den Strafantrag wieder aktualisiert», hält Hug fest. Unabhängig vom Ausgang der Gespräche mit der Stadt sei man gewillt, die Baueingabe so rasch als möglich zu vollziehen. Bei einer Überbauung dieser Grösse brauche dies jedoch seine Zeit. Derweil kündeten die Besetzer im Internet unverfroren eine Party auf dem Labitzke-Areal unter dem Motto «Die einen tanzen, die anderen zerstören» an.

Das jetzige Vorgehen passt zur eigenwilligen Praxis, der Zürich seit einigen Jahren folgt. Diese kommt den Hausbesetzern weit entgegen und stellt gleichzeitig hohe Anforderungen an die Eigentümer für eine Räumung. Die Stadt stützt sich dabei auf einen Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 1997 zu einem Fall in Genf. Das von der Stadtpolizei publizierte «Merkblatt Hausbesetzungen in der Stadt Zürich» legt die Bedingungen für eine Räumung strikt fest: Es muss ein Strafantrag vorliegen, zudem brauchen die Eigentümer eine Abbruch- oder Baubewilligung inklusive Freigabe. Damit will die Stadt auch verhindern, dass Liegenschaften jeweils kurz nach einer Räumung wieder besetzt werden.
Gewaltsame Räumungen selten

Rund dreissig Liegenschaften in Zürich sind gleichzeitig von Hausbesetzern bewohnt. Nur in wenigen Gebäuden halten sich die Besetzer jedoch längerfristig auf. Beispiele dafür sind der «Autonome Beauty-Salon», der sich ebenfalls auf dem Labitzke-Areal befindet und seit 2011 besetzt ist, aber auch das Koch-Areal. Häufiger allerdings bewegt sich die Szene in kürzeren Abständen von einem leerstehenden Gebäude zum nächsten. Zu gewaltsamen polizeilichen Räumungen kam es in den letzten Jahren nur selten. 2004 räumte ein Grossaufgebot der Polizei Häuser beim Bezirksgebäude mit Gummischrot und Tränengas. Dies, nachdem die Besetzer noch einmal in die bereits leeren Häuser zurückgekehrt waren. Als Einsatzkräfte der Stadtpolizei in die vier Häuser von «Egocity» vordringen wollten, wurden sie auf der Strasse von einigen Dutzend Aktivisten daran gehindert. Drei Personen, die sich auf die über dem Innenhof schwebende Plattform gestellt hatten, wurden vorübergehend festgenommen.

Einschreiten musste die Polizei auch 2012 in dem leerstehenden Gebäudekomplex der ehemaligen «Landolt-Weine». Die Einsatzkräfte gingen mit Gummischrot gegen eine rund 30-köpfige Gruppe vor. Diese hielt sich zu dem Zeitpunkt allerdings bereits vor dem Gebäude auf.
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Kommentare
Peter Hartmann
• vor 12 Tagen

Willkür und Vetternwirtschaft - so kommt es wenn Ideologen gewählt werden. Gesetze sind nicht nur Mittel zum Zweck wenn es gerade politisch passt. Warum wohl wird Justitia üblicherweise mit verbundenen Augen dargestellt.
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AutorIn: nzz
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