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 :: Interview mit Detlef Hartmann zum RZ-Prozess ::
 Themen | Anti-Kapitalismus/Globalisierung | Repression/Knast 11-11-2013 20:58
AutorIn : knast-soli
soli-plakat Morgen findet in Frankfurt a.M. die Urteilsverkündung im Prozess gegen Sonja Suder wegen Aktionen der Revolutionären Zellen in den 1970er Jahren statt. Die Staatsanwaltschaft fordert 3 Jahre und 9 Monate. Seit mehr als zwei Jahren sitzt Sonja schon im Knast.

Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele Solidarische den Weg in den Gerichtssaal finden. Alle weiteren Infos dazu findet ihr unter: www.verdammtlangquer

Am 25. Oktober wurde im "Vorwärts" (Zürich) ein Interview veröffentlicht, das wir mit Detlef Hartmann geführt haben, einem der Vertrauensanwält/innen von Sonja und Christian. Im Anhang findet Ihr das Interview. Bitte veröffentlicht es, sendet es an eure Freund/innen.

Für jene, die nicht zur Urteilsverkündung fahren können, findet am 21. November im Winterthurer Infoladen Rabia (20:00, Bachtelstr. 70, 8400 Winterthur) eine Informationsveranstaltung zum Prozess statt. An diesem Abend werden wir auch über die aktuelle Situation von Marco Camenisch informieren.

Solidarische Grüsse

Freund/innen und Unterstützer/innen von Marco Camenisch
11.11.2013
soli-plakat
soli-plakat
aus Vorwärts Nr. 37/38, 69. Jahrgang, 25.10.2013, S. 6

»... egal wie löchrig die Grundlage auch ist«

Knast-Soli

Seit September 2012 steht die 80jährige Sonja Suder vor dem Frankfurter Landgericht -- bis vor kurzem zusammen mit dem 72jährigen Christian Gauger. Diesen November soll nun das Urteil gesprochen werden.

Den beiden wird vorgeworfen, sie hätten vor über 35 Jahren an Aktionen der westdeutschen Stadtguerilla »Revolutionäre Zellen« (RZ) teilgenommen. Zum einen geht es um die Entführung der OPEC-Minister 1975. Zum anderen um militante Interventionen 1977/78, gerichtet gegen die Komplizenschaft mit dem rassistischen Apartheid-Regime Südafrikas und gegen die Vertreibung der Unterklassen aus den Innenstädten.

Die deutsche Gesinnungsjustiz werkelte schon länger an diesem Verfahren. Vor 13 Jahren stellte die BRD einen Auslieferungsantrag an Frankreich, wo Sonja und Christian seit langem lebten. Es kam vorerst nicht dazu, denn nach französischem Recht waren die vorgeworfenen Taten längst verjährt. Erst mit der Einführung des sogenannten Europäischen Haftbefehls konnte die Auslieferung 2011 durchgesetzt werden. Seither sitzt Sonja im Knast. Christian kam nach einem längeren juristischen Hin und Her raus, weil es ihm gesundheitlich sehr schlecht geht. Sein Verfahren wurde abgetrennt und schliesslich eingestellt.

Der Prozess beruht zu einem Gutteil auf den Lügengeschichten des ehemaligen RZ-Mitglieds und heutigen Kronzeugen Hans-Joachim Klein, der schon verschiedene Leute beschuldigt hat, als Guerillas dieses oder jenes verbrochen zu haben. Um selber einer langen Strafe zu entgehen, redete er sich um Kopf und Kragen. Das Gewicht seiner Behauptungen wurde im Laufe des Verfahrens durch die Aussagen eines französischen Schmier allerdings relativiert.

Eine weitere Grundlage der Anklage sind die unter Folter und Täuschung erzwungenen »Aussagen« eines schwerverletzten Militanten der RZ. 1978 explodierte auf H.F.s Schoss ein Sprengsatz, der für das Konsulat der argentinischen Militärdiktatur bestimmt war. H.F. überlebte, erlitt aber schwere Verbrennungen und verlor Augen und Beine. Vollgepumpt mit Drogen, orientierungslos und von der Aussenwelt totalisoliert, wurde er noch im Krankenhaus, später 18 Wochen lang in einer Polizeikaserne illegal verhört. Ein Haftbefehl gegen ihn lag nicht vor, er durfte kein Kontakt zu FreundInnen und Anwalt aufnehmen. H.F. hatte später sämtliche angebliche »Aussagen« von sich gewiesen.

