Demo in Zürich
  20-04-2002 17:19
Autore : R. Fischer
 
 
  In Zürich fand heute eine Demonstration gegen die Politik Israels in den besetzten Gebieten statt, an der an die tausend Menschen Teilnahmen.  
     
  Die Demo führte von der Kasernenwiese über die Uraniabrücke das Limmatquai hinauf vor das Stadthaus.
Viele Transparente kritisierten die gewatltätigkeit der Israelischen Streitkräfte. Die Stadtzüricher Linke war vor allem eins nämlich abwesend.

Im Folgenden ist der Redebeitrag Shraga Elams wiedergegeben:


Rede an einer Demo in Zürich (20.4.2002)

Von Shraga Elam*

Israel beging letzte Woche auf seltsame Art den 59. Jahrestag der Nazi-Unterdrückung des jüdischen Aufstandes im Warschauer Ghetto: Der palästinensische Widerstand im Flüchtlingslager von Jenin wurde - als Gipfel repressiver Massnahmen - brutal niedergewalzt.

Die Überschneidung dieser zwei Ereignisse war offensichtlich kein purer Zufall. Denn, wie ein israelischer Journalist schon im Januar berichtete, liess sich das Oberkommando der Okkupationsarmee von den Nazi-Erfahrungen in Warschau inspirieren. Das Resultat dieser ´historischen Studien´ liegt zum Teil schon vor: Das Jeniner Ghetto sieht jetzt aus wie nach einem Erdbeben.

Im Warschauer Ghetto setzten die Nazis die Häuser in Brand, um die hartnäckigen und heroischen WiderstandskämpferInnen zur Kapitulation zu zwingen. In Jenin setzten die angeblich viel ´humaneren´ Israelis ´lediglich´ Bulldozer, Kampfhubschrauber usw. ein, um ein ähnliches Ziel wie die Nazis zu erreichen.

Als Gipfel des Zynismus behaupten jetzt die israelischen Jenin-Massaker-LeugnerInnen, dass die palästinensischen KämpferInnen selber an der Zerstörung des Flüchtlingslagers schuld seien. Hätten diese nicht so heftig Widerstand geleistet, so heisst die offizielle israelische Stellungnahme, wäre es nicht so weit gekommen.

Bei den vorangegangenen Invasionen in palästinensische Flüchtlingslager von Anfang März, waren die israelischen Generäle hingegen sehr enttäuscht darüber, dass es zuwenig palästinensischen Widerstand gab, und damit nicht genügend Ausreden, um die Bilanz der Toten zu korrigieren, wie es in der Militärsprache heisst. Gab es zu Beginn der jetzigen Intifada im Herbst 2000 10 tote Palästinenser zu einem Israeli, so stand diese schreckliche Totenbilanz Ende Februar 2002 ´nur´ bei 3 zu 1. Also waren Massaker nötig, um diese Zahlenverhältnisse zu ´korrigieren´.

Das deklarierte israelische Ziel bei der jüngsten Operation ´Schutzwall´ sei die Zerstörung der palästinensischen ´terroristischen´ Infrastruktur. Nur: Diese Bereitschaft, erbitterten Widerstand zu leisten, existiert ´Dank´ dem eskalierenden Völkermord - dem Palästinozid - mittlerweile in den Köpfen und Herzen der meisten verzweifelten PalästinenserInnen.

Steht also ein totaler Vernichtungskrieg bevor?

Soll die Welt mit einer wirkungsvollen Reaktion warten, bis die offensichtlichen israelischen Pläne vollständig umgesetzt werden?

Seit Mitte Oktober 2000 stehen die Grundrisse der israelischen Militärplanung per Internet zur Verfügung. Der Massnahmenkatalog der ´Operation Dornenfeld´ wie dieser Plan heisst, welcher bereits Schritt für Schritt umgesetzt worden ist, sieht auch noch die Beseitigung der palästinenischen Autonomiebehörden, die komplette Wiederbesetzung der palästinensischen Gebiete und schliesslich auch eine Massenvertreibung vor.

