Internationaler Aufruf zu 2 Aktionstagen für Squats
  Theme(s) Anticapitalisme / Antiglobalisation - Logement - Répression -  
  21-03-2008 17:33
Auteur : Intersquat Europe :: Traduit par : hu
 
 
  Tract April2008 Aufruf zu 2 Tagen mit dezentralen Aktionen für Squats und andere autonome Freiräume in Europa...eine Alternative im Kampf gegen die globale Repression!  
     
 

Aufruf


Am Freitag, den 11. und Samstag, den 12. April 2008 rufen wir zu zwei Tagen Demonstrationen, Direkten Aktionen, Info-Arbeit, Straßenfesten, Hausbesetzungen… auf, um Freiräume und antikapitalistische Kultur zu verteidigen.

Diese zwei Tage sollen dazu genutzt werden, die europäische/globale politische Bewegung um autonome Räume und besetzte Häuser ins Blickfeld zu rücken. Wir wollen Verknüpfungen und Solidarität zwischen verschiedenen Freiräumen schaffen.Wir wollen unsere Räume mit neuen Menschen und neuen Bewegungen enger verbinden und den Aufbau autonomer Räume an Orten, an denen es solche Aktionsformen noch nicht gibt, unterstützen. Schritt für Schritt wollen wir uns somit befähigen, die Repressionswelle, mit der wir konfrontiert sind, zu überwinden.

Wir rufen auf zu dezentralen und autonomen Aktionen aller Art - je nach dem, was euch in euren Zusammenhängen passend erscheint. Der politische Inhalt, den wir den Tagen geben möchten, wird unten beschrieben.

Wir sind überall...

Für Jahrhunderte haben Menschen in der Stadt und auf dem Land besetzte Häuser und autonome Freiräumen genutzt, um selbstbestimmt zu leben. Sie sind ein Werkzeug, eine Taktik, eine Praxis und ein Weg für Leute, ihre Kämpfe auszutragen. Seit Jahrzehnten haben Squat-Bewegungen in Europa und darüber hinaus die kapitalistische Entwicklung bekämpft und damit an lokalen Kämpfen gegen Zerstörung teilgehabt, Alternativen zu profitorientierter und konsumistischer Kultur bereitgestellt, soziale Zentren aufgebaut und auf Mitbestimmung basierende Aktivitäten außerhalb der etablierten Wirtschaft organisiert. Sie haben die Möglichkeit von Selbstorganisierung ohne Hierarchien gezeigt und internationale Netzwerke des Austauschs und der Solidarität geschaffen. Diese Netzwerke haben das Leben vieler Leute verändert: der Ausbruch aus sozialer Kontrolle, freie Räume, in denen außerhalb der Norm gelebt werden kann.

Unter anderem sind diese Orte eine Basis für Treffen und Projekte, für die Erschaffung und die Verbreitung von subversiver Kultur, für den nicht auf Geld basierenden Austausch von Gütern, Ressourcen und Wissen, für das Experimentieren mit neuen Lebensformen, für kollektive Debatten, Verwertung und Konstruktion, für landwirtschaftliche Tätigkeiten, für die Erschaffung unabhängiger Medien.

Ob wir von besetzten Häusern in Städten oder gekauftem Land, von durch Verhandlungen oder Wiederaneignung erlangtem Grund im ländlichen Raum, von in Stand gesetzten Fabriken oder selbst gebauten Gebäuden sprechen, diese Räume sind sind Zuflucht für RebellInnen, Geächtete, arme und obdachlose Leute, radikale AktivistInnen, illegalisierte ImmigrantInnen. Für uns sind diese Räume entscheidender Teil einer Bewegung für soziale Veränderung.

Überall in Europa drücken Regierungen repressive Programme durch

Regierungen attackieren lange bestehende autonome Räume, wie das Ungdomshuset in Kopenhagen, Køpi und Rigaer Straße in Berlin, das EKH in Wien und Les Tanneries in Dijon, besetzte Sozialzentren in London und Amsterdam, Ifanet in Thessaloniki, etc. In Frankreich sind nach der Anti-CPE-Bewegung und der Welle von Aktionen und Aufständen während der Präsidentschaftswahlen besetzte Häuser zum Vorzugsziel für die Polizei geworden. In Deutschland wurden im Vorfeld des G8-Gipfels viele autonome Häuser angegriffen und durchsucht. In Genf und Barcelona haben die Behörden mit der Räumung von zwei langjährigen und großen „squatting fortresses“ versucht der Bewegung ein Ende zu setzen. Während es in manchen Ländern noch möglich ist leerstehende Gebäude zu besetzen, stellt es in anderen bereits eine Straftat dar. Auf dem Land wird Zugang zu Grund und Boden schwieriger und Kommunen bekommen zunehmend Probleme durch Gesetzgebung zu Hygiene und Sicherheit und durch Gentrifikation zu Gunsten des Bürgertums und Touristen. Unabhängige Kultur ist überall in Europa bedroht.

