Zürich: Kreuzplatz besetzt für eine Nacht
  04-06-2002 22:11
Auteur : waudibaudi :: : http://www,egocity.net
 
 
  Kreuzplatz besetzt für eine Nacht  
     
  Aus Protest gegen den Abriss der alten Häuser und die Zerstörung von schönem und günstigem Wohn-und Lebensraum in dieser Stadt wurde am Freitagabend, der Kreuzplatz besetzt. Nachdem die Absperrgitter weggeräumt waren, stieg das Fest mit einer Bar und Musik von mehreren DJs zwischen den bereits leergeräumten Häusern. Im Laufe des Abends wurden Transparente an den Häusern aufgehängt, der Bauzaun abmontiert und besprayt, Infomaterial verteilt und der Verkehr auf dem Zeltweg blockiert. Um zwei gabs ein spontanes Punkrock-Konzert vor der Schmiede. Schliesslich tauchte aber immer mehr Bullerei auf und im Morgengrauen verzog sich der Spuk und die Häuser standen wieder leer da, wenn auch etwas farbiger. Die Bauwand wurde kurz darauf wieder von fleissigen Arbeitern zusammengenagelt und der Abbruch am Montagmorgen fortgesetzt. Die Abbrucharbeiten sollen noch bis in den August andauern.

Stadtoasen und Freiräume statt Banken und Betonklötze
Reclaim the street - Reclaim the houses
Friede den Hütten - Paläste für alle
Kein Abriss am Kreuzplatz
Stoppt die Ledergerberei
Wohnraum statt Profit

 
     
   
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    kommentar 2002-06-05 09:03    
  Ein Flublatt dass an der Sauvage verteilt wurde.




Mai 2002
DER KREUZPLATZ LEBT........



Die Stunden des kleinen historischen Dorfes am Kreuzplatz scheinen gezählt. Seit Wochen verlassen BewohnerInnen die Häuschen in diesem Geviert, das allgemein unter dem Begriff "Häuser am Kreuzplatz" bekannt ist. In dieser vereinfachten Bezeichnung wird der tatsächliche Charakter des Ortes reduziert.
Die "Häuser am Kreuzplatz" werden in der Oeffentlichkeit deshalb vorwiegend als die Fronthäuser gegen den Kreuzplatz hin wahrgenommen. Das sind hauptsächlich das markante Eckhaus und der angrenzende und bereits verlassene Spunten namens "Schmiede".
Wahrgenommen wird allenfalls auch die dazugehörende Häuserzeile entlang der Klosbachstrasse.
Der tatsächliche Bestand des Ortes ist von aussen her nicht ohne weiteres sichtbar, nämlich die Häuschen und Hüttchen gegen innen hin: ein gewachsenes Geviert mit kleinen Wegen und Gässchen und einem erkennbaren Dorfplatz dazwischen.
Während den jahrzehntelangen Machtkämpfen um diesen strategischen Ort wurde nichts, aber auch gar nichts, in das Dörfchen selbst investiert. Trotzdem steht es beharrlich die ganzen Zeiten durch und wirkt, bei einem Spaziergang, genauso schief und schräg wie vor
30 Jahren, und wie die Kulisse eines alten Films.
Phänomenalerweise befinden sich viele der Bauten nach wie vor in einem Zustand, der mit einfachen Renovationen komfortabel bewohnbar gemacht werden könnte.
Das Konsortium Turintra AG (UBS-Tochter), Immobilien Paradeplatz und Karl Steiner AG aber planen an seiner Stelle eine neuerliche architektonische Zumutung aus Glas.
Glas - Botschaft für Transparenz und Offenheit in solcher Wucht, und in merkwürdiger Diskrepanz gegenüber der eigenen Geschäftspraktik. Als warnendes Exempel neueren Datums befindet sich an der Kasernenstrasse ein verwandtes Objekt. Ein Augenschein lohnt sich auf diese gläserne Selbstdarstellung und seiner traurigen Verheissung auf "Offenen Raum".
Solcherart aufgebaute demonstrative Transparenz entspricht weder den Vorstellungen des darin zu arbeitenden Personals, noch ist sie innovativ und zukunftsorientiert. Da wären, vor dem Hintergrund klimatischer Erwartungen, eher Pfahlbauten angesagt. Oder aber, aus Sicht einer liberalisierte Arbeitsrealität, Zeltplätze und Wagenburgen.
Das Dörfchen am Kreuzplatz ist ein Paradestück zürcherischer Stadtplanungspolitik. Die Rolle der Stadt, in jüngerer Zeit unter der Aegide Ledergerbers, ein Skandal.