Es handelt sich dabei nicht um eine Phantasie-Horrorvision, sondern um das plausibelste Szenario. Eine zweite Nakba steht also bevor. Nakba - zu Deutsch Katastrophe und auf hebräisch Shoa - nennen die PalästinenserInnen die Massaker und die Vertreibung von 1948.

Dies ist das Ziel, dass das Israelische Oberkommando seit Beginn dieser Intifada verfolgt -unabhängig davon, ob der Regierungschef nun Ehud Barak oder Ariel Sharon heisst - oder Shimon Peres oder Yossi Sarid heissen wird! Dies ist die israelische Selbstmordattentat-Politik, welche die meisten Israelis heute unterstützen, und nur eine sehr kleine und mutige Minderheit versucht vergebens, sich ihr zu widersetzten.

Die palästinensischen Gegen-Selbstmordattentate bringen die tiefste Verzweiflung angesichts der täglichen israelischen Gräultaten, Erniedrigungen und Kollektiv-Strafmassnahmen zum Ausdruck. Die weitgehende Zerstörung sämtlicher palästinensischer Infrastrukturen bedeutet eine subtilere Art von Morden und Vertreibungspolitik. Da alle politischen Proteste nichts nützen, glauben immer mehr PalästinenserInnen, dass Israel nur eine Sprache versteht, die Sprache der Gewalt.

Die palästinensischen Selbstmordattentate liefern der israelischen Militär-Junta die notwendige Ausrede, um ihre militärischen Massnahmen zu verschärfen. So berichtete eine israelische Zeitung, dass die ´Sicherheitskräfte´ konkrete Informationen über das bevorstehende Attentat in Netanya am 27. März besessen hätten. Trotzdem wurde nichts unternommen, um diesen Angriff zu verhindern. Israel lancierte darauf die Operation ´Schutzwall´ und invadierte erneut in der Westbank.

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Die israelischen Machteliten brauchen einen Vorwand, um härter zuschlagen zu können und damit die zweite Nakba zu vollziehen.

Wie lange kann Israel noch auf eine solch verbrecherische Art vom schlechtem Gewissen der Welt wegen der schrecklichen jüdischen Vergangenheit profitieren?

Ist die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg für Israel ein Lizenz zum Töten?

Israel gefährdet durch seine grauenhafte kriminelle Politik die eigene Existenz, denn es gibt keine gewaltsame Lösung für diesen Konflikt, ausser der Endlösung!

Die israelischen und palästinensischen Gesellschaften sind verdammt, zusammenzuleben oder zusammen zu sterben. Sie sind wie siamesische Zwillinge, die eine Trennungsoperation nicht überleben können.

Es müssen deshalb wirkungsvolle gewaltfreie Aktivitäten entwickelt werden, um den israelischen Vernichtungskrieg zu stoppen und den PalästinenserInnen ein glaubwürdiges Signal der Hoffnung zu senden. Sie sollen von der israelischen Aggression geschützt werden und spüren, dass die Welt sie nicht im Stich lässt. Denn es soll ihnen nicht so ergehen, wie es den Juden und Jüdinnen im Zweiten Weltkrieg ergangen war.

Darum muss die aktive und passive Unterstützung der israelischen Kriegsverbrechen sofort gestoppt werden!

Deshalb müssen zahlreiche internationale prominente öffentliche Figuren sofort einen ständigen Schutzschild für die palästinensische Bevölkerung bilden!

Stoppt die Nakba!




*Shraga Elam israelischer Friedensaktivist, Journalist und Buchautor

- Hitlers Fälscher -wie jüdische amerikanische und schweizerische Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen, Ueberreuter, Wien (2000)
von Sebastian Speich, u. a.

