| |
Ab sofort besetzen wir die Gebäude der ehemaligen Abfallverbrennungsanlage im Vallon in Lausanne. Diese Besetzung geschieht kollektiv, autonom, und selbstverwaltet und sieht sich als antirassistisch, antisexistisch und antikapitalistisch. Aus diesem Grund haben wir uns im Kollektiv "Danger de mort" ("Lebensgefahr") gruppiert. Wir möchten in diesem Freiraum ein kulturelles und politisches Projekt realisieren und dieses auch mit andern teilen. Wir haben vor, Kunst-, Handwerk- und Bastelateliers, einen Ausstellungsraum, einen Gratisladen, einen Raum für kleine Spektakel oder Performances, Proberäume und vieles mehr einzurichten. Mit Diskussionen, Debatten und Workshops hoffen wir, die Reflexion über soziale Probleme, die Politik und die Ökologie stimulieren zu können. Das Projekt wird unkommerziell und auf Freiwilligenarbeit basiert sein. Wir sind bereit, mit der Stadt Lausanne in Verhandlung zu treten.
Über die Nötigkeit diesen Freiraum zu haben
Die letzten fünf Jahre haben wir mit Bedauern das Verschwinden von mehreren günstigen und kreativen Räume in Lausanne mitansehen müssen. 2004 wurde das Tricycle am Place du Tunnel renoviert und das Puits im Rôtillon ist geleert worden, um danach mehrere Jahre leer zu stehen vor seiner Demolierung. 2005 wurde die Ecole de Chimie in der Cité wieder dem Staat zur Verfügung gestellt, um eine LaboratInnenschule zu eröffnen. Das Chien Rouge in der ehemaligen Polyzahnklinik musste 2006 Luxuswohnungen weichen. Die lange andauernde Transformation des Flonquartier in eine Unterhaltungszone, wo "die Kultur" v.a. ein Konsumgut ist, forderte auch viele Opfer unter den güngstigen kreativen Räumen. Andere Räume wurden in kurzer Zeit zum Verschwinden gebracht, wie 2004 das Squat de la Riposte in Malley, welches nach der Räumung sabotiert und eingemauert, und schliesslich 2007 demoliert wurde. Es befindet sich dort aber heute noch ein leeres Gelände. Die Tendenz geht de facto in Richtung einer Homogeneisierung und Kommerzialisierung der Kultur und kleine Projekte werden mehr und mehr ausgeschlossen. Die Tatsache, dass der Organisation "E la nave va" ein Konzertsaal zur Verfügung gestellt wurde, sowie auch die Subventionen für das Docks ändern an dieser Entwicklung nicht viel. Die Ausübung einer kulturellen oder handwerklichen Tätigkeit ist ein Klassenprivileg. Die Preise der Räume auf dem Markt sind zu hoch für Leute mit wenig Geld, die nicht von ihrer kulturellen oder handwerklichen Produktion leben wollen. So können nur die Priviligierten diese Lebensqualität geniessen. Aber auch Leute, die davon leben möchten, sehen sich häufig gezwungen, sich weit weg von Lausanne, wo die Preise etwas tiefer sind, anzusiedeln. Dies berührt v.a. junge Leute und weniger bekannte KünstlerInnen/HandwerkerInnen. Diese Ausgrenzung isoliert sie vom Stadtzentrum, genau der Ort, wo sie eventuell etwas daran verdienen könnten. Lausanne, die Kulturhauptstadt des Kantons Waadt? Nur für diejenigen, die das Geld haben, sie zu konsumieren. Lausanne, die Waadtländer Hauptstadt der kulturellen und handwerklichen Kreation? Nur für diejenigen, die das Geld haben, dort zu praktizieren.
Über die Nötigkeit, diesen Wohnraum zu haben
Ist es noch nötig, die Wohnungskrise in Lausanne zu unterstreichen? Tatsächlich scheint sich diese Krise dauerhaft installiert zu haben und ist mittlerweile nur allzu normal. Sie nützt v.a. den grossen Immobilienagenturen die sich auf dem Rücken der MieterInnen die Taschen füllen. Diese müssen immer teuerere Wohnungen akzeptieren. Ist es normal, dass das Wohnen eine Handelsware ist? Wir finden nicht. Die MieterInnen werden so von ihrem Lebensraum entfremdet. Sie haben nicht die Möglichkeit, ihn so einzurichten, wie sie möchten. Die Wohnung ist zu einem Ort des Vorbeikommens verkommen, an welchem die BewohnerInnen nur wenig Spuren hinterlassen. Die Wohnungskrise definiert sich demnach nicht nur in Hinsicht auf die fehlenden Wohnungen, sondern auch auf die Art, wie die Leute untergebracht werden. Wir wollen unser Wohnungsproblem selber lösen. Wir wollen und können keine überteuerten Mieten bezahlen. Wir wollen unseren Wohnraum selbst gestalten, die Farbe der Mauern selbst wählen, Räume separieren, wie wir es eben gerade für nötig erachten, unseren Lebensraum selbst gestalten. Falls die Gemeinde Lausanne glaubt, Lösungen für die Wohnungskrise in nächster Zeit zu finden, muss sie damit anfangen, autonome Wohninitiativen in leeren Räumen zu akzeptieren.
Für die Lebensräume ausserhalb der kommerziellen Bahnen!!! Für autome und verantwortungsbewusste Lösungen zur Wohnungskrise!!! Für eine unkommerzielle Kultur, basierend auf der Kreation, nicht auf dem Konsum!!! |
|