Obwohl Verteidigung, Fachpersonen und solidarische Menschenrechtsorganisationen gegen dieses Vorgehen Sturm liefen, liess das Frankfurter Landgericht es sich nicht nehmen, diesen Sommer den schwer behinderten und traumatisierten H.F. als Zeugen zu laden. Da das aus gesundheitlichen Gründen nicht klappte, begann man damit, die Verhörprotokolle im Gerichtssaal zu verlesen. Das kommt einer faktischen Legitimation von Folter als Mittel der Strafverfolgung gleich. Nichts neues für die zuständige Richterin: Sie schlug bereits vor neun Jahren in dieselbe Kerbe, als sie den wegen Folterandrohung angeklagten Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner zur tiefstmöglichen bedingten Geldstrafe verurteilt hatte.

Wir haben Detlef Hartmann, Vertrauensanwalt von Sonja und Christian, einige Fragen zum Prozess gestellt.

> Die Aussagen von H.F. wurden mit illegalen Verhörmethoden erlangt. Sie scheinen jetzt die einzige Grundlage für das Verfahren gegen Sonja Suder. Welche Bedeutung ist diesem Umstand beizumessen?

D.H.: Die Angaben von H.F. sind unter Bedingungen einer schweren psychischen Belastung durch die traumatische Verletzung erlangt worden, durch die er sowohl seine Beine als auch das Augenlicht verloren hat. Sie sind dem Vorwurf der Beteiligung an Sprengstoffanschlägen gegen die Firmen MAN und Klein, Schanzlin und Becker sowie an einem Brandanschlag auf das Heidelberger Schloss zugrunde gelegt worden. Die Sprengstoffanschläge richteten sich gegen die Rolle der Firmen im Programm der atomaren Aufrüstung Südafrikas und der dadurch verschärften Apartheidpolitik. Der Brandanschlag zielte auf die Politik der Stadtsanierung und Bevölkerungsvertreibung in Heidelberg. In einem anderen Verfahren waren schon Gutachten namhafter Psychiater eingeholt worden. Darin fand sich bereits die Feststellung, dass die Entscheidungsfreiheit von H.F. hinsichtlich der Frage, ob er ein Wissen mitteilt oder für sich behält, aufgrund der schweren Traumatisierung eingeschränkt war. Eine solche Einschränkung begründet ein Verwertungsverbot wegen unzulässiger Vernehmungsmethoden gemäss § 136a StPO.

In den letzten 25 Jahren, das heisst in der Zeit nach den genannten Gutachten hat sich der fachmedizinische Wissenszweig der Traumatologie völlig neu und geradezu stürmisch entwickelt mit neuen Methoden der Befunderhebung und Diagnostik. Aus diesem Grund hat die Verteidigung eine erneute Begutachtung beantragt mit der fundierten Behauptung, dass sie verbotene Vernehmungsmethoden beweisen werde. Diesem Beweisbegehren hat das Gericht nicht entsprochen. Es hat dieses vielmehr umgangen. Statt einen auf dem Gebiet der Posttraumatischen Belastungsstörungen ausgebildeten Fachmediziner zu beauftragen, hat es einen Gutachter bestellt, der nur über eine allgemeine psychiatrische Ausbildung verfügte. Inzwischen war H.F. seinerseits von zwei Professoren mit traumatologischer Qualifikation untersucht worden, die auf die Einholung eines spezifisch traumatologischen Gutachtens drängten. Gleichwohl hielt das Gericht an dem insoweit unqualifizierten Gutachter fest, der eine Posttraumatische Belastungsstörung nicht erkennen wollte -- nach Ansicht von Prozessbeobachtern ein Gefälligkeitsgutachten. Natürlich ist die Frage brisant. Das gilt besonders für die Frankfurter Justiz, die bereits mit einem zu milden Urteil über das Verhalten des Frankfurter Polizeipräsidenten aufgefallen ist, dem die Androhung von Folter vorgeworfen worden war. Mangels anderer Beweismittel wäre die Folge der Feststellung von verbotenen Vernehmungsmethoden ein glatter Freispruch.