- Die Schweiz am Pranger. Banken, Bosse und die Nazis.
Von Sebastian Speich, u. a. Ueberreuter Wirt., F. (1997)




 
     
   
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  ghetto 2002-04-20 21:11  
jaja, shraga, du hast vergessen, dass die juden den holocaust selber organisiert haben, um 60 jahre später die hohle hand zu machen. dein bodenloser zynismus und hasserfüllten vergleiche von israel mit nazideutschland haben nichts mit solidarität für die palästinenser/innen zu tun. das ist selbstbefriedigung der übelsten sorte.
- für eine kritik an israel ohne antisemitismus
- keine zusammenarbeit mit hamas, dschihad und hisbollah
- selbstmordattentate sind keine verzweiflungsakte, sondern
kriegsverbrechen
- unterstützen wir verstärkt israelisch/
palästinensische projekte
- kein fussbreit für die shragas, sieberlis, cavallis etc.
- für eine starke linksradikale nachdemo am 1. mai
nonazi
  Demoboykott 2002-04-20 21:16  
Ich kam, sah und ging wieder.
Was wollen wir zusammen mit religiösen Fanatikern auf der Strasse? Kann mir das jemand erklären? Ich bin nicht blöd, aber ratlos.
antifa
  hübscher versuch 2002-04-21 00:16  
hübsch, wie shraga versucht, den - zu verurteilenden - einmarsch der israelischen armee mit der nazi-zeit zu vergleichen. leider vergass er nur, dass sogar alle in den letzten 18 monaten auf beiden seiten umgekommenen ca. 2000 menschen nicht mal einer tages-"leistung" von treblinka entsprächen...
anilevich
   2002-04-21 10:15  
wie wärs, wenn mal die schweizer linke alleine eine wirklich ernstzunehmende friedensdemo organisieren würde? solange mit all den islamischen organisationen zusammengespannt wird kommt bei so ner demo nämlich unweigerlich ein propagandamarsch von irgendwelchen spinnern raus..wenn wie in bern friedensaktivisten vom rednerpult bebuht werden nur weil sie aus israel stammen ist das mehr als nur erbärmlich. sowas als linke noch zu unterstützen erst recht..
hullahopp
  Nachdemo? 2002-04-21 14:06  
Oje Nonazi. Ich gebe dir betreffend deiner Kritik ja recht, aber musst diese jetzt gleich noch als Werbefläche für die Nachdemo missbrauchen? Finde ich schon etwas peinlich und a propos Nachdemo, ist daran nicht eine Gruppe beteiligt (der Revoltionäre Aufbau nämlich), die ganz klar sehr starke antisemitische Tendenzen hat oder liege ich da falsch?
Wundernase
  nicht vergessen 2002-04-21 19:55  
Hübsch wie sich einer Anilevich nennt und Greuel nur Qualitativ misst. Zu wenig Tote? Ab wieviel Tagesleistung wirst du dich empören? Wenn du dich wenigstens Attila der Hunnenkönig genannt hättest oder Dschingis Khan.
hoppla
  gwunderfiz 2002-04-21 20:45  
okay, die nachdemo ist halt eben demnächst (vielleicht), darum die werbung. aber ist eh nur wunschdenken von mir. vergessen wirs.
dem unsäglichen redebeitrag von shraga elam möchte ich noch mit auszügen aus einem alten essay von moishe postone entgegnen: "(...) charakteristisch für den holocaust war der verhältnismässig geringe anteil an emotion und unmittelbarem hass (...) und, was das wichtigste ist: der holocaust hatte keine funktionelle bedeutung. die ausrottung der juden war kein mittel zu einem anderen zweck. sie wurden nicht aus militärischen gründen ausgerottet oder um gewaltsam land zu nehmen (wie bei den amerikanischen indianern); es ging auch nicht um die auslöschung der potentiellen widerstandskämpfer unter den juden, mit dem ziel, den rest als heloten besser ausbeuten zu können. (...) es gab auch kein "äusseres" ziel. die ausrottung der juden musste nicht nur total sein, sondern war sich selbst zweck - ausrottung um der ausrottung willen -, ein zweck, der absolute priorität beanspruchte.
eine funktionalistische erklärung des massenmords und eine sündenbock-theorie des antisemitismus können nicht einmal im ansatz erklären, warum in den letzten kriegsjahren, als die deutsche wehrmacht von der roten armee überrollt wurde, ein bedeutender teil des schienenverkehrs für den transport der juden zu den gaskammern benutzt wurde und nicht für die logistische unterstützung des heeres. (...)" (aus: "nationalsozialismus und antisemitismus" kritik und krise nr.4/5, sommer 1991, freiburg)

nonazi