Kurze Geschichte der Kreuzplatzhäuser


1984 Die Grundeigentümer fragen die Stadt an, ob die Kreuzplatzhäuser schutzwürdig seien oder nicht.
1985 Stadtrat Hugo Farner (Vorsteher des Hochbaudepartements) verneint die Schutzwürdigkeit der Häuser, ohne dass eine diesbezügliche Untersuchung der Häuser vorgenommen wurde. Dieser WischiwaschiBescheid hat folgenreiche Auswirkungen.
1986 Der Kunsthistoriker Hans-Martin Gubler erstellt im Auftrag der Denkmalpflege ein Gutachten, das die Kreuzplatzhäuser als schutzwürdiges Ensemble betrachtet.
1990 Der Stadtrat (mit Hochbaudepartements-Vorsteherin Ursula Koch) stellt die Kreuzplatzhäuser unter Schutz. Gegen diesen Entscheid rekurrieren die Grundeigentümer.
1993 Das Bundesgericht entscheidet aufgrund Farners verhängnisvollem Vorentscheid, dass aus Gründen der Rechtssicherheit die nachträgliche Unterschutzstellung der Kreuzplatzhäuser unzulässig sei. Das Bundesgericht ninunt jedoch keine Stellung zur Schutzwürdigkeit der Gebäude.
Juli 1997 Die Stadt verkauft filtre Liegenschaft an der Klosbachstrasse 1 der UBS-Tochter Turintra.
August 1998 Der Gemeinderat stimmt dem privaten Gestaltungsplan Kreuzplatz, der den Abriss aller alten Häuser vorsieht, mit 73 zu 2 Stimmen zu. Gegen diesen Entscheid wird von verschiedenen Vereinen, Quartiervereinen, Kreisparteien und vom Heimatschutz das Referendum ergriffen.
29. Nov. 1998 Sieg des Referendums: Der private Gestaltungsplan wird mit 52 % Nein-Stimmen abgelehnt. Winter 1998/99 Nach der gewonnen Abstimmung lädt der unterlegene Stadtrat Elmar Ledergeber alle beteiligten Parteien an einen runden Tisch ein. Die naheligende Lösung, dass ein grösserer Teil der Stimmbürgerinnen die alten Häuser ganz oder zumindest zum Teil erhalten will, wird jedoch nie als Option in Betracht gezogen. Daraufhin verlassen der Heimatschutz und der Verein "denk mal! Kreuzplatz" den runden Tisch vorzeitig. Die Stadt Zürich, die Bauherrschaft und die Quartiervereine einigen sich auf den faulen "Kompromiss", das Projekt Richtung Artergut zu verschieben, um einen "Quartierplatz" zu schaffen.
20. Okt. 1999 Lancierung der Volksinitiative "Rettet den Kreuzplatz" druch den Heim den Verein "denk mal! Kreuzplatz" und die Grünen Kreis 7/8. Die Initiative hat zum Ziel, das Areal der Kreuzplatzhäuser wieder einer Kernzone zuzuweisen und für eine allfällige Überbauung einen Gestaltungsplan vorzuschreiben
23. Sept. 2001 Die Volksinitiative "Rettet den Kreuzplatz" wird mit einem Ja-Anteil von etwa 30 abgelehnt. Die SP Stadt Zürich hat dieses enttäuschende Resultat massgeblich mitverursacht durch ihre Nein-Parole.
12. April 2002 Das Bundesgericht schmettert den Rekurs des Heimatschutzes bezüglich Näherbaurecht aRichtung Artergut von acht Metern - ein Entgegenkommen Ledergerbers zugunsten der Bauherrschaft -- ab.
31. Mai 2002 Die letzten Mieterinnen müssen ihre Häuser verlassen, nachdem bereits Mitte Mai ein Grossteil von ihnen ( darunter auch das beliebte Quartierrestaurant "Schmiede" ausziehen mussten. Die Häuser sind nun nach bis zu 400jähriger Geschichte zur Zerstörung freigegeben

Die aktuelle Häuserpolitik der Stadt Zürich
Kurz vor Ende seiner Amtszeit als Vorsteher des Hochbaudepartements versetzt Elmar Ledergerber werteren alten Häusern in Zürich den Todesstoss: Das Restaurant "Nordbrüggli" und das Bahnhofsgebäude Wipkingen im Kreis 6 und das Restaurant "Rosengarten" im Kreis 4 wurden aus dem Inventar der schützenswerten Bauten der Stadt Zürich entlassen. Wiederholt wird gewarnt vor einem "zweiten Kreuzplatz" (z. B. im TA vom 22.5.02). Die Aktivitäten von Einwohnerinnen unser er Stadt zugunsten des Erhalts von identitätsstiftenden Bauten wird diffamiert. Ledergerber möchte nach eigener Aussage der Stadtpräsident aller Zürcherinnen und Zürcher sein. Wieso wirft er sich der: permanent der Baulobby in die Arme? Entsprechen die Immobilienfirmen und die Yuppies, die in den zukünftigen Pseudo-Lofts wohnen werden, Ledergerbers Vorstellung der Idealzürcherinnen? Passend dazu feierte der Sozialdemokrat Ledergerber seine Wahl im Yuppie-Tempel "Kaufleuten". Wehren wir, die wir offenbar nur Störfaktoren in Ledergerbers "Brave New Zurich" sind, uns weiterhin nach allen Kräften gegen diese Entwicklung. Leisten wir Widerstand gegen Zerstörungen und Verschandelungen der Stadt, wie es derzeit am Kreuzplatz vorexerziert wird .











 
  dpa/afp  
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