> Der Kronzeuge Klein wurde durch die Aussage eines Polizisten erneut als Lügner diskreditiert. Welche Grundlagen gibt es, um die Haft von Sonja weiterhin zu rechtfertigen?

D.H.: Der gegen die Angeklagte erhobene weitere Vorwurf einer Beteiligung an der Vorbereitung des Überfalls auf eine Sitzung der OPEC-Minister am 21.12.1975 stützt sich im Kern auf die Behauptung des Kronzeugen Klein, die Angeklagte sei bei zwei Gesprächen zu seiner Anwerbung anwesend gewesen und habe nach Ausbleiben einer aus Libyen zugesicherten Waffen- und Sprengstofflieferung Waffen und Sprengstoff in eine Wiener Wohnung gebracht. Klein hatte sich mit den Behauptungen ein mildes Urteil erkauft. Weitere Beweismittel gibt es nicht. Aber seine Angaben im Ermittlungsverfahren und in der Hauptverhandlung waren gespickt mit Widersprüchen. Vor seiner eigenen Inhaftierung hatte er als Gesprächsteilnehmer genannt: »Brigitte Kuhlmann, die traf ich in einem Wald«. Dann: »Brigitte und noch ein anderer von der RZ«. Dann wieder: »Boese [ein Mann] und Brigitte Kuhlmann.« Dann: »Brigitte Kuhlmann und ein Mann -- ich weiss heute beim besten Willen nicht mehr, wer das war«. Schliesslich: »Kuhlmann, und -- mit höchster Wahrscheinlichkeit -- Weinrich [ein anderer Mann]«. Nach seiner Festnahme bei der französischen Polizei unter Eid: »Ich glaube, dass ich mit Sch. [ein weiterer Mann] in der Strassenbahn dort hingefahren bin. Dort habe ich Boese und Kuhlmann getroffen.« In der Hauptverhandlung sind alle Männer raus aus dem Spiel. Es waren: Kuhlmann und nunmehr die Angeklagte.

Mit Antrag vom 30.01.2013 hat die Verteidigung unter Berufung auf dieses Aussageverhalten den Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls gestellt. Sie hat sich auch darauf berufen können, dass das Frankfurter Schwurgericht [in einem Prozess vor 12 Jahren] in der Hauptverhandlung gegen Klein selbst und den oben angeführten »Sch.« zu dem Ergebnis gekommen ist, dass man dem Angeklagten Klein [...] keinen Glauben schenken könne. »Sch.« wurde freigesprochen.

Danach gibt es, um Eure zweite Frage zu beantworten, keine Grundlagen für die Aufrechterhaltung der Haft. Gleichwohl ist der Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls zurückgewiesen worden.

> Welche Einschätzung hast Du zum Prozess?

D.H.: Eine feste Einschätzung zu diesem Prozess ist schwer zu gewinnen. Die Beweisgrundlage war von Anfang an so löchrig, wie sie sich später im Verfahren noch einmal herausgestellt hat. Prozessbeobachter zermartern sich die Köpfe, was ein Prozess auf so löchriger Grundlage gegen zwei alte Leute (72 und über 80 Jahre) aus dem linken Spektrum überhaupt soll. Ein Exempel statuieren? Geht es darum, Signale der Repression an die zukünftige Linke zu senden? Liegt es an den »Revolutionären Zellen«? Deren Strukturen sind trotz intensiver Bemühungen und trotz zweier Kronzeugen nie voll aufgeklärt worden. Sind da Rechnungen offen? Die Gefährlichkeit dieser Gruppierung ist damals darin gesehen worden, dass sie in gesellschaftliche Konflikte in einer grossen Bandbreite von Arbeitsausbeutung über Flüchtlingspolitik bis hin zu den imperialistischen Strategien eingriff und als »Rote Zora« feministische Politik betrieb. Die Themen haben an Bedeutung nicht verloren. Geht es um ein Signal in die Zukunft, egal wie löchrig die Grundlage auch ist? Oder ist die Löchrigkeit ein weiterer Grund und die Botschaft lautet: derlei Fragwürdigkeiten werden uns nicht hindern! Denn immerhin geht die soziale Zerstörung und Entrechtung inzwischen sehr weit. Auf meine Einschätzung als Verteidiger zu diesem Prozess kommt es dabei wenig an. Es kommt auf die Einschätzungen derer an, die ihn -- und zwar zu Recht -- aufmerksam und intensiv verfolgen. Es kommt also auf Euch an.

- Neuigkeiten und Hintergründe zum Prozess unter www.verdammtlangquer.org

- Termine: Am 26.10. findet vor der JVA Frankfurt-Preungesheim um 16:00 eine Knastkundgebung für Sonja statt. Am 29.10. hält die Staatsanwaltschaft am Landgericht Frankfurt ihr Plädoyer, am 5.11. die Verteidigung, am 12.11 soll das Urteil verkündet werden.

- Schreibt an Sonja Suder, JVA Frankfurt III, Ob. Kreuzäckerstr. 4, D-60435 Frankfurt a.M.

- Hintergründe zur Politik der RZ/Rote Zora: ID-Archiv im IISG (Hrsg.), Die Früchte des Zorns, Berlin/Amsterdam 1993. Hintergründe zu früheren RZ-Prozessen findet man unter www.freilassung.de.
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  Urteil: 3 1/2 Jahre
12.11.2013 13:33  
Frankfurter Rundschau, 12.11.13:

Opec-Prozess Sonja Suder: Freispruch für Suder

Der Prozess um den tödlichen Opec-Anschlag in Wien endet vor dem Frankfurter Landgericht mit einem Freispruch für die 80-jährige Sonja Suder. Suder wird allerdings wegen anderer Vergehen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Frankfurter Prozess um den tödlichen Überfall auf die Wiener Opec-Konferenz vor fast 40 Jahren ist mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Die Mordvorwürfe gegen Sonja Suder sind nach dem Urteil des Landgerichts nicht erwiesen. Die inzwischen 80-Jährige war ursprünglich angeklagt gewesen, das Attentat auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder im Jahr 1975 mitvorbereitet zu haben. Der Überfall, bei dem drei Menschen starben, stand unter dem Kommando des Terroristen Ilich Ramirez Sanchez alias Carlos.

Das Frankfurter Gericht verurteilte Suder am Dienstag allerdings wegen der Beteiligung an drei Anschlägen Ende der 1970er Jahre in Süddeutschland zu dreieinhalb Jahren Haft. Dabei ging es um Attentate auf das Heidelberger Schloss, eine Pumpenfabrik im pfälzischen Frankenthal und die Firma MAN in Nürnberg. Es war beträchtlicher Schaden entstanden. Die Taten wären erst nach 40 Jahren endgültig verjährt gewesen. Vor allem bei dem Bombenanschlag auf den Königssaal im Heidelberger Schloss in einer Mainacht 1978 habe die Angeklagte die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen, sagte die Vorsitzende Richterin. Eine halbe Stunde vor der Explosion sei noch ein Schlosswächter in dem Saal gewesen.

Strafe außer Vollzug

Suder nahm das Urteil äußerlich ungerührt entgegen, die Augen mit einer Sonnenbrille verdeckt. Die heute 80-Jährige soll einst den Revolutionären Zellen (RZ) angehört haben, einer linksextremistischen Terrorgruppierung. Sie konnte den Gerichtssaal nach dem Urteil auf freiem Fuß verlassen. Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt, da Suder bereits mehr als zwei Drittel der Gefängnisstrafe in der Untersuchungshaft abgesessen hat. Auf der Straße vor dem Landgericht wurde sie anschließend von rund 100 Sympathisanten gefeiert. Der Prozess in Frankfurt hatte fast 14 Monate gedauert. Die Staatsanwaltschaft selbst war im Lauf des Verfahrens vom Mordvorwurf gegen Suder abgerückt, weil eine Mittäterschaft an dem Opec-Attentat nicht nachweisbar gewesen sei. Das Gericht sprach bei der Urteilsverkündung von einer «ungeheuer beschwerlichen Sachaufklärung».

Widersprüchliche Aussagen

Suder soll sich vor dem Opec-Anschlag im Frankfurter Stadtwald mit dem Terroristen Hans-Joachim Klein getroffen und Waffen für Carlos beschafft haben, lautete die Anklage. Doch Widersprüche in den Aussagen von Klein, der mehrere Verhandlungstage lang befragt wurde, konnten auch aus Sicht des Gerichts nicht aufgelöst werden. Der Ex-Terrorist Klein war wegen seiner Beteiligung am Opec-Anschlag bereits im Jahr 2001 verurteilt worden war. Die Verteidigung hatte in allen Anklagepunkten Freispruch gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wegen der Anschläge in Süddeutschland war auch Suders Lebensgefährte angeklagt worden. Das Verfahren wurde aber wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustands erst abgetrennt und später ganz eingestellt. (dpa)

Quelle:  http://www.fr-online.de/frankfurt/opec-prozess-sonja-suder-freispruch-fuer-suder,1472798,25008664.html


AutorIn: Sean Burns, Eugene Toman & Gervaise McKerr
  Weitere Artikel...
12.11.2013 13:47  


AutorIn: J Mari Izura, R Delas, P Mari Isa, D Aizpuru
  Presseerkärung des Solikomitees für Sonja und Christian
12.11.2013 13:58  


Presseerkärung des Solikomitees für Sonja und Christian und der Roten Hilfe

Nach über zwei Jahren ist Sonja Suder heute Mittag freigelassen worden. Das Frankfurter Landgericht verurteilte sie zu 3 Jahren und 6 Monaten, der Haftbefehl wurde außer Vollzuggesetzt, – wegen der Beteiligung an drei Brandanschlägen in den 1970er Jahren. Das Gericht folgte damit weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Für den Vorwurf der Beteiligung am Angriff auf die OPEC-Konferenz 1975 in Wien wurde Sonja freigesprochen, da den Beschuldigungen des Kronzeugen Hans-Joachim Klein nicht geglaubt werden konnte. Den Kronzeugen will sich das Gericht mit dem Urteil aber warmhalten; seine Lügen wurden ausschließlich seinem fehlenden Erinnerungsvermögen zugeschrieben. Das Gericht legte Wert darauf, festzustellen, dass Klein keinesfalls bewusst die Unwahrheit sage. Auf diese Weise kann ihr Kronzeuge auch in etwaigen zukünftigen Verfahren wieder nach Bedarf verwendet werden.

Richtungsweisend für zukünftige Verfahren ist auch, dass das Gericht die Verwertbarkeit der Folterprotokolle, die 1978 von Hermann F. abgepresst worden waren, mit diesem Urteil ein weiteres Mal festschreibt: Die seitens der Gutachter_innen der Verteidigung bezeugte Traumatisierung von Hermann F., die eine Nichtverwendbarkeit seiner damaligen Äußerungen zur Folge gehabt hätte, wurde vom Gericht verneint. Auch in Zukunft können unter Folter gewonnene Aussagen damit juristisch verwertet werden.

Wir freuen uns, Sonja mit über 100 Leuten am Haupteingang des Gerichts mit Sekt und Musik in Empfang genommen zu haben.

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Frankfurt, 12. November 2013
Solikomitees für Sonja und Christian / Rote Hilfe

Quelle:  http://www.verdammtlangquer.org/2013/11/sonja-ist-draussen/


AutorIn: Flying Column
  Artikel Junge Welt
12.11.2013 14:35  
Artikel JW, 12.11.13:

Heute: Urteil im RZ-Prozess

Gerichtsverfahren am Landgericht Frankfurt wird am Dienstag enden. Unterstützer rufen zu Solidarität mit Sonja Suder. 80jährige seit über zwei Jahren in U-Haft

Im Prozeß gegen das vermeintliche Mitglied der »Revolutionären Zellen« (RZ), Sonja Suder, will das Landgericht Frankfurt am Main am heutigen Dienstag das Urteil verkünden. Der 80jährigen, die nunmehr seit über zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt und jegliche Aussage vor Gericht verweigert hatte, wurde seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, in den 1970er Jahren an verschiedenen Anschlägen der linken Stadtguerilla beteiligt gewesen zu sein.

Konkret soll Suder laut der Anklagebehörde unter anderem Waffen für einen Überfall auf die OPEC-Konferenz 1975 in Wien transportiert haben und in Anschläge auf die MAN-Werke in Nürnberg, das Heidelberger Schloß sowie die Firma Klein, Schanzlin & Becker AG (KSB) in Frankenthal involviert gewesen sein.

Ursprünglich war der Prozeß gegen Suder und ihren Lebensgefährten Christian Gauger gemeinsam geführt worden. Das Verfahren gegen Gauger war jedoch aufgrund seines ausgesprochen schlechten Gesundheitszustandes vorübergehend eingestellt worden (jW berichtete). Hingegen wurden alle Anträge der Verteidigung, die betagte Sonja Suder zumindest aus der Haft zu entlassen, von den Richtern abgelehnt. Dies mit der zynisch anmutenden Begründung, daß aufgrund ihres hohen Alters von einer erhöhten Fluchtgefahr ausgegangen werden müsse. Schließlich sei damit zu rechnen, daß Suder nach einer möglichen Verurteilung den Großteil ihres restlichen Lebens in Haft verbringen müsse, so das Gericht.

Der gesamte Prozeß hatte im In- und Ausland zu Protesten von linken Gruppen und Bürgerrechtsorganisationen geführt. So warf das »Komitee für Grundrechte und Demokratie« dem Gericht vor, gegen die Grund- und Menschenrechte zu verstoßen, an die alle staatliche Gewalt gebunden sei. Die »Internationale Liga für Menschenrechte« hatte die Frankfurter Richter mittels eines offenen Briefes aufgefordert, alles zu tun, »um das Recht der Angeklagten auf ein gerechtes Verfahren vor einem unparteiischen Gericht zu erfüllen und alle für ihre Verteidigung notwendigen Garantien einzuhalten«.

Besagter Aufforderung war das Landgericht jedoch offensichtlich nicht nachgekommen. So ließen die Frankfurter Richter etwa Vernehmungsprotokolle des Zeugen Hermann Feiling aus dem Jahr 1978 verlesen. Feiling mußten in Folge eines schweren Explosionsunfalles beide Augen entfernt und die Beine oberhalb der Oberschenkel amputiert werden. Der Schwerverletzte, der unter diversen Medikamenten gestanden hatte, war damals unmittelbar nach seiner Operation von Beamten verhört worden, was von Bürgerrechtsorganisationen »als Verstoß gegen das Folterverbot« gewertet wurde. Auch ein von einer Traumatologin erarbeitetes Gutachten, in dem diese zu dem Schluß kam, daß Feiling schon damals aufgrund des Unfalls wahrscheinlich an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, in seiner Willens- und Urteilsfähigkeit eingeschränkt war und nicht hätte vernommen werden dürfen, ließ das Gericht kalt.

Während die Verteidiger Suders deren Freispruch in allen Anklagepunkten fordern, sprach sich Staatsanwalt Bernd Rauchhaus bei seinem Abschlußplädoyer für eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten aus. Unterstützer der 80jährigen rufen unterdessen zur Solidarität mit der Angeklagten und zur Teilnahme an der heutigen Urteilsverkündung auf.

Urteilsverkündung im Landgericht Frankfurt am Main, 9 Uhr, Gerichtsstr. 2

www.verdammtlangquer.org

Markus Bernhardt / Junge Welt vom 12. November 2013

Quelle:  http://political-prisoners.net/item/2624-heute-urteil-im-rz-prozess.html


AutorIn: noi siamo stufe
  Bilder ...
12.11.2013 21:48  
... aus Frankfurt


AutorIn: askatasuna
  Kurzer Bericht zum Ende des Prozesses gegen Sonja
12.11.2013 22:34  
Sonja S., die nach langem Hin und Her im September 2011 vom französischen Staat an die deutschen Behörden ausgeliefert wurde, konnte nun endlich dem Ende des rechtstaatlichen Spektakels entgegenblicken. Nach über zwei Jahren U-Haft konnte sie heute am 12. November von Freund_innen und Unterstützer_innen freudig in Empfang genommen werden.

Sie bekam vom Gericht eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten aufs Auge gedrückt.

Da ihr die U-Haft und auch eine Haftzeit in Frankreich angerechnet wurden, kam die bereits 80-jährige Sonja nun auf Bewährung frei. Der Gerichtssaal war voll belegt, viele blieben draußen in der Kälte und erfreuten sich der solidarischen Wärme. Begrüßt wurde sie von einem fröhlichen Mob von ca. 100 Menschen vor dem Gerichtsgebäude. Sektkorken knallten, es wurde gesungen und gefeiert.

Das mediale Interesse war groß heute, denn Sonja wurde für lange zurückliegende militante Aktionen aus den 70iger Jahren verurteilt. Es ist für uns unerträglich wenn Pressemenschen aus dem Spektakel auch noch nen Müden Euro rausschlagen wollen.

Mal ganz zu schweigen davon, dass einige grundsätzlich keinen Bock darauf haben, ungefragt eine Kamera im Gesicht kleben zu haben, nur damit wieder ein Pressefutzi unsere Solidarität in den Dreck zieht und zu allem Überfluss unsere Worte im Mund umdreht. ...weiteres zur Diskussion zum Umgang mit der Presse aber besser ein andermal...

Der Staat vergisst nie... (wir übrigens auch nicht).

Der Vorwurf der Anklage, nach dem Sonja den OPEC-Überfall unterstützt haben soll, war selbst in diesem Spektakel unhaltbar. Verurteilt wurde sie nun für militante Aktionen gegen die Atomlobby und Gentrifizierung. Das Konstrukt der Anklage stützte sich auf Aussagen des Verräters Hans-Joachim Klein und einer erpressten Aussage Hermann F. aus den 70ern. Klein hat, um sich aus einer längeren Knaststrafe frei zu lügen und zu kaufen, Ideen und kollektives Gut von kämpfenden Strukturen verraten. Hier ist auch eine Aussage eines französischen Bullen interessant, der Klein als unglaubwürdigen Lügner bezeichnet hat.

Hermann wurde damals zu einer Aussage unter Folter genötigt. Er verlor aufgrund eines Unfalls mit einem Sprengsatz sein Augenlicht und seine Beine, wurde direkt danach traumatisiert im Krankenhaus verhört. Später widerrief er seine Aussage.

Eine weitere "Zeugin", Sybille, hatte während des Prozesses dieses Jahres jegliche Aussage verweigert und wurde dafür vier Monate weggesperrt.

Wir vergessen nicht....

In der Urteilsbegründung holte die Richterin weit aus. Es wirkte teilweise so, als würde sie sich persönlich angegriffen fühlen. So denunzierte sie Sonja, sie hätte Hermann im Stich gelassen, weil sie damals abgetaucht sind. Auch schön, dass die Richterin Hans-Joachim Klein als den mutigsten Menschen aus den RZ-Zusammenhängen bezeichnete. Dies zeigt nur einmal mehr, wie "Recht und Ordnung" gesprochen werden. Nun hat mal wieder eine staatliche Schmierenkomödie ein Ende gefunden. Wir freuen uns für Sonja, dass sie nun wieder die Möglichkeit hat, unter ihren Freund_innen zu sein.

Und wir danken Sonja, Sybille und Christian für eine tolles Beispiel von absolut konsequenter Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit den Schergen des Staates.

Wir wünschen Sonja und Christian alles erdenklich Gute

"Wenn du einmal ausgemacht hast, wenn etwas passiert, dann kein Wort, keine Aussage. Dann hast du ein sicheres Gefühl."
Sonja Suder

Quelle:  https://linksunten.indymedia.org/de/node/99285


AutorIn: Archie Wah Wah
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. Veranstaltung in Winterhtur — Choctaw Nation
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