Vor ein paar Monaten haben wir die anhaltenden Kämpfe auf den Straßen Kopenhagens gesehen und die Aktionen überall in Europa: Eine Explosion von Wut über die Räumung des Ungdomshuset. Seitdem, und nach einigen anderen Widerstandsgeschichten der letzten Monate, haben wir es geschafft die Bedeutung internationaler Solidarität wiederzubeleben.

Uns motivieren die gleichen Leidenschaften, wir empfinden die gleiche Zielstrebigkeit und haben in der Repression den gleichen Feind und teilen über Grenzen hinweg das Verlangen, eine Welt der Gerechtigkeit und Selbstbestimmung zu schaffen. Als unangepasste und unregierbare Inseln unkontrollierter Freiheit werden wir in Solidarität handeln und unsere internationalen Verbindungen stärken, wie viele Kilometer auch zwischen uns liegen.

Themen jenseits der Aktionen...

Jenseits der Aktionen erhoffen wir uns von diesen Tagen, dass sie Diskussionen hervorbringen und inspirieren, dass sie Chancen und Strategien sichtbar machen und Anlass geben, Fertigkeiten zu teilen. Dies sind einige der Themen, die wir vorantreiben wollen:

* Was verstehen wir unter und was erwarten wir von autonomen Räumen? Was ist ihre Rolle im Kampf für radikale soziale Veränderung? Wo liegen sie auf einer Skala von „alternativ“ bis „konfrontativ“? * Teilen von Information über die Bandbreite der Aktivitäten, die in autonomen sozialen Räumen stattfinden und wie sie umsetzbar sind; Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen hinterfragen; Zum Teilen von Wissen ermutigen, besonders zwischen Stadt und Land; * Teilen von Erfahrungen, einander inspirieren, herausfinden, wie andere kollektiv leben, ihre Aktivitäten, alternative Tauschsysteme; * Austausch über die Möglichkeiten Freiräume zu bekommen: Illegalisierte Besetzungen, Do-It- Yourself-Konstruktionen, Wagenburgen, Kollektiver Kauf; o Teilen von praktischen Ressourcen und das Gefühl von Solidarität zwischen: verschiedenen NutzerInnen autonomer Räume (gegenwärtig oder potentiell): Kooperativen, Menschen ohne Papiere, AktivistInnen, Reisende, ImmigrantInnen, StadtbewohnerInnen, LandbewohnerInnen, kleine Farmen; o Unterschiedliche Weisen Raum zu nutzen, Aktivitäten für die Gemeinschaft, Raum für Gruppen, Wohnraum; * das Finden von gemeinsamen Strategien, wenn bedroht von staatlicher Repression und Räumung.

Wer sind wir? Wie können wir an diesem Projekt zusammenarbeiten und es umsetzen?

Im Moment sind wir eine Gruppe - alle verschiedentlich mit autonomen Freiräumen in Europa verbunden -, die sich überlegt haben, diesen Aufruf zu diskutieren. Wir werden in den nächsten Monaten unterschiedliche Kollektive treffen und sehen, was Leute von der Idee europäischer Aktionstage halten und wie sie daran teilhaben möchten. Der Erfolg hängt sehr von unserer Fähigkeit ab, eine größere internationale Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen. Das hieße, dass alle, die mitmachen wollen, anfangen, die Idee in verschiedenen Zusammenhängen zu diskutieren und Propagandamaterial und Vernetzungsinfos produzieren und verbreiten, um darüber zu informieren, was in diesen Tagen in eurer Nähe so passiert.


material



Flyer

Hier findet ihr den Aufruf im Din-A4-Format. Ladet die pdf-Datei runter, druckt sie aus und verteilt sie in besetzten Häusern und autonomen Räumen in eurer Gegend. flyer A4 - recto flyer A4 - verso

kontakt

Vorbereitungstreffen

Der Erfolg dieses Aufrufs hängt nun davon ab, eine größere internationale Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen. Die gesamte Aktion wird ohne „Zentralkomitee“ stattfinden und sich aus verschiedenen dezentralen Aktionen zusammensetzen. Dennoch denken wir, dass es wichtig ist ein physisches Treffen zu haben, um Ideen und Strategien auszutauschen, den Inhalt des Aufrufs zu diskutieren, zu sehen, welche gemeinsamen Informationswege wir für das Projekt nutzen können und wie wir uns vernetzen und den verschiedenen lokalen Initiativen helfen können.

Am 24. und 25. November 2007 fand in „Les Tanneries“, einem autonomen Projekt in Dijon (Frankreich) ein Koordinationstreffen statt. Es ist ein seit 1998 besetztes Sozialzentrum in post-industrieller Umgebung. Dank vieler Jahre Auseinandersetzung mit dem Stadtrat, dem das Gebäude gehört, ist das Projekt inzwischen relativ stabil. Es besteht aus einem Gemeinschaftshaus, einem Bandraum, einem Hacklab, einem Umsonstladen, einem Infoshop, einem Gemeinschaftsgarten, einer Bibliothek,…

Die Ergebnisse des Koordinationstreffen sind der Übersetzerin leider nicht bekannt. Glücklicherweise ist es noch nicht zu spät selber was auf die Beine zu stellen.
 
     